Spazz-Kolumne: Gesitteter Umgang gefordert!

Allgemein, Ulm / Neu-Ulm Mittwoch, 14. März - 2018 6:14

Mäßigung, Deeskalation und keine Schlammschlacht – das fordert in einem öffentlichen Brief eine Gruppe namhafter Ulmer Persönlichkeiten. Sie reagieren damit auf die hitzige Debatte um die Kolumne von Walter Feucht im Monatsmagazin Spazz. In dem Papier fordern die Unterzeichner mehr Sachlichkeit  ein. Sie wollen keine Partei ergreifen, sondern generell zu Mäßigung und Anstand aufrufen. Herrn Feucht vor politische Gremien der Stadt zu zitieren, sprenge aber jede Form der Angemessenheit und sei völlig überzogen. Zu den Unterzeichnern gehören unter anderem die Ulmer Unternehmer Markus Kress, Heribert Fritz, Ebbo Riedmüller, Anton Gugelfuss und Thomas Eifert sowie die Rechtsanwälte Thomas Oelmayer und Martin Hörmann und DONAU 3 FM-Chef Carlheinz Gern.

Meldung vom 13.03.2018:

Elf Ulmer Unternehmer und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens schalten sich in den Streit um die Spazz-Kolumne von Walter Feucht ein. Sie fordern in einem offenen Brief Mäßigung und Deeskalation – auf beiden Seiten. „Wir bitten sehr, zu einem gesitteten Umgang miteinander zurückzukehren! Das braucht unsere demokratische Stadtgesellschaft: Deeskalation und öffentlichen Diskurs keine Schlammschlacht“, heißt es in dem Brief. Unterschrieben haben ihn unter anderem DONAU 3 FM – Geschäftsführer Carlheinz Gern, Groß-Gastronom Ebbo Riedmüller, Spatzen-Vorstand Thomas Oelmayer und Ulms neuer Theater-Intendant Andreas von Studnitz. Walter Feucht hatte sich in der Kolumne über Flüchtlinge ausgelassen. Das sorgt noch immer für hitzige Debatten.

Hier der offene Brief in voller Länge:

Mäßigung, Deeskalation und öffentlicher Diskurs sind angesagt!
Noch selten hat eine öffentliche Debatte in Ulm so viel Aufsehen erregt wie die um Walter Feuchts Kolumne im SpaZz. Da hat sich in den letzten Wochen etwas hochgeschaukelt, das inzwischen jedes Maß im Umgang miteinander und jede Vernunft in der Argumentation vermissen lässt.
Wir wollen mit unserer Intervention nicht Partei ergreifen, sondern zu Mäßigung und zum Anstand aufrufen – auf beiden Seiten!
Mit den inhaltlichen Aussagen von Walter Feucht gilt es sich, natürlich genauso wie mit denen der Verfasser des offenen Briefes kritisch auseinanderzusetzen. Das sollte in der Zukunft vermehrt geschehen – sei es im SpaZz oder in öffentlichen Foren.
Nicht die inhaltliche Auseinandersetzung mit den Veröffentlichungen von Walter Feucht ist Gegenstand dieser Initiative, sondern insbesondere auch die nach unserer Auffassung überzogene Reaktion von Teilen der Öffentlichkeit und der veröffentlichten Meinung hierauf.
Auf einen Punkt wollen wir mit aller Entschiedenheit hinweisen: Herrn Feucht vor politische Gremien der Stadt Ulm zu zitieren, sprengt jede Form der Angemessenheit und ist völlig überzogen. Sollen dann dort sein ohne Zweifel jahrelanges großes soziales Engagement und seine Großzügigkeit gegen seine Äußerungen im SpaZz abgewogen werden? Sorry, wo sind wir denn? Wer zu Recht bei Herrn Feucht die Einhaltung von Prinzipien wie Persönlichkeitsschutz einfordert, der muss sie auch für ihn gelten lassen. Ebenso gilt dies für die unverzichtbaren Grundrechte wie die Meinungsäußerungs- und Pressefreiheit.
Das Argument, dass Personen des öffentlichen Lebens, wie Walter Feucht, Vorsicht bei dem walten lassen sollten, was sie – sei es schriftlich oder mündlich – öffentlich zu einem Streitthema wiedergeben, widerspricht demokratischem Verständnis. Gerade in der Öffentlichkeit stehende Personen sollten den Mut aufbringen, Meinungen und Auffassungen zu äußern, die nicht von allen Teilen der Gesellschaft geteilt werden, um damit einen öffentlichen Diskurs in Gang zu setzen. Nicht durch Schrift- und Gedankenverbote, sondern durch inhaltliche Auseinandersetzung gilt es, Lösungen und ein friedfertiges auf den Grundwerten unseres Grundgesetzes basierendes Miteinander zu organisieren.
Der ganze Vorgang erinnert an ein Scherbengericht im antiken Athen, mit dem Bürger in die Verbannung geschickt wurden, wenn die Mehrheit der Athener ihre Tonscherbe mit „ja“ beschriftete, die sie in die Urne warfen. Aber derartiges sieht der moderne, demokratische Rechtsstaat nicht vor. Wer dennoch so handelt, ist selbst ein demagogischer Populist, nicht mehr und nicht weniger.
Wir bitten sehr, zu einem gesitteten Umgang miteinander zurückzukehren! Das braucht unsere demokratische Stadtgesellschaft: Deeskalation und öffentlichen Diskurs keine Schlammschlacht!
Ulm, den 13.03.2018
Thomas Oelmayer
Prof. Dr. Dr. Ralf U. Peter
Prof. Dr. Martin Hörmann
Carlheinz Gern
Eberhard Riedmüller
Heribert Fritz
Markus Kress
Anton Gugelfuss
Thomas Eifert
Andreas von Studnitz
Volker Munk

Meldung vom 21.02.2018:

In Sachen der „Rassismus ist Feucht“-Schmiererei an der Wand des Ulmer KSM-Verlags gibt es keine heiße Spur. Es liegt eine Anzeige vor, die Polizei ermittelt. Die Schmiererei geht wohl auf die Spazz-Kolumne von Walter Feucht zurück, in der er sich über Flüchtlinge ausgelassen hatte. Feucht selbst nahm bei „Sabrina trifft“ dazu Stellung. Die Sendung wird heute Abend ab 20 Uhr hier bei DONAU 3 FM wiederholt. Die SPD-Fraktion forderte heute, dass sich der Internationale Ausschuss der Stadt Ulm mit dem Thema befasst.

Stand 12 Uhr:

Die umstrittene Spazz-Kolumne von Walter Feucht könnte jetzt zum Fall für den Internationalen Ausschuss der Stadt Ulm werden. Die SPD-Fraktion fordert heute in einem Antrag an Oberbürgermeister Czisch, dass man die Thematik auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung setzt. Walter Feucht hatte sich kritisch über Flüchtlinge geäußert und damit für eine hitzige Diskussion gesorgt.

Meldung vom 19.02.2018:

Nach der Diskussion um die Flüchtlings-Kolumne im Stadtmagazin „Spazz“ haben wir am Samstag Walter Feucht und seinen größten Kritiker, Lothar Heusohn vom Ulmer Weltladen, an einen Tisch gebracht. Bei „Sabrina trifft“ sagte Heusohn, was ihn an der Kolumne wirklich stört: „Dass Sie ein eindimensionales Bild von dem „Einheits-Flüchtling“, dem „Einheits-Migranten“, „Einheits-Zugewanderten“ entwerfen, lassen sie überhaupt keine Möglichkeit mehr zu, in den Köpfen von Menschen, auf deren Ängste Sie sich beziehen, und deren Sorge, sich was anderes unter Flüchtling, Zuwanderer und Migrant vorzustellen, als das Bild, das Sie zeichnen. Das genau ist unser Problem!“ Feucht hingegen moniert, dass er auf Facebook als Nazi bezeichnet wird. Am Ende der Sendung waren sich aber beide einig, dass das Thema Flüchtlinge nicht totgeschwiegen werden darf und eine Debatte braucht.

Wiederholung der Sendung „Sabrina trifft“: Mittwochabend, 20 Uhr bei DONAU 3 FM.

Meldung vom 16.02.2018:

Unbekannte beschmieren die Wand des Ulmer KSM-Verlags mit dem Satz „Rassismus ist Feucht“ – wohl wegen der Kolumne von Walter Feucht im „Spazz“. Darin hatte er sich über Flüchtlinge ausgelassen. Das kritisieren rund 40 Organisationen in einem offenen Brief. Wir bringen die Akteure erstmals an einen Tisch bei DONAU 3 FM. Bei „Sabrina trifft“ kommen sie zu Wort – morgen von 12 bis 13 Uhr.

Meldung vom 15.02.2018

Im Fall der Schmier-Attacke auf den Ulmer KSM Verlag ermittelt jetzt die Polizei. Noch weiß man nicht, wer die Fassade der Redaktion mit den Worten „Rassismus ist Feucht“ besprüht hat. Das Motiv für die Tat war offenbar die kritische Kolumne von Walter Feucht im Stadtmagazin „Spazz“. Er lässt sich über Flüchtlinge aus. Dafür gibt es von vielen Seiten Kritik.

Stand 07:00 Uhr:

Unbekannte haben die Fassade des Ulmer KSM Verlags mit den Worten „Rassismus ist Feucht“ beschmiert. Hintergrund dürfte die kritische Kolumne von Walter Feucht im Stadtmagazin „Spazz“ sein. Darin hatte sich Feucht über Flüchtlinge ausgelassen. Über 30 Organisationen kritisieren das. Wer nun für die Schmiererei verantwortlich ist, ist derzeit noch unklar.

Foto: KSM Verlag

Der in die Kritik geratene Artikel im SpaZz (Ausgabe Dezember 2017)




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