Mit Polizistentrick Hunderttausende erbeutet – Abholer verurteilt

Allgemein, Ulm / Neu-Ulm Donnerstag, 13. Februar - 2020 17:00

Mit dem sogenannten Polizistentrick hat eine von der Türkei aus operierende Bande im süddeutschen Raum Wertgegenstände und Bargeld im Gesamtwert von beinahe 400 000 Euro erbeutet. Der als «falscher Polizist» tätige Abholer der Bande ist am Donnerstag vom Landgericht Ulm zu drei Jahren Gefängnis verurteilt worden. Das sind sechs Monate weniger als von Staatsanwaltschaft beantragt.

Nach Angaben eines Sprechers sah es das Gericht als erwiesen an, dass der 25 Jahre alte Mann aus Lonsee (Alb-Donau-Kreis) im Auftrag seiner Hintermänner Geld, Gold und Schmuck bei den zuvor telefonisch unter Druck gesetzten Opfern abholte. Dafür soll er jeweils bis zu 7000 Euro «Provision» erhalten haben. Das Urteil erging wegen gemeinschaftlichen Banden- und gewerbsmäßigen Betrugs in zwölf Fällen.

Im Lauf des Verfahrens schilderten echte Kripobeamte die Masche der Bande: Von Call-Centern in der Türkei aus würden Opfer – zumeist ältere Menschen – von angeblichen Polizisten gezielt und teils über Tage hinweg mit Lügenmärchen «bearbeitet». Zum Beispiel dass derzeit Einbrecherbanden die Gegend unsicher machten und die Polizei daher Ersparnisse und Wertgegenstände von einem Beamten abholen lasse, um diese sicher zu lagern. In einem Fall überließ ein Mann dem Abholer gar einen Goldbarren im Wert von rund 70 000 Euro.

Die Behörden warnen seit Jahren vor Betrugsverbrechen durch «falsche Polizisten». Ebenfalls am Donnerstag teilte die Polizei mit, dass sie in Ulm zwei Männer geschnappt habe, die mit dieser Masche Geld und Wertsachen von älteren Menschen erbeutet haben sollen. Die beiden Verdächtigen sitzen in Untersuchungshaft.

Meldung vom 17.01.2020:

Zwölf Mal soll er zugeschlagen haben, dafür muss er sich jetzt verantworten.

Vor dem Landgericht Ulm steht ab heute ein falscher Polizist. Dem 25-Jährigen wird bandenmäßiger Betrug vorgeworfen. Der Mann soll zwischen März und Juni 2019 als Geldabholer fungiert haben. Zuvor hatten sich Komplizen seiner Bande bei Senioren telefonisch als Polizisten ausgegeben. Insgesamt soll der Mann mit der Masche fast 400.000 Euro erbeutet haben.

Das schreibt das Landgericht dazu:

Verfahren vor der 1. Großen Strafkammer, beginnend am Freitag, 17.01.2020, (Az.: 1 KLs 33 Js 16235/19)

Sachverhalt:

Das Landgericht hat über Anklagen der Staatsanwaltschaft Ulm vom 31.10.2019 und 05.12.2019 gegen einen 25-jährigen Angeklagten zu entscheiden.

Der zu den Tatzeitpunkten 24-jährige Angeklagte soll Teil einer Bande sein, die nach dem Modus operandi „Falscher Polizeibeamter“ Betrugstaten im süddeutschen Raum, unter anderem in Ulm und Göppingen, begangen haben soll. Bei dieser Form der Betrugskriminalität werden lebensältere Menschen in großer Zahl von Mitgliedern der Bande angerufen, die sich als Polizeibeamte ausgeben und vor unmittelbar bevorstehenden Überfällen oder Einbrüchen warnen. Die Angerufenen werden aufgefordert, ihre Wertsachen zu ihrem Schutz an angebliche Polizeikollegen auszuhändigen. Erklären sich die Angerufenen hierzu bereit, werden sie von sog. „Abholern“ aufgesucht, die die Wertsachen in Empfang nehmen und im Anschluss bei ihren Hintermännern abliefern. Der Angeklagte soll als Geldabholer eingesetzt worden sein. Es soll im Zeitraum von Mitte März 2019 bis Ende Juni 2019 zu insgesamt 12 Taten mit einem Gesamtschaden von 394.663 Euro zum Nachteil von Geschädigten im Alter von 58 bis 92 Jahren gekommen sein.

Rechtlich wird dem Angeklagten banden- und gewerbsmäßiger Betrug in Tateinheit mit Amtsanmaßung in 12 Fällen vor.

Zum Verfahrensablauf:

Derzeit sind 4 Sitzungstage vorgesehen:

Freitag, 17.01.2020. 14:00 Uhr, Saal noch nicht bekannt

Donnerstag, 30.01.2020, 08:30 Uhr, Saal 126,

Montag, 10.02.2020, 08:30 Uhr, Saal 126 und (10 Zeugen)

Donnerstag, 13.02.2020, 08:30 Uhr, Saal 126.

Den Vorsitz der Kammer führt Vorsitzender Richter am Landgericht Wolfgang Fischer. Richterlicher Beisitzer ist Richter am Landgericht David Kutschke.

Als Sitzungsvertreterin der Staatsanwaltschaft ist Staatsanwältin Kerstin Wackenhut vorgesehen.

Foto: Symbolbild

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