Am Ulmer Blaubeurer Tor entsteht aktuell auf 30 Metern Länge ein wichtiges Teilstück für den neuen B10-Tunnel. Seit Oktober graben sich schwere Bagger unter einer bereits betonierten Decke tief durch das Erdreich. Diese Deckelbauweise beschleunigt die Arbeiten an der wichtigen Verkehrsader im Westen der Stadt erheblich. Schon am Nikolauswochenende rollt der Verkehr auf der Oberseite direkt über das entstehende Bauwerk hinweg. Damit erhalten Autofahrer zwischen der Ludwig-Erhard-Brücke und der Blaubeurer Straße wieder eine durchgehende Verbindung. Der Blaubeurer-Tor-Ring ist dann Geschichte.
Im Inneren des zum sogenannten Spatz aufgeweiteten ehemaligen Rings herrscht derzeit auf mehreren Ebenen reger Betrieb. Während oben rings um den massiven Betondeckel die Asphaltarbeiten laufen, schaffen schwere Maschinen darunter Platz. Die Bauarbeiter haben im August und September zunächst drei große Blöcke der Tunneldecke fertiggestellt. Auf diesem 30 Meter langen Teilstück entsteht nun die endgültige Fahrbahn aus der Innenstadt Richtung Blaubeuren. Erst nach dem Guss der Decke begann der Aushub für die späteren Wände und die Bodenplatte des Tunnels.
Der Untergrund am Blaubeurer Tor stellt die Ingenieure und Baggerfahrer vor besondere Herausforderungen. Durch die unmittelbare Nähe zur Blau und ihren Seitenarmen ist der Boden dort extrem wechselhaft und ungleich. Neben festem Gestein und zähem Lehm durchziehen immer wieder weiche Torfschichten das feuchte Erdreich. Deshalb mussten Spezialisten das Gelände vorab mit zahlreichen tief reichenden Bohrpfählen im Boden stabilisieren. Auf diesen massiven Stützen ruhen nicht nur der neue Deckel, sondern auch die künftigen Trogblöcke der Einfahrt.
Trotz der komplexen Geologie kommen die Arbeiten an der Bundesstraße 10 wie geplant voran. Markus Vorholzer, Gesamtprojektleiter der Arbeitsgemeinschaft Erneuerung B10, zeigt sich vor Ort sehr zufrieden. Er verweist auf die erfolgreiche erste Betonage mit der Tunnelpatin, die den Startschuss für den Aushub gab. „Wir sehen, wie die Bagger sich schon fleißig unter den Deckel durchgraben“, erklärt Projektleiter Vorholzer. Auch beim Blick auf den Kalender zieht der Ingenieur eine positive Bilanz: „Aktuell sind wir gut im Zeitplan.“
Das Verfahren mit dem vorgezogenen Deckel verfolgt ein klares Ziel für die geplagten Autofahrer in Ulm. Die Planer wollen die stark belastete Verkehrsführung rund um die Großbaustelle frühzeitig entzerren. Bevor der eigentliche Tunnel fertig ist, dient seine Decke bereits als reguläre Brücke für den Verkehr. In der Nacht vom 6. auf den 7. Dezember legen die Arbeiter die Fahrbahnen für die neue Ost-West-Verbindung um. Laut Vorholzer wird sich dadurch „die verkehrliche Situation nochmal deutlich verbessern“ und den Alltag entlasten.
Vor dem Wechsel im Dezember stehen für Pendler jedoch weitere Änderungen am Blaubeurer Tor an. Bereits am Wochenende verlegen Bautrupps die Spuren von der Blaubeurer Straße Richtung Neu-Ulm weiter nach außen. So gewinnen sie im Inneren des Kreisverkehrs den nötigen Platz für die nächsten Arbeiten am Tunnel. Parallel dazu stellen Arbeiter im Bereich der Überleitung nach Neu-Ulm die neue Rechtsabbiegespur für den Betrieb fertig. Ab Dezember regeln dann zwei Kreuzungen mit provisorisch programmierten Ampeln den gesamten Verkehr am Knotenpunkt. Dort sollte laut Markus Vorholzer „der Verkehr dann auch reibungslos wieder fließen“.