Am 22. Februar 1943 wurden Hans und Sophie Scholl – Mitglieder der studentischen Widerstandsgruppe Weiße Rose – vom nationalsozialistischen Volksgerichtshof in München zum Tode verurteilt und noch am selben Tag hingerichtet. Ihr mutiger Einsatz gegen Diktatur und Krieg macht sie bis heute zu Symbolfiguren für Zivilcourage, Freiheit und Verantwortung. Mit Ulm verbinden die Geschwister viele Jahre ihres Lebens.
Zerreißt den Mantel der Gleichgültigkeit, den Ihr um Euer Herz gelegt! (Hans und Sophie Scholl/5. Flugblatt der Weißen Rose)
Obwohl ihr aktiver Widerstand in München stattfand, hat Ulm einen besonderen historischen Bezug zu den Scholls: Hans und Sophie Scholl verbrachten einen Großteil ihrer Kindheit und Jugend in der Stadt, gingen hier zur Schule und knüpften frühe Kontakte, die später ihr kritisches Denken und Handeln prägten.
In Ulm erinnern Straßen, Plätze, Gedenktafeln und weitere Orte an die Geschwister: das Stadthaus mit Büsten der beiden, die DenkStätte Weiße Rose in der Ulmer Volkshochschule und weitere historische Stationen der lokalen Widerstandsgeschichte – einige Projekte sind sogar noch in Planung.
In der Martin‑Luther‑Kirche wurden während des Zweiten Weltkriegs in einem versteckten Raum hinter der Orgel Flugblätter der Weißen Rose kuvertiert und für den Versand vorbereitet, um die Widerstandsaktionen von Hans und Sophie Scholl lokal zu unterstützen. Bis voraussichtlich 2027 entsteht dort ein neuer Gedenk‑ und Lernort, der mit einer Skulptur aus Orgelpfeifen an diese Ulmer Helfer erinnert und die Geschichte der Flugblattaktionen anschaulich vermittelt.
Robert Scholl, der Vater von Hans und Sophie, war von 1945 bis 1948 Oberbürgermeister von Ulm. Sein Amt fiel in eine Schlüsselphase des Wiederaufbaus und demokratischen Neubeginns in Ulm: Die Stadt war stark zerstört, viele Einrichtungen brachen zusammen, und die politische Neuorientierung war eine große Herausforderung. In dieser Zeit setzte Robert Scholl demokratische Prinzipien durch und bereitete den Weg für die zivile Selbstverwaltung in Ulm nach der NS‑Diktatur.
Nach ihm ist heute der Robert‑Scholl‑Platz in der Ulmer Innenstadt benannt, was an seine Rolle als Wegbereiter der Nachkriegsdemokratie erinnert.
Die Ulmer Volkshochschule wurde 1946 von Inge Aicher‑Scholl, der Schwester von Hans und Sophie, gegründet, um das Vermächtnis ihrer Geschwister in Form demokratischer Bildung weiterzutragen. Heute ist sie nicht nur ein Ort des Lernens, sondern auch ein historischer Bezugspunkt zur Weißen Rose, etwa mit der Dauerausstellung „DenkStätte Weiße Rose“ im Foyer. Dieses Jahr feiert die Volkshochschule ihr 80-jähriges Bestehen.
Stadtgang zur Weißen Rose und zur Familie Scholl
Am 22. Februar 2026 um 15:00 Uhr lädt das Dokumentationszentrum Oberer Kuhberg zu einem geführten Stadtgang ein. Treffpunkt ist das Stadthaus Ulm. Die Führung beleuchtet die Entwicklung der Scholls – von jungen Menschen in Ulm hin zu entschiedenen Gegnern des NS‑Regimes – und zeigt Spuren ihres Lebens in der Stadt.
Sonntagsöffnung der KZ‑Gedenkstätte Oberer Kuhberg
Am Nachmittag ist die KZ‑Gedenkstätte Oberer Kuhberg von 14:00 bis 17:00 Uhr geöffnet. Die Dauerausstellung „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ kann besucht werden und bietet Kontext zur NS‑Herrschaft sowie zu lokalen Widerstandsbewegungen.
Beide Angebote richten sich an alle Interessierten, die sich am Todestag der Geschwister Scholl mit ihrem Vermächtnis beschäftigen wollen. Sie sind Teil der langjährigen Ulmer Erinnerungskultur, die das Wirken der Weißen Rose und die Bedeutung von Zivilcourage lebendig hält.