Der Regenwald brennt! Was geht’s uns an?

Allgemein, Günzburg Donnerstag, 5. September - 2019 15:42

Seit Wochen wüten in Brasilien tausende Waldbrände. Aber – was haben wir Schwaben damit zu tun? Und was können wir überhaupt dagegen unternehmen?

Was uns das angeht und was jeder Einzelne tun kann – darüber haben wir mit Bernhard Lohr vom Günzburger Verein „Faszination Regenwald“ im DONAU 3 FM Interview gesprochen.

Bernhard Lohr spricht von einem echten Drama, das sich momentan im Amazonas abspielt: „Es ist wirklich eine Katastrophe globalen Ausmaßes: 80.000 Brände – mehr denn je. Es brennt ja leider jedes Jahr in Amazonien, auch in Südostasien. Also ist es jedes Jahr eine furchtbare Situation. Heuer eskaliert sie aber total! Das hat natürlich auch mit der geänderten politischen Situation in Brasilien zu tun. Der neue Staatspräsident hat mit Naturschutz gar nichts am Hut. Ganz im Gegenteil, er sieht Amazonien als die neue Wirtschaftsmetropole in Brasilien. Und Wirtschaft und Regenwald passt nicht zusammen.“

Der Regenwald ist vielmehr als die grüne Lunge der Welt, er ist auch Lebensraum von Millionen von Tieren: „Der zweite Aspekt dieser Katastrophe ist, dass damit natürlich auch ein Artensterben ungekannten Ausmaßes verbunden ist. Es wird in unserer öffentlichen Diskussion leider immer so ein bisschen übersehen. Diese Seiten muss man auch zusammen denken. Der globale Klimawandel ist nicht zu trennen von dem Artensterben, wie wir es im Moment erleben.“

Vom morgen beginnenden Amazonas-Gipfel erwartet sich Lohr nicht allzu viel. Die Staaten-Gemeinschaft könnte viel mehr machen, aber immerhin ist das Thema in der Öffentlichkeit angekommen: „Das wichtigste ist öffentlicher Druck. Die Situation ist ja jedes Jahr schlimm. Heuer ist sie nur so exorbitant schlimm, dass die Weltöffentlichkeit aufschreit, was letztlich ein Segen ist, damit wir Kenntnis nehmen davon, was da jedes Jahr passiert. Was ja auch zeitgleich in Indonesien passiert ist. Es geht ja nicht nur um Brasilien.“

Auch wenn es sich um ein großes, globales Thema handelt, jeder einzelne kann mit seinem Verhalten darauf Einfluss nehmen: „Unser Konsumverhalten ist der Schlüssel zu einer Änderung in Bezug auf die Vernichtung tropischer Regenwälder. Die industrialisierte Landwirtschaft, vor Allem die Fleischwirtschaft global gesehen, ist Umweltvernichter Nummer eins. Wir können die ideologische Krise nur lösen, wenn wir bei uns selbst anfangen und unser Konsum- und Einkaufsverhalten ändern.“

Das betrifft auch unseren Fleischkonsum: „Das entscheidende ist, dass man Fleisch von Tieren kauft, die ökologisch vertretbar aufgezogen wurden. Und es gibt die Möglichkeit in Deutschland. Sie können heute in den Bioladen gehen, es gibt Labels, bei denen kann man sich sicher sein, dass die Tiere eben nicht mit Soja aus Brasilien gefüttert wurden, sondern mit heimischen Futterpflanzen. Da ist das Entscheidende! Es geht darum bewusst Sachen zu kaufen, die bei uns vor Ort produziert werden.“

Ende des Monats, am 28. September um 19 Uhr, findet im Sportheim Wasserburg eine interessante Podiumsdiskussion zum globalen Artensterben statt. Der Titel: „Quo vadis Leben?“

Zu den Teilnehmern gehört unter anderem Dr. Verena Brunschweiger, die mit ihrem Buch „Kinderfrei statt kinderlos“ zuletzt für mächtig Furore gesorgt hat. Zu den Teilnehmern gehört auch Orang-Utan-Fan Benny-Over. Der Eintritt ist frei.


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