Ulm: Lange Haftstrafe nach Theaterbrand

Brandstifter muss ins Gefängnis

Ein 42-jähriger Obdachloser muss für lange Zeit ins Gefängnis. Das Landgericht Ulm verurteilte ihn heute zu sechseinhalb Jahren Haft. Er hat das Lager des Ulmer Theaters angezündet.

Das Gericht sah Rache und Wut als klare Motive. Der Mann hatte seinen Schlafplatz dort verloren. Er legte an mindestens vier Stellen gezielt Feuer. Dafür nutzte er Zeitungspapier und mitgebrachte Prospekte. Der Schaden geht in die Millionen.

Theater auf Jahre geschädigt

Die Flammen verursachten eine enorme Zerstörung. Ein Sachschaden von rund 11 Millionen Euro entstand. Das Gebäude wurde mit 6,1 Millionen Euro bewertet. Das Inventar hatte einen Zeitwert von 4,5 Millionen Euro. Vor allem der Verlust des Fundus wiegt schwer. Fast der gesamte Bestand von 27.000 Kostümen verbrannte. Darunter waren Schätze aus den letzten 60 Jahren. Historische Original-Uniformen aus dem Zweiten Weltkrieg sind für immer verloren. Auch Hunderte Möbelstücke fielen dem Feuer zum Opfer. Das Theater steht vor großen Herausforderungen. Zwei zusätzliche Schneider wurden bereits eingestellt. Sie fertigen neue Kostüme.

Die Anklage wurde im Prozess vollumfänglich bestätigt. Das sah die Staatsanwaltschaft Ulm als erwiesen an. Der Erste Staatsanwalt Rainer Rackl nannte das Motiv klar. „Der Angeklagte hatte seinen Schlafplatz verloren. Dafür wollte er sich rächen“, sagte Rackl im Plädoyer. Für eine geminderte Schuldfähigkeit sah er keine Anzeichen. Der Angeklagte habe keinen Hang zu übermäßigem Alkoholgenuss. In der Untersuchungshaft zeigte er keine Entzugserscheinungen. Sein Konsum von Alkohol und Cannabis war nicht neu. Die Tat war demnach eine bewusste Entscheidung.

Zweifel bleiben bis zum Schluss

Der Verteidiger des Angeklagten zeichnete ein anderes Bild. Rechtsanwalt Alfred Nübling stellte die Schuldfrage in den Raum. Zwar sei die Brandstiftung als solche völlig unstrittig. „Es ist klar, dass eine Brandstiftung stattfand.“ Aber er säte erhebliche Zweifel an der Täterschaft seines Mandanten. „Gibt es die Sicherheit, dass es der Angeklagte war?“, fragte Nübling das Gericht. Sein Mandant selbst trug nichts zur Aufklärung bei. „Mein Mandant verteidigt sich mit Schweigen“, erklärte der Anwalt. Er wisse selbst nicht, ob sein Mandant der Täter war. Nübling sagte dazu: „Ich weiß es nicht.“ Über das Ausmaß des Schadens zeigte er sich ehrlich erschrocken.

Der Angeklagte selbst ergriff nur einmal kurz das Wort. Seine letzten Worte vor dem Urteil waren sehr knapp. „Ich habe nichts zu sagen. Mein Anwalt hat sich geäußert, besser wie ich.“ Das Urteil nahm er äußerlich völlig regungslos entgegen. Er schaute mit leerem Blick nur starr geradeaus. Der Vorsitzende Richter Michael Lang begründete die Entscheidung ausführlich. Vier gesicherte Brandausbruchsstellen belegen die gezielte Tat. Der Angeklagte habe die Zerstörung billigend in Kauf genommen. Ihm sei der immense Schaden zumindest gleichgültig gewesen. Der Richter sprach von einem „fatalen“ Schaden für das Theater.

Der Richter widerlegte die Annahme einer Affekthandlung. Der Täter habe den Tatentschluss Stunden vorher gefasst. Er kündigte die Brandstiftung sogar anderen Obdachlosen an. „Wer warten kann, kann’s auch lassen“, zitierte Richter Lang. Dies zeige die überlegte Vorgehensweise des Täters. Für eine erhebliche Alkoholisierung gab es keinerlei Anhaltspunkte. Das Gericht wertete auch die diversen Vorstrafen des Mannes. Er stand zur Tatzeit unter laufender Bewährung. Wut und Rache waren die Hauptmotive für diese verheerende Tat. Der Alkohol habe diese Motive vielleicht noch zusätzlich getriggert. Der Mann gilt als Einzelgänger.

Das könnte Dich auch interessieren

23.09.2025 Theater Ulm: Nach Fundus-Brand große Spendenaktion gestartet Am 25. Juni 2025 brannte das Ulmer Theater-Lager in der ehemaligen Paketposthalle am HBF völlig aus. Dabei ging der Großteil des Kostümfundus verloren: Rund 27.000 Kleidungsstücke auf 530 Meter vollgepackten Kleiderstangen – das entspricht etwa zwei Drittel des Gesamtbestands. Unter den zerstörten Kostümen waren historische Gewänder, Uniformen, Brautkleider, Trachten und Kinderkleider. Der ideelle Wert ist 25.06.2025 Ulm - Brand vernichtet Theater-Lager Gegen halb drei Uhr morgens bemerkte ein Passant den Rauch, der aus der ehemaligen Paketposthalle neben dem Ulmer Bahnhof quoll. Derzeit wird die Lagerhalle als Requisitenlager des Ulmer Theater genutzt. Als die alarmierte Ulmer Feuerwehr in das Gebäude ging, brannte es bereits lichterloh im Obergeschoss des Requisitenlagers. Rund 100 Feuerwehrleute bekämpften bis in den Morgen 26.01.2026 Ulm: Schultoilette brennt - Schülerin ist der Feuerteufel Eine Schülerin hatte den Brand entdeckt und dabei eine leichte Rauchvergiftung davongetragen. Die Flammen haben in der Toilette einen Seifenspender verschmort, dadurch hatte sich starker Rauch entwickelt. Die Feuerwehr hatte den Brand schnell im Griff. Der Unterricht konnte nach einem kurzen Feueralarm fortgesetzt werden. Nach Erkenntnissen der Polizei hat ein 12-jähriges Mädchen das Feuer verursacht, 16.12.2025 Motiv Rache? Anklage nach Großbrand des Ulmer Theater-Lagers Nach dem verheerenden Brand im Lager des Theaters Ulm hat die Staatsanwaltschaft Ulm jetzt Anklage gegen einen 42-jährigen Mann erhoben. Dem türkischen Staatsangehörigen, der zuletzt ohne festen Wohnsitz war, wird schwere Brandstiftung vorgeworfen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft soll der Mann in der Nacht vom 24. auf den 25. Juni in der Lagerhalle des Theaters im