Die Ausbildungsbereitschaft im Bezirk der Agentur für Arbeit Ulm ist stabil. Regionale Betriebe und Unternehmen meldeten
über sechs Prozent mehr Ausbildungsplätze als im vorherigen Ausbildungsjahr. Erfreulicherweise nahm auch die Zahl der Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu, die mit Hilfe unserer Berufsberatung eine Ausbildungsstelle suchten, berichtet Dr. Torsten Denkmann, Leiter der Agentur für Arbeit Ulm.
Rein mathematisch kamen auf hundert gemeldete Ausbildungsstellen 61 Bewerberinnen und Bewerber, was wiederum für Ausbildungsbetriebe einer Herausforderung gleichkommt. Annähernd jede siebte Ausbildungsstellen konnte nicht besetzt werden.
„Ausbildungsbetriebe müssen teils schwer um den Nachwuchs, also um potentielle Fachkräfte ringen. Wer mit einem ordentlichen Schulabschluss
eine Ausbildungsstelle sucht, hat – zumindest von den Zahlen her – die Qual der Wahl“, bilanziert der Agenturleiter und betont: „Ich wiederhole mich gerne, wenn ich sage, dass jede besetzte Ausbildungsstelle zwei Chancen birgt: Bewerber gewinnen eine stabile Basis für den weiteren Karriereweg und Betriebe gewinnen die Fachkräfte von morgen. Ein Gewinn für beide Seiten.“ Und allen, die bei der Berufswahl nichts dem Zufall überlassen wollen, empfiehlt der Agenturleiter die Berufsberatung.
Um jungen Menschen bei der Berufswahl zur Seite zu stehen, ist die Agentur für Arbeit mit der Berufsberatung an allen regionalen Schulen vor Ort. Die Berufsberatung der Agentur für Arbeit ist neutral und setzt bei der Beratung den jungen Menschen in den Mittelpunkt. Ziel ist es, die individuellen Möglichkeiten der Jugendlichen auszuloten und dabei vorhandene Berufswünsche zu berücksichtigen. Die Berufswahl selbst liegt beim Jugendlichen. Doch auch mit einem festen Berufswunsch macht Beratung Sinn.
Es wird geklärt, wie man zum Wunschberuf kommt, was gefordert wird, wer ausbildet und was Ausbildungsbetriebe erwarten. Gemeinsam werden auch Alternativen zum Wunschberuf entwickelt. Immerhin werden in der Region Ulm bis zu 180 verschiedene Berufe ausgebildet, wobei sich 40 Prozent der Bewerber auf etwa 10 Berufsbilder fokussieren.
Trotz der guten Lagen am Ausbildungsmarkt ist eine Ausbildung im Wunschberuf und im Wunschbetrieb niemals gesichert. Im Vorteil ist nur, wer auf Alternativen zurückgreifen kann, sagt Dr. Denkmann
Abgesehen von der Reihenfolge ändern sich die Berufswünsche junger Menschen seit Jahren kaum. Männliche Ausbildungssuchende wollten vor allem Kfz-Mechatroniker, Industriemechaniker oder Fachinformatiker werden. Bei den jungen Frauen stand wie im Vorjahr der Beruf Medizinische Fachangestellte auf Platz 1 der Hitparade. Die Berufe Kauffrau für Büromanagement und Industriekauffrau haben die Plätze wieder getauscht, 2025 steht die Kauffrau für Büromanagement auf Listenplatz 2.
674 Ausbildungsstellen blieben unbesetzt. Die meisten davon fielen auf den Beruf Kaufmann/-frau im Einzelhandel, gefolgt vom Berufsbild Medizinische/r Fachangestellte/r. An dritter Stelle lagen Ausbildungsangebote für den Maurerberuf.
Ein positives, aber doch seltenes Beispiel, ist der Ausbildungsbetrieb Zimmerei & Holzbau Wiedmer. Mit sechs Auszubildenden sind sie sehr gut aufgestellt. Und auch so mangelt es nicht an Nachwuchs.
Wir fangen ganz früh an und greifen uns die Kinder schon mit sechs Jahren für unser Kinderferienprogramm. Von sechs bis zehn dürfen sie dort dabei sein und dann ist die Zeit bis zum ersten Praktikum auch gar nicht mehr so lange. Und da haben wir dann schon relativ gute Chancen und das ist glaube ich mit unser Erfolgsrezept, unabhängig von Berufsbildungsmessen etc., so Antje Wiedmer, Organisation und Verwaltung.
Die Agentur für Arbeit unterstreicht die Bedeutung der betrieblichen Ausbildung mit dem Ausbildungszertifikat, das seit 2007 an Betriebe verliehen wird, die sich in besonderem Maße für die Ausbildung von Jugendlichen einsetzen. Der Ausbildungsbetrieb Zimmerei & Holzbau Wiedmer bekam das Zertifikat 2023 verliehen. Neben Quereinsteigern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund bekommen insbesondere auch die Ausbildungssuchenden eine Chance, die mit einem schwächeren Notenschnitt die Schule verlassen. Vorausgesetzt: Die Auszubildenden passen ins Team und wollen mit Holz arbeiten.
Für angehende Azubis gilt: frühzeitig informieren und Praktika machen. Eine Ausbildung ist übrigens niemals eine Sackgasse, sondern nur der Startpunkt der beruflichen Karriere. Eine abgeschlossene Ausbildung bildet den Grundstein für das was noch kommt und deshalb ist es nie ein Fehler, bevor man vielleicht ein Studium einfängt, eine Ausbildung in der Tasche zu haben. Und ein Tipp für Ausbildungsunternehmen: geht raus und zeigt euch!