55 Jahre Luftrettung aus Ulm groß gefeiert

Einzigartig in Baden-Württemberg

Über 100 geladene Gäste feierten am Freitag im Fritz-Nobbe-Saal des Bundeswehrkrankenhauses (BwK) Ulm 55 Jahre Luftrettung. Seit dem 2. November 1971 starten Retter von hier, um Verletzten nach einem Notruf rasch aus der Luft zu helfen. Grußworte und Vorträge von Dr. Bodo Gorgaß, Prof. Matthias Helm und Nicola Winter prägten den Tag.

Landrat Heiner Scheffold betonte per Videobotschaft, im Notfall dürfe die Postleitzahl keinen Unterschied machen. Ulms Erster Bürgermeister Martin Bendel lobte die hohe Kompetenz als Markenzeichen des Standorts. Nicht erst seit den „Heli Rettern“ im TV wisse man, was hier geleistet werde. ADAC-Luftrettung-Chef Frédéric Bruder bilanzierte 57.000 Einsätze in 55 Jahren für Patienten und Angehörige. In all den Jahren flossen bundesweit 800 Millionen Euro Spenden ohne Staatsgeld in die Luftrettung. „Ulm ist für uns ein ganz besonderer Standort in vielerlei Hinsicht“, sagte er.

Starke Partnerschaft und mutiger Pioniergeist

Die Luftrettung profitiert laut Bruder stark von den Erfahrungen der Bundeswehr. „Die Qualität stimmt, die Zusammenarbeit stimmt, die Kameradschaft stimmt“, lobte er die einzige ADAC-Luftrettungsstation in Baden-Württemberg. Auch Prof. Benedikt Friemert, Kommandeur des Bundeswehrkrankenhaus, hob den Nutzen für Bürger und Truppe hervor. Ärzte trainieren in Ulm für Einsätze wie einst in Afghanistan. „Das kann man hier im Rahmen dieser zivil-militärischen Zusammenarbeit einfach perfekt lernen“, sagte er. „Ob der nun grün ist oder gelb ist, ist egal“, ergänzte er zum Helikopter.

Auf die Anfänge im Test-Rettungszentrum Ulm blickte dessen damaliger Leiter Dr. Bodo Gorgaß in seinem Festvortrag zurück. Mit Prof. Friedrich Wilhelm Ahnefeld plante er den Helikopter als fliegenden Notarztwagen, eine „Mobile Intensive Care Unit“. „Ich hab dafür kämpfen müssen, dass der Defibrillator ungenehmigt in die Bordausstattung aufgenommen wurde“, sagte er im Rahmen der Feier. Ahnefeld und Gorgaß erfanden den „Ulmer Koffer“ und bauten Fahrzeuge um, ihre Lehrbücher werden bis heute verwendet.

Ahnefelds Idee einer zentralen Notaufnahme statt zahlreicher Ambulanzen in einer Klinik lehnte die Ärztekammer damals ab, heute ist es Standard. Seit 1971 sank die Zahl der Verkehrstoten von 21.000 auf 2.800, nicht nur durch bessere Fahrzeugtechnik und Gurtpflicht, sondern auch durch eine professionalisierte Notfallmedizin mit starken Ulmer Impulsen. Im Gespräch um die Zukunft der Notfallmedizin mahnte Gorgaß:  „Nicht alles, was heute technisch möglich wäre, ist auch auf Dauer bezahlbar“.

Spitzenmedizin heute und der Blick auf 2081

Wie Ulm seit 2003 mit dem ADAC vorangeht, zeigte Prof. Matthias Helm. Seit 55 Jahren fliegt die europaweit renommierte Station ohne schwere Unfälle. Er ehrte Ahnefeld als Erfinder von Rettungskette und Notaufnahme. BwK und ADAC führten die digitale Dokumentation per Hybridstift sowie Pulsoxymetrie, Kapnometrie und Sonographie für Taktik und Ausbildung ein. Ein Konzept für die Verwendung von Blutkonserven und Blutprodukten schon am Notfallort, Algorithmen und Flugzeitenerweiterung stärken die patientenorientierte moderne Medizin.

Wissenschaftlich begleitet erzielt Ulm bei der Verwendung des Videolaryngoskop in Klinik und Flug weltweit Topwerte. „Denn es reicht nicht, nur so ein Gerät zu kaufen“, sagte Bruder, da erst Training ein System schafft. Zuletzt blickte Rettungshubschrauber-Pilotin Nicola Winter auf „Luftrettung 2081“ bei Wind und Eis. „Wie viel Zeit können wir dem Notfall noch abringen?“, fragte sie und stellte Visionen vor, wie noch mehr für den Patienten getan werden kann.

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