Das historische Blaubeurer Tor in Ulm ist seit Ende Juni von der Last der Brücke befreit. Projektleiter Gerhard Fraidel von der Stadt Ulm führte über die Baustelle. Die Arbeiten für eine neue Verkehrsführung mit Tunnel und neuen Kreuzungen laufen auf Hochtouren. Ziel ist es, den Verkehr bis Weihnachten neu zu ordnen und das Areal für die Landesgartenschau 2030 vorzubereiten.
Seit den 1960er-Jahren erdrückte die Betonbrücke das historische Stadttor. Nun ist das Bauwerk wieder sichtbar. „Es ist eigentlich ein tolles Gefühl, wenn man sieht, das Bauwerk ist jetzt befreit“, sagt Projektleiter Gerhard Fraidel. Die Befreiung des Tores ist ein wichtiger Meilenstein. Das Projekt verändert eine der wichtigsten Verkehrsadern Ulms grundlegend. Täglich nutzen bis zu 86.000 Fahrzeuge die Strecke. Die Baustelle ist komplex. Der Rückbau der alten Brücke ist fast abgeschlossen. Über 98 Prozent des Betons werden recycelt. Das Material dient als Untergrund für neue Fahrbahnen.
Wo einst der unübersichtliche Blaubeurer-Tor-Ring war, entsteht eine neue Ordnung. Die Autofahrer werden vorübergehend in einer Straße um die Baustelle geleitet, die an den „Ulmer Spatz“ erinnert. Ampeln an den Knotenpunkten sollen ein flüssiges Einfädeln in den verformten Blaubeurer-Tor-Ring gewährleisten. Fraidel bestätigt: „Ich habe bis jetzt positive Rückmeldung bekommen, dass es jetzt ganz gut läuft.“ Die neue Signalanlage habe sich bewährt und werde gut angenommen.
Die endgültige Verkehrsführung nimmt bereits Gestalt an. An zwei neuen Ampelkreuzung teilt sich zukünftig der Verkehr anstatt durch einen Ring zu fahren. Beispielsweise von Neu-Ulm führt eine Spur Richtung Blaubeuren, eine Richtung Stadtmitte. Rechts des Blaubeurer Tor fließt der Verkehr ampel- und kreuzungsfrei durch einen neuen, rund 200 Meter langen Tunnel zur Autobahn 8.
Die Arbeiten laufen parallel an mehreren Stellen. Während die alte Brücke verschwand, wurden bereits neue Fahrbahnen asphaltiert. Das große Ziel ist klar definiert. „Unser großes Ziel ist, dass wir an Weihnachten die Ost-West-Verbindung fertig haben“, erklärt Fraidel. Dann soll auch eine der großen Kreuzungen in Betrieb gehen. Dies werde zur Entspannung der Verkehrslage in Ulm beitragen. Gleichzeitig schreitet der Bau der neuen Wallstraßenbrücke voran. Mehrere Pfeiler stehen bereits. Fünf große Turmdrehkräne versorgen die Baustelle mit Material. Fraidels Prognose ist optimistisch. „Ziel ist es, dass wir nächstes Jahr um die Zeit schon ziemlich weit sind mit dem Brückenbau.“
Der neue Tunnel entsteht in einer besonderen Bauweise. Hunderte Bohrpfähle bilden die seitlichen Wände. Diese Technik schont das historische Blaubeurer Tor. „Wir greifen jetzt nicht zu sehr ins Grundwasser ein“, erläutert der Projektleiter. Dadurch werde der Grundwasserspiegel nicht verändert. Das ist wichtig für die alten Holzpfähle des Tores. Sie müssen feucht bleiben, um ihre Stabilität zu bewahren. Die Bohrpfahlwände werden später ausgesteift und der Zwischenraum zwischen den Pfahlreihen als Tunnel ausgehoben. Eine Innenwand sorgt für eine glatte Oberfläche im Tunnel. Diese Methode sichert das Fundament des historischen Wahrzeichens.
Rund um das Tor entsteht neuer Raum. Eine niedrige Betonwand soll den Verkehrslärm dämpfen. Es sind Flächen mit hoher Aufenthaltsqualität geplant. Das Areal wird Teil der Landesgartenschau 2030 sein. Eine neue Treppenanlage an der Nordseite des Tores wird Besuchern einen Blick von oben ermöglichen. Die Sanierung des Tores selbst ist ebenfalls beschlossen. Ein Architekturbüro wurde bereits beauftragt. Es soll die fragmentarische Bausubstanz zu einem Ganzen ergänzen. Oberbürgermeister Martin Ansbacher betont die Chance, diesen besonderen Ort neu zu entdecken. Das Blaubeurer Tor soll wieder die Aufmerksamkeit erhalten, die es verdient.