Ein Dutzend Bürgermeister aus Ortschaften entlang der Autobahn 8 hat den bundesweiten Tag der Autobahn genutzt, um öffentlichkeitswirksam den Bau des planfestgestellten Albaufstiegs zwischen Stuttgart und München zu fordern.
Die Ortsangaben Albaufstieg, Hohenstadt, Mühlhausen oder Drackensteiner Hang kennen die meisten Autofahrer in Süddeutschland und sie alle gehören zu einem hochbelasteten Steilstück an der A8 zwischen Stuttgart und Ulm. In den Jahren 1935 bis 1942 entstand die Autobahn, die mittlerweile chronisch überlastet ist und nahezu täglich mit Staumeldungen im Verkehrsfunk und in den Navigationssystemen auftaucht.
Der 11,4 Kilometer lange Abschnitt verläuft auf beiden Seiten eines Berges, im Norden geht es Richtung Stuttgart, die beiden Fahrspuren im Süden führen Richtung Ulm. Dabei gibt es Steigungen bis 6,3% auf der zweithöchsten Autobahn Deutschlands. Im Winter kommt der Verkehr immer wieder zum Erliegen, das Technische Hilfswerk muss immer wieder festgefahrene Lastwagen freischleppen. Zahlreiche Unfälle oder auch Pannenfahrzeuge führen regelmäßig zu Stau, es gibt in diesem Autobahnabschnitt keinen Standstreifen.
In den letzten beiden Jahrzehnten wurde eine sichere und leistungsfähige Autobahn geplant, bis 2035 werden dort fast 87 000 Fahrzeuge täglich erwartet, in den 1950er Jahren nach der Fertigstellung waren es nur wenige Hundert Fahrzeuge. Der Neubau soll durch zwei Tunnel führen, je Fahrtrichtung drei Fahrspuren und einen Standstreifen haben. Die maximale Steigung wird dann nur noch 3,5 Prozent betragen. Der Planfeststellungsbeschluss ist erlassen, seit März 2025 besteht Baureife.
Zu den laufenden Haushaltsberatungen der Bundesregierung ist in Berlin eine Liste aufgetaucht, in der insgesamt 74 Autobahnbauprojekte gestrichen sind oder erst verzögert umgesetzt werden sollen. Gebhard Tritschler, Bürgermeister der Anliegergemeinde Wiesensteig, hat daher ein Dutzend Kolleginnen und Kollegen von Merklingen auf der Alb bis Weilheim/Teck unterhalb des Aichelberg motiviert, den Unmut über die drohende Verschiebung auszudrücken.
Zu Beginn des Tag der Autobahn am Samstagnachmittag bei der Autobahnmeisterei Dornstadt neben der Autobahnausfahrt Ulm-West rollten sie ihr Protestplakat aus mit dem sie „Politik muss Versprechen einhalten“ forderten. Die Anliegergemeinden fordern, dass es zu keinen weiteren Verzögerungen kommt und der bisher geplante Spatenstich im Jahr 2027 auch wirklich stattfindet.
Unterstützt wurden sie dabei auch von Nicole Razavi (CDU), der baden-württembergischen Ministerin für Landesentwicklung und Wohnen, die ebenfalls nach Dornstadt kam. Auch sie betonte die Wichtigkeit der Verkehrsachse zwischen Paris und Wien und sicherte die Unterstützung der Landesregierung zu, auch wenn die Entscheidung in Berlin fällt.
Zuversicht strahlte dagegen Sebastian Mohr aus, der Geschäftsführer Personal der Autobahn GmbH, auch er hofft, dass in den nächsten Wochen die Finanzierungsentscheidung fällt. Der Finanzbedarf der Autobahnen ist enorm, 4 000 Brücken müssen in den nächsten Jahren saniert werden.
Damit rückte der Tag der offenen Tür in der Autobahnmeisterei etwas in den Hintergrund. Beim ersten bundesweiten „Tag der Autobahn“ öffneten zehn Autobahnmeistereien ihre Tore, um zu zeigen, was sie rund um die Uhr an jedem Tag des Jahres für einen sicheren Betrieb der deutschen Autobahnen leisten. Auch in Dornstadt folgten Hunderte Besucher dieser Einladung, darunter viele Kinder.
Neben viel Technik gehört dazu auch ein ganz besonderer Teamgeist, den Personalchef Mohr hervorhob. Eine Fluktuation von unter fünf Prozent jährlich sei ein guter Beweis dafür. An einem Infostand wurde für weiteres Personal geworben, vom Auszubildenden über ein duales Studium bis zum Quereinsteiger reicht das Angebot bei der mittlerweile privatwirtschaftlich organisierten Autobahnverwaltung.