Polizei Ulm: Kriminalitätslage in der Region ist auf Tiefststand

Allgemein, Polizeimeldungen, Ulm / Neu-Ulm Montag, 25. März - 2019 17:16

Wie schaut es aus mit unserer Sicherheit? Sie ist so sicher wie lange nicht mehr, teilt heute die Polizei Ulm in ihrem neuen Bericht zur Kriminalitätslage für das Jahr 2018 mit. Demnach war die Kriminalitätslage mit 36.515 registrierten Straftaten nahezu identisch mit dem Vorjahr; 71 Straftaten weniger entsprechen einem Rückgang von 0,2 %. Der erneute Rückgang im dritten Jahr nacheinander sei erfreulich und markiere einen neuen Tiefststand, heißt es. Das Polizeipräsidium Ulm liegt mit den Rückgängen im Landestrend und ist mit der Entwicklung zufrieden.

Hier der Original-Bericht der Polizei:

Die Polizeiliche Kriminalstatistik 2018 für den Bereich des Polizeipräsidiums Ulm verzeichnet zum dritten Mal in Folge einen Rückgang der Straftaten, wenn auch nur leicht: Im Vergleich zum Vorjahr ging die Zahl der registrierten Straftaten 2018 um 71 auf jetzt 36.515 Straftaten zurück (-0,2 Prozent). Die Zahl der versuchten Straftaten hat dabei deutlich zugenommen: 2.487 Versuche registrierte die Polizei, das sind 333 mehr als noch im Vorjahr. In diesen Fällen scheiterten die Täter. In der Detailbetrachtung dieser nahezu unveränderten Gesamtzahlen sind die Entwicklungen in den Landkreisen Alb-Donau, Biberach, Göppingen, Heidenheim und in der Stadt Ulm unterschiedlich und werden nun im Nachgang ganz individuell auf- und nachbereitet, die Vorstellung in den Regionalkonferenzen sind schon terminiert.

PRÄVENTION WIRKT

Vier Fünftel dieser 2.487 Versuche waren Diebstähle oder Betrügereien. Gerade solche Delikte ließen sich durch intensive Anstrengungen in der Prävention verhindern: Etwa durch Diebstahls- und Einbruchschutz oder durch Aufmerksamkeit. Vor allem hier setze das Polizeipräsidium Ulm einen Schwerpunkt: Mit Tipps und Verhaltenshinweisen. Knapp 63 Prozent und damit 22.829 aller Straftaten hat die Polizei aufgeklärt, also etwa zwei von drei Straftaten. Mit der Aufklärungsquote liege das Polizeipräsidium Ulm in etwa auf dem Durchschnitt des Landes Baden- Württemberg (62,7 Prozent). Ein weiterer Indikator, wie sicher eine Region ist, ist die Kriminalitätshäufigkeitszahl. Sie ist ein statistischer Wert für die Kriminalitätsbelastung je 100.000 Einwohner. Diese lag im Jahr 2018 bei 4.027 Straftaten. Traditionell liegt die Belastung im Bereich des Polizeipräsidiums Ulm auf niedrigem Niveau, das Ergebnis des Jahres 2018 ist jedoch der Tiefststand der letzten zehn Jahre und liegt deutlich unter dem Landesdurchschnitt von 5.191 Straftaten. „Weniger Straftaten, höhere Aufklärungsquote, niedrigere Belastung: Die Menschen in der Region dürfen sich nach wie vor sicher fühlen. Und sie dürfen darauf vertrauen, dass die Polizei alles tut, um die Sicherheit zu gewährleisten“, resümierte Polizeipräsident Christian Nill, Leiter des Polizeipräsidiums Ulm.

BINNEN DREI JAHREN NUR NOCH HALB SO VIELE WOHNUNGSEINBRÜCHE

Gerade die Diebstähle hätten sich positiv entwickelt. Um elf Prozent ging ihre Zahl im Vergleich zum Vorjahr auf jetzt 11.056 Fälle zurück. Auffällig sei hier der Rückgang der schweren Diebstähle von Fahrrädern um etwa ein Fünftel (-243 auf 883 Fälle, -22 Prozent) und beim Wohnungseinbruch. Die Zahl der Einbrüche in Wohnungen sank um mehr als ein Viertel auf jetzt 429 Fälle (-169 Fälle, -28 Prozent). Der Rückgang sei in allen Landkreisen zu beobachten, wenn auch in unterschiedlicher Ausprägung. Gegenüber dem Jahr 2015 habe sich die Zahl der Wohnungseinbrüche sogar mehr als halbiert (von 895 auf jetzt 429 Fälle, -466 Fälle, -52 Prozent). Gleichzeitig steige der Anteil der Fälle, in denen die Einbrecher scheiterten (+1,8 Prozentpunkte auf 43,1 Prozent), nahezu stetig an. „Das zeigt, dass die Bürger verstärkt Sicherungstechnik nutzen, aufmerksam sind und die Polizei mit den richtigen Maßnahmen an der richtigen Stelle ansetzt“, sagte der stellvertretende Leiter der Kriminalpolizeidirektion, Kriminaldirektor Bernd Ziehfreund. Die Polizei habe ihre Ermittlungen intensiviert und in einer Ermittlungsgruppe zusammengefasst, die Kontrollen wurden ausgeweitet und gleichzeitig die Prävention verstärkt auf die Hausbesitzer und -bewohner gerichtet. Dieser enorme Aufwand habe seine Wirkung nicht verfehlt, wie die Zahlen zeigten, so Ziehfreund.

BETRÜGER MISSBRAUCHEN VERTRAUEN IN DIE POLIZEI

Stark zugenommen habe die Zahl der Betrugsdelikte, bei der die Täter vorspiegeln als Polizeibeamter zu handeln. Die Zahl der Fälle stieg eklatant von 193 im Jahr 2017 auf jetzt 505 Taten, also um das eineinhalbfache an. Zwar scheiterten die Betrüger in der überwiegenden Zahl der Fälle (96 Prozent). In den 19 Fällen, in denen sie erfolgreich waren, ergaunerten die Unbekannten aber knapp 400.000 Euro. „Diese Betrüger bringen ihre Opfer, meist Senioren, um ihre Lebensleistung“, stellte Nill fest. „Die Täter nutzen das Vertrauen der Menschen in die Polizei für ihre betrügerische Absicht, sie stellen die Glaubwürdigkeit und die Integrität der Polizei in Frage – eine sehr perfides Vorgehen, das in keinster Weise akzeptiert werden kann“, so Nill weiter. Weil die Täter aus dem Ausland und sehr vorsichtig agierten sei die Aufklärung der Fälle nur sehr schwer möglich: Sieben Fälle klärte die Polizei im vergangenen Jahr auf. Dennoch zeige die hohe Zahl der Versuche, dass die Bürgerinnen und Bürger in der Region sensibilisiert sind und sich in den meisten Fällen an die Tipps der Polizei halten: Das Gespräch sofort zu beenden, nicht auf die Forderungen einzugehen und gleich die Polizei zu verständigen. Dass diese Täter überregional agieren zeigt ein Fall vom Januar 2018, nach dem die Polizei zwei Verdächtige ermittelt hatte. Sie waren auch im Bodenseekreis und bei Bonn mit dieser Masche aufgetreten. Die Männer wurden zu Haftstrafen von mehreren Jahren verurteilt.

KONTROLLEN LASSEN ZAHLEN STEIGEN

Stark angestiegen sei auch die Zahl der registrierten Rauschgiftdelikte in der Region. Ihre Zahl stieg um fast ein Viertel auf jetzt 2.683 Fälle (+517 Fälle, +24 Prozent). Das bedeute nicht zwingend, dass tatsächlich mehr Straftaten begangen würden. Vielmehr decke die Polizei durch ihre intensiveren Ermittlungen in der Drogenkriminalität mehr Delikte auf. Rauschgiftkonsum habe viele sozialschädliche Begleiterscheinungen: Neben den Risiken für die Gesundheit, der Beschaffungs- und Begleitkriminalität und Gewalt sind dies auch die Gefahren im Straßenverkehr durch berauschte Fahrer. „Illegale Drogen sind für den Einzelnen und für die Gesellschaft gefährlich. Wir werden alles Mögliche tun, um gegen diese Form von Kriminalität vorzugehen“, sagte Ziehfreund und verwies dabei auf die jetzt für den Landkreis Göppingen neu eingerichtete Rauschgiftermittlungsgruppe. Solche Bekämpfungsansätze seien in den anderen Landkreisen sehr erfolgreich. Sie jetzt auch im Landkreis Göppingen einzurichten, sei eine logische Konsequenz gewesen. Gleichzeitig schule die Polizei derzeit ihre Beschäftigten, beispielsweise des Streifendienstes, intensiv in der Erkennung von Drogenkonsum. Damit wolle sie noch mehr Konsumenten und vor allem die Begehung von Handelsdelikten erkennen. Durch die intensive Bekämpfung der Rauschgiftkriminalität sollen Impulse für die Konsumenten gesetzt werden, den Weg aus dem Kreislauf der Sucht zu finden. Damit wird deutlich, dass bei diesem Deliktsfeld letztlich polizeiübergreifend vorzugehen ist.

MEHR HÄUSLICHE GEWALT KOMMT ANS LICHT

Die Zahl der Gewaltdelikte ist erstmals seit 2015 wieder zurückgegangen. Ihre Zahl sank von 1.320 auf jetzt 1.248 Fälle (-75 Fälle, -6 Prozent). Eine ähnliche Entwicklung sei landesweit zu beobachten. Innerhalb dieser Deliktsgruppe steige allerdings die Zahl der Fälle häuslicher Gewalt stark an: Um 142 Fälle oder 25 Prozent stieg ihre Zahl auf 712 Fälle im Jahr 2018. Dabei handele es sich hauptsächlich um Körperverletzungen und Bedrohungen (622 Fälle), aber auch um Straftaten gegen das Leben (zwei Fälle) und gegen die sexuelle Selbstbestimmung (zwölf Fälle). Die Polizei habe seit vielen Jahren Ansprechpartner für Menschen, die Opfer häuslicher Gewalt wurden. Diese Ansprechpartner führten oder koordinierten die Ermittlungen, verständigten die Behörden, böten Hilfe und Tipps und hätten ein waches Auge auf die Täter. Sie initiierten so genannte Gefährderansprachen mit den Aggressoren und sorgten im Bedarfsfall dafür, dass die Täter ein Betretungsverbot für die Wohnung bekommen. Auf diese Weise ließen sich in einem ersten Schritt Gefahren für die Opfer, meist Frauen und Kinder, abwehren. Auf dem weiteren Weg seien dann nicht nur die Polizei, sondern auch Behörden und Hilfeeinrichtungen wichtige Ratgeber und Unterstützer der Opfer. Mit diesem übergreifenden Konzept wolle die Polizei die Opfer stärken, Gewaltdelikte im häuslichen Bereich rechtzeitig erkennen und die Spirale der Gewalt unterbrechen. „Die Scheu der Opfer, sich der Polizei in dieser schwierigen Situation zu offenbaren, sinkt“, sagte Ziehfreund. Auch deshalb steige die Zahl der bekannt gewordenen Delikte häuslicher Gewalt an.

HELFER WERDEN IMMER ÖFTER ANGEGRIFFEN – GEWALT GEGEN POLIZEI UND HELFER

Doch auch die Zahl der Fälle, in denen sich die Gewalt gegen Polizeibeamte richtet, nehme ständig zu. 291 Fälle registrierte die Kriminalstatistik im Jahr 2018, 61 Fälle mehr als im Vorjahr (+27 Prozent). Die Zahlen ließen sich aber nur ungefähr mit denen der Vorjahre vergleichen, zumal im Jahr 2018 der Tatbestand des tätlichen Angriffs gegen Vollstreckungsbeamte oder gleichgestellter Personen in das Strafgesetzbuch aufgenommen wurde. Etwa die Hälfte (152) der registrierten Fälle sei darin erfasst. „Gewalt wird als Lösung für Konflikte zunehmend akzeptiert und ist in der Öffentlichkeit, vor allem bereits in der Sprache, präsenter denn je“, konstatierte Nill. Die Gesellschaft müsse sich wieder deutlicher von Gewalt in jeder Form distanzieren. Sie sei keine Lösung, sondern der Nährboden für weitere Konflikte, so Nill. Und Opfer dieser Gewalt seien nicht nur Polizeikräfte, sondern auch andere Helfer von Rettungsdiensten und Feuerwehr. Deshalb hätten sich die Polizei und ihre Partner auf dem Sicherheitstag 2018 in Ulm mit einem eindrucksvollen Video diesem Thema gewidmet. Darin schilderten Retter bedrückende Situationen, in denen sie der Gewalt Dritter ausgesetzt waren.

WENIGER TÖTUNGSDELIKTE – MEHR SEXUALSTRAFTATEN

Insgesamt 32 Straftaten gegen das Leben weist die Polizeiliche Kriminalstatistik im Jahr 2018 für den Bereich des Polizeipräsidiums Ulm aus. Das sind 13 weniger als im Jahr zuvor. Die Zahl bewegt sich damit auf dem Durchschnittswert der letzten zehn Jahre. Drei Morde, 15 versuchte Morde, sieben Fälle von Totschlag, von denen fünf im Versuch stecken blieben, und sieben Fälle fahrlässiger Tötung sind darin enthalten. „Alle Fälle von Mord und Totschlag klärte die Polizei auf“, sagte Bernd Ziehfreund. Eine Zunahme gegenüber dem Vorjahr verzeichnen die Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung, deren Zahl um 81 auf jetzt 531 Fälle anstieg (+18 Prozent). Nachdem im November 2016 der Tatbestand der sexuellen Belästigung in das Strafgesetzbuch aufgenommen wurde, stieg die Zahl der Sexualdelikte erwartungsgemäß an, diese Entwicklung setzte sich nun fort, wozu auch ein geändertes Anzeigeverhalten angesichts der anhaltenden öffentlichen Diskussion über Sexualdelikte beigetragen habe. Rund ein Drittel dieser Fälle (157 Fälle) wurde in öffentlichen Raum begangen, darunter 53 Fälle sexueller Belästigung und 57 Fälle von Exhibitionismus oder Erregung öffentlichen Ärgernisses. Auffällig sei, dass in Fällen von Vergewaltigung, sexueller Nötigung und schwerer sexueller Übergriffe fast die Hälfte der Tatverdächtigen (47 Prozent) Nichtdeutsche sind. Die Aufklärungsquote bei den Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung liegt bei 83 Prozent.

STRATEGIE DER POLIZEI STIMMT

„Die Statistik zeigt: Wir haben unsere Schwerpunkte richtig gesetzt“, sagte Polizeipräsident Christian Nill am Ende des Pressegesprächs. Er verweist dabei auf die strategische Ausrichtung des Polizeipräsidiums Ulm, das sich der Bekämpfung der Wohnungseinbrüche in besonderem Maß verschrieben hat. Gerade diese Delikte seien geeignet, die Menschen in der Region besonders zu beunruhigen. „Das eine tun und das andere nicht lassen geht nicht immer. Deshalb ist es wichtig, die richtigen Schwerpunkte zu setzen“, ergänzte Nill. Dem Polizeipräsidium sei es wichtig, mit dem aktuell knappen Personal ein Höchstmaß an Sicherheit zu gewähr- leisten. Das gelinge noch immer gut. Jetzt, im Frühjahr, erhalte das Polizeipräsidium zwar wieder personelle Verstärkung. Die neuen Beamtinnen und Beamten seien aber gerade so viele, die Reihen wieder zu schließen und die Pensionierungen zu ersetzen. „Weil wir das wissen, haben wir zum Ende des vergangenen Jahres unsere Strategie angepasst. So können wir uns noch intensiver auf unserer definierten Handlungs- und Lagefelder konzentrieren“, so Nill weiter. Als Fazit der Sicherheitsanalyse fasst der Polizeipräsident zusammen: „Wir leben in einem der sicherersten Länder in Europa, wir leben in einem der sichersten Bundesländer in Deutschland und in diesem Bundesland in einer der sichersten Regionen. Es geht uns in Sachen Sicherheit so gut wie noch nie zuvor! Dass sich diese objektive Sicherheitslage mit der gefühlten subjektiven Sicherheitslage nicht deckt, das ist sehr schade und daran müssen wir arbeiten.

Foto: pixabay.com/saschasfotografien

 


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