Die legendäre Abfahrt auf der Streif in Kitzbühel hat am Samstag einmal mehr bewiesen, warum sie als das berühmteste Skirennen der Welt gilt. Vor rund 45.000 Zuschauerinnen und Zuschauern entwickelte sich ein dramatischer Hundertstel-Krimi – mit einem neuen Sieger: Giovanni Franzoni aus Italien.
Der 24-Jährige gewann die Abfahrt in 1:52,31 Minuten und feierte damit seinen ersten Abfahrtssieg im Weltcup – ausgerechnet auf der schwierigsten Strecke im alpinen Skisport.
Franzoni ging früh mit Startnummer zwei ins Rennen und legte eine nahezu perfekte Fahrt hin. Vor allem im Mittelteil der Strecke, zwischen Seidlalm und Hausbergkante, war der Italiener deutlich schneller als die Konkurrenz. Dort baute er den Vorsprung auf, der am Ende den Ausschlag geben sollte.
Im Ziel konnte Franzoni seine Emotionen kaum kontrollieren. Er sprach von einem Moment, „für den jeder Abfahrer lebt“, und zitterte am ganzen Körper. Es war erst seine 17. Weltcup-Abfahrt – und gleich der größte Erfolg seiner Karriere.
Ganz knapp geschlagen geben musste sich Marco Odermatt. Der Schweizer lag zwischenzeitlich sogar vorne, verlor jedoch minimal Zeit und musste sich am Ende mit 0,07 Sekunden Rückstand zufriedengeben.
Für Odermatt ist es bereits das zweite Jahr in Folge, in dem er die Abfahrt in Kitzbühel nur hauchdünn verpasst. Zwar feierte er mit Rang zwei sein 100. Podest im Weltcup, doch der erhoffte erste Streif-Sieg bleibt weiter aus. Entsprechend groß war die Enttäuschung im Ziel.
Für eine faustdicke Überraschung sorgte Maxence Muzaton. Der Franzose raste mit der hohen Startnummer 29 sensationell auf Platz drei und sicherte sich erst sein zweites Podest im Weltcup. Viele Favoriten mussten sich hinter ihm einreihen.
Aus deutscher Sicht gab es einen positiven Lichtblick. Luis Vogt zeigte eine starke Vorstellung und fuhr mit Startnummer 40 auf Rang acht. Vor allem im oberen Streckenabschnitt gehörte er zu den Schnellsten – ein Achtungserfolg auf der Streif.
Deutlich schwerer taten sich die übrigen deutschen Starter:
Simon Jocher landete weit hinten,
Romed Baumann kam ebenfalls nicht in die Nähe der Top-Plätze.
Für das österreichische Team verlief das Heimrennen bitter. Vincent Kriechmayr (Bild links) wurde als bester ÖSV-Fahrer nur 13., weitere Hoffnungsträger reihten sich noch weiter hinten ein. Damit wartet Österreich beim Hahnenkammrennen weiterhin auf einen Podestplatz – ein ungewohntes Bild vor heimischem Publikum.
Neben dem sportlichen Drama bot Kitzbühel auch abseits der Strecke großes Aufsehen. Unter den prominenten Gästen waren unter anderem Franz Klammer (Bild rechts), Arnold Schwarzenegger, Jürgen Klopp, Zlatan Ibrahimović und Bernie Ecclestone.
Für zusätzliche Stimmung sorgte DJ Ötzi, der vor dem Rennen mit seinem Song „Tirol“ das Publikum auf die Abfahrt einstimmte und die ohnehin besondere Atmosphäre weiter anheizte.
Die Streif präsentierte sich bei kalten Temperaturen und guter Sicht in hervorragendem Zustand. Viel Grip und faire Bedingungen sorgten dafür, dass am Ende vor allem Mut, Linie und Präzision über Sieg und Niederlage entschieden.
Das Hahnenkamm-Wochenende endet am Sonntag mit dem Slalom am Ganslernhang. Dort geht es für viele Athleten noch um wichtige Punkte – und um letzte Argumente für die kommenden Großereignisse.