Aegis Ulm: Beste Buchhandlung Deutschlands fordert Rücktritt von Kulturstaatsminister Weimer

Was ist da los?

Trotz der Auszeichnung als „Beste Buchhandlung Deutschlands“ übt Rasmus Schöll, Inhaber der prämierten Ulmer Aegis Buchhandlung, scharfe Kritik an Kulturstaatsminister Wolfram Weimer – und fordert sogar seinen Rücktritt. Grund: drei Buchhandlungen wurden nachträglich vom Deutschen Buchhandlungspreis ausgeschlossen, ohne dass die Vorwürfe öffentlich gemacht wurden.

Die Aegis Buchhandlung in Ulm wurde als eine der drei besten Buchhandlungen Deutschlands ausgezeichnet, sie erhielt den Hauptpreis des Deutschen Buchhandlungspreises 2025.

Doch die Freude bei Inhaber Rasmus Schöll ist getrübt. Hintergrund: Drei Buchhandlungen (Zur schwankenden Weltkugel aus Berlin, Rote Straße aus Göttingen, Golden Shop aus Bremen) wurden nachträglich vom Preis ausgeschlossen – wegen sogenannter „verfassungsschutzrelevanter Erkenntnisse“, ohne dass die Vorwürfe öffentlich gemacht wurden.

Schöll und der Buchbranchenverband (Börsenverein des Deutschen Buchhandels) sehen darin politisches Eingreifen in die Kultur und sprechen von massivem Vertrauensverlust.

In einem Instagram-Video forderte Schöll sogar den Rücktritt von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer. „Der politische Eingriff in ein eigentlich unabhängiges Juryverfahren beschädigt das Vertrauen in die Kulturförderung“, sagt Schöll. Er will sich auch an den Prozesskosten der drei ausgeschlossenen Buchhandlungen beteiligen, die nun gegen ihren Ausschluss klagen.

Neben dem preisgekrönten Ulmer Buchhändler fordern auch mehrere Protestierende aus der Kulturszene öffentlich den Rücktritt von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer.

Kritik an Weimer reißt nicht ab

Die Kritik an Weimer zeigte sich auch beim Festakt zur Eröffnung der Leipziger Buchmesse, wo Teile des Publikums ihn ausbuhen und seine Rede immer wieder unterbrachen. Weimer verteidigte sein Vorgehen: Bei der Förderung mit Steuergeld habe der Staat eine Sorgfaltspflicht, sagte er.

Nun verschärft sich der Druck auf Weimer zusätzlich: Zwei Buchenwald-Verbände haben ihn in einem offenen Brief aufgefordert, bei der Gedenkfeier zur Befreiung des Konzentrationslagers am 12. April nicht aufzutreten. Hintergrund ist ein Zitat von Heinrich Heine („Der Taufschein ist die Eintrittskarte zur Europäischen Kultur.“), das Weimer mehrfach benutzt hatte und das von den Verbänden als unsensibel gegenüber den Überlebenden interpretiert wird. Außerdem kritisieren auch sie seine Rolle beim Deutschen Buchhandlungspreis und sehen darin eine Verletzung des Geistes einer offenen Kultur.

Weimers Vorgehen sorgt mittlerweile nicht nur in der Kulturbranche für Kritik, auch sein Rückhalt in der CDU-Fraktion soll abnehmen, heißt es. Die Debatten um den Buchhandlungspreis und eine mögliche Prüfung von Jurys durch Weimer selbst haben die politische Lage für den Staatsminister zunehmend angespannt.

Die Bundesregierung stellt sich allerdings hinter Weimer: „Herr Weimer nimmt seine Aufgabe mit der vollen Unterstützung der Bundesregierung wahr“, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Steffen Meyer. Rücktrittsforderungen werden offiziell zurückgewiesen.

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