Amtliche Warnung vor Medikamenten

Allgemein, Günzburg Dienstag, 3. September - 2019 17:40

Das Landratsamt Günzburg warnt vor selbst hergestellten Produkten aus der St. Martins-Apotheke in Jettingen-Scheppach.

Konkret geht es um die Mittel „Procain“ sowie „Roter Reisschalenextrakt“ mit einem bestimmten Datum. Beide Präparate seien fehlerhaft dosiert worden. Das Landratsamt stuft die Mittel als gesundheitlich bedenklich ein. Inzwischen ermittelt die Kriminalpolizei Neu-Ulm gegen zwei Apotheker und eine Apothekerin wegen Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz. Die gesundheitsgefährdenden Nahrungsergänzungsmittel wurden auch online angeboten. Sie sollen illegal und falsch beworben worden sein.

Die Warnung der Behörden:

Das Landratsamt Günzburg warnt aus Gründen des vorbeugenden Verbraucherschutzes eindringlich vor der Einnahme folgender (Defektur-)Arzneimittel:

Procain (Inhalt lt. Deklaration: Procain HCl 200 mg, Natriumascorbat ad 400 mg), Inhalt: 100 Kapseln, Datum: 04. Oktober 2018, EXP. 12/20, Ch.-Nr.: 334855

Roter Reisschalenextrakt, (Inhalt lt. Deklaration: Roter Reisschalenextrakt 300 mg), Inhalt: 90 Kapseln, Datum: 28. Juni 2019, EXP. 07/21, Ch.-Nr.: 342365

die in der Apotheke

  • Martins-Apotheke, Hauptstr. 68, 89343 Jettingen-Scheppach

selbst hergestellt wurden. Eine Abgabe über die Apotheken

  • Rathausapotheke, Weberstr. 3, 89343 Jettingen-Scheppach
  • Stauden-Apotheke, Rathausstr. 64, 86863 Langenneufnach

kann ebenfalls nicht ausgeschlossen werden.

Beide Präparate werden aufgrund ihrer Zusammensetzung (fehlerhafte Dosierung der Inhaltsstoffe) als gesundheitlich bedenklich eingestuft und sollten deshalb nicht eingenommen werden. Die Produkte wurden in blauen Plastikdosen mit Deckel und gelber Etikettierung (in seltenen Fällen auch weiße Etikettierung) an den Verbraucher abgegeben (siehe folgendes Beispiel).

Auf Grund der im Rahmen einer Überprüfung der Herstellungsbedingungen vorgefundenen Umstände ist aus Sicht der Behörde auch für andere in den drei genannten Apotheken in der oben dargestellten Verpackung vertriebene, selbst hergestellte Arzneimittel nicht zweifelsfrei gewährleistet, dass diese nicht bedenklich oder in ihrer Qualität nicht unerheblich gemindert sind. Vorsorglich sollte deshalb auch von der Einnahme anderer, in den drei Apotheken selbst hergestellten und abgegebenen (Defektur-)Arzneimitteln abgesehen werden.

Über die drei Apotheken abgegebene Fertigarzneimittel anderer Anbieter sind von dieser Warnung ausdrücklich nicht betroffen.

Kunden werden gebeten noch vorhandene, in den Apotheken selbst hergestellte (Defektur-)Arzneimittel bei der nächstgelegenen Polizeidienststelle abzugeben.

Sollten nach der Einnahme der genannten Arzneimittel gesundheitliche Beschwerden auftreten, wird die Kontaktaufnahme mit dem Hausarzt empfohlen.

Zu den Ermittlungen heißt es:

Derzeit wird durch die Kriminalpolizeiinspektion Neu-Ulm gegen zwei Apotheker und eine Apothekerin wegen Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz ermittelt.

Aufgrund einer Mitteilung eines Landratsamtes bei der Staatsanwaltschaft Memmingen besteht der Verdacht, dass die tatverdächtigen Apotheker aus dem südlichen Landkreis Augsburg, sowie aus dem östlichen Landkreis Günzburg über drei Apotheken in den Landkreisen, sowie über einen online-Handel selbst hergestellte Produkte illegal und falsch beworben an ahnungslose Verbraucher verkauft haben. Es besteht der Verdacht, dass es sich hierbei nicht, wie durch die Apotheker beworben, um Nahrungsergänzungsmittel handelte, sondern um Produkte, die unter das Arzneimittelgesetz fallen und hierfür weder eine Genehmigung vorlag, noch entsprechende Vorschriften bei der Herstellung eingehalten wurden. Beim Vollzug mehrerer Durchsuchungsbeschlüsse in drei Apotheken und Privatanwesen im Juli 2019, an der neben der Kriminalpolizeiinspektion Neu-Ulm auch das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) beteiligt war, wurden größere Mengen an Ausgangssubstanzen, Verpackungsmaterialien, Endprodukte, sowie entsprechende Daten als Beweismittel sichergestellt.

Das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) ist derzeit mit der Erstellung von Gutachten zu rund 60 entnommenen Produktproben betraut. Hierbei musste jedoch bereits zum jetzigen Zeitpunkt festgestellt werden, dass zwei Produkte aufgrund ihrer festgestellten Substanzzusammensetzung durch das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) als bedenklich eingestuft wurden. Es handelt sich dabei nach eingehender Prüfung um (Defektur-)Arzneimittel in blauen Plastikdosen und gelber (seltener auch weißer) Etikettierung mit den Wirkstoffen Procain und Roter Reisschalenextrakt, welche als Nahrungsergänzungsmittel an Verbraucher verkauft wurden. Auf entsprechende Warnmeldungen durch die Landratsämter wird in diesem Zusammenhang hingewiesen. Kunden, die im Besitz derartiger (Defektur-)Arzneimittel sind, werden gebeten, diese nicht mehr einzunehmen und bei der nächsten Polizeidienststelle abzugeben.

Derzeit ist das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) mit der Erstellung aller notwendigen Gutachten, sowie die Kriminalpolizeiinspektion NeuUlm mit der Auswertung aller Beweismittel betraut. Diese umfangreichen Ermittlungen werden noch einige Zeit in Anspruch nehmen.

Bilder: Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL)

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