Bayern kritisiert Neuzuschnitt von Wahlkreisen - auch Neu-Ulm betroffen

"Memmingen-Unterallgäu"

Bayern bekommt zur nächsten Bundestagswahl einen weiteren Wahlkreis - das hat der Bundestag heute beschlossen. Aus Teilen der bisherigen Wahlkreise Augsburg-Land, Neu-Ulm und Ostallgäu soll ein zusätzlicher Wahlkreis (Memmingen-Unterallgäu) gebildet werden. Der Freistaat hatte Bedenken. Es geht nicht um das Ob, sondern um das Wie.

Das bayerische Innenministerium kritisiert den von der Berliner Ampel-Koalition geplanten Neuzuschnitt von Bundestagswahlkreisen. Die Pläne seien «abweichend von der bisherigen Staatspraxis» nicht mit Bayern abgestimmt worden, sie seien mittel- bis langfristig nicht tragfähig, und es würde sich eine viel naheliegendere Lösung für einen zusätzlichen Wahlkreis in Bayern anbieten, argumentiert das Ministerium.

Über den Gesetzentwurf der Ampel-Fraktionen von SPD, Grünen und FDP soll der Bundestag an diesem Donnerstag abstimmen. Er sieht unter anderem die Umverteilung eines Wahlkreises von Sachsen-Anhalt nach Bayern vor, da die bisherige Verteilung der Wahlkreise auf die Länder nicht mehr deren Bevölkerungsanteil entspricht. In Bayern soll aus Teilen der bisherigen Wahlkreise Augsburg-Land, Neu-Ulm und Ostallgäu ein zusätzlicher Wahlkreis (Memmingen-Unterallgäu) gebildet werden.

Bayern kritisiert Neuzuschnitt von Wahlkreisen – auch Neu-Ulm betroffen

«Abweichend von der bisherigen Staatspraxis wurde im Vorfeld der Erstellung des Gesetzentwurfs weder ein ergänzender Bericht der Wahlkreiskommission angefordert noch zumindest den betroffenen Ländern die Gelegenheit gegeben, sich vorab zu den sie betreffenden Änderungsvorschlägen zu äußern», kritisiert das bayerische Innenministerium. Dies solle eigentlich sicherstellen, «dass beim Zuschnitt der Wahlkreise die regionalen Gegebenheiten möglichst umfassend berücksichtigt werden. Wahlkreise sollen ein zusammenhängendes und abgerundetes Ganzes bilden, dessen Bürger eine regionale politische Einheit repräsentieren.»

Der neue Wahlkreis und der daran angrenzende Wahlkreis Ostallgäu würden künftig «hohe negative Abweichungswerte» aufweisen. Es sei absehbar, dass diese Wahlkreise bereits in der nächsten Wahlperiode neu zugeschnitten werden müssten. «Die im Gesetzentwurf vorgeschlagene Einteilung würde dann nicht einmal eine mittelfristige, geschweige denn eine langfristige Lösung darstellen und dem Grundsatz der Wahlkreiskontinuität widersprechen.»

Zudem lasse der Gesetzentwurf völlig außer Acht, dass sich eine naheliegendere Lösung anbieten würde, nämlich die Bildung des weiteren Wahlkreises in der Landeshauptstadt München. «Diese drängt sich schon deshalb besonders auf, weil in der Landeshauptstadt weiterhin mit einem hohen Bevölkerungszuwachs zu rechnen sein wird.» Auch ein Vergleich der aktuellen Bevölkerungszahlen zeige, dass sich für einen neuen Wahlkreis rein rechnerisch eher Oberbayern als Schwaben anbiete. Innerhalb Münchens ließe sich ein neuer Wahlkreis auch ohne eine Durchschneidung kommunaler Gebietskörperschaften bilden, wie es nun in Schwaben der Fall sei.

CDU-Chef Friedrich Merz hatte am Montag argumentiert, mit dem Neuzuschnitt solle erreicht werden, dass der Wahlkreis Augsburg-Stadt «nicht zu viele CSU-Wähler hat» und Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) «bei der nächsten Bundestagswahl in Augsburg Stadt ihren Wahlkreis behalten kann». Es werde «wieder einmal das Wahlrecht manipuliert». Die Ampel-Koalition reagierte empört auf den Vorwurf. Tatsächlich hat Roth noch nie einen Wahlkreis in Bayern direkt gewonnen.

Das könnte Dich auch interessieren

04.03.2026 Kommunalwahl 2026 in Bayern: Diese Bürgermeister-Kandidaten stehen in der Region an Am 8. März 2026 entscheiden die Bürgerinnen und Bürger in Bayern über die Zukunft ihrer Städte und Gemeinden. In Neu-Ulm, Weißenhorn, Senden und Günzburg stehen nicht nur die Gemeinderäte, sondern auch die Bürgermeister- und Oberbürgermeisterämter zur Wahl – teils dann mit ganz neuen Gesichtern an der Spitze. 10.03.2026 Nach Landtagswahl: Grüne knapp vorn, CDU im Patt – Kretschmann bleibt bis Mai Grüne und CDU auf Augenhöhe Die Grünen haben die Wahl knapp gewonnen. Spitzenkandidat Cem Özdemir erreichte 30,2 Prozent, die CDU mit Manuel Hagel kam auf 29,7 Prozent. Beide Parteien haben je 56 Mandate im Landtag – eine seltene Pattsituation. Özdemir bot der CDU eine Partnerschaft auf Augenhöhe an, während Hagel betonte, dass der Auftrag zur 08.03.2026 Kerstin Lutz wird neue Bürgermeisterin von Weißenhorn Die Bürgerinnen und Bürger in Weißenhorn haben ein neues Stadtoberhaupt gewählt. Kerstin Lutz gewinnt die Bürgermeisterwahl und folgt auf Wolfgang Fendt, der nach mehreren Jahren im Amt nicht erneut kandidiert hatte. 08.03.2026 Bürgermeisterwahl 2026: Amtsinhaberin Claudia Schäfer-Rudolf gewinnt Bürgermeisterwahl in Senden Die Entscheidung ist gefallen: Die Sendener haben ein neues Stadtoberhaupt gewählt – beziehungsweise das bisherige bestätigt. Amtsinhaberin Claudia Schäfer-Rudolf von der CSU setzt sich bei der Bürgermeisterwahl durch.