In Blaubeuren steht ein politischer Wechsel an, der kaum größer sein könnte. Nach 24 Jahren im Amt, also nach fast einem Vierteljahrhundert gibt Bürgermeister Jörg Seibold sein Amt ab. Damit endet eine lange Amtszeit, die die Stadt über viele Jahre geprägt hat.
Bürgermeister Seibold genoss während seiner Amtszeit breite Zustimmung in der Bevölkerung: Bei seinen Wiederwahlen erzielte er regelmäßig über 90 % der Stimmen und wurde als parteiloser Amtsinhaber sowohl von Bürgern als auch von lokalen Gruppen getragen. Der 56-Jährige begründet seinen Rückzug damit, dass die Stadt von neuen Impulsen profitieren könne.
„Nach 24 Jahren ist es an der Zeit, für die Stadt die Chance für neue Perspektiven, Methoden und eine neue Führungspersönlichkeit zu schaffen.“ (Blaubeurens amtierender Bürgermeister Jörg Seibold)
Nun richtet sich der Blick also nach vorn: Wer sitzt im Blaubeurer Rathaus bald an der Spitze?
Gewählt wird am Sonntag, den 19. April. Sollte niemand im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit erreichen, kommt es zu einer Stichwahl am Sonntag, den 10. Mai zwischen den beiden Bestplatzierten.
Mirijam Mikat (51) ist in der Kommunalpolitik bereits fest verankert. Sie sitzt im Gemeinderat und kennt die Abläufe im Rathaus aus der täglichen Arbeit. Ihr Schwerpunkt liegt auf Erfahrung, kommunalpolitischer Kontinuität und der Weiterentwicklung bestehender Strukturen.
Viktor Kaczmarek (49) kommt aus dem Handwerk und lebt in Blaubeuren. Als gelernter Zimmermann setzt er vor allem auf pragmatische Lösungen, besonders bei Themen wie Wohnraum und Stadtentwicklung.
Robin Menholz (30) ist der jüngste Kandidat und derzeit Bauamtsleiter im Raum Laichingen. Er steht für Verwaltungserfahrung und setzt Schwerpunkte bei Stadtentwicklung, Infrastruktur und moderner Verwaltung.
Das Rennen um die Nachfolge von Jörg Seibold gilt als völlig offen. Erfahrung aus der Kommunalpolitik, Verwaltungskompetenz und ein praxisnaher Ansatz stehen sich gegenüber. Gut möglich, dass die Entscheidung erst in einer Stichwahl fällt.
Die neue Stadtspitze wird sich unter anderem mit der Fertigstellung der Blautopf-Sanierung, bezahlbarem Wohnraum, moderner Infrastruktur, Digitalisierung der Verwaltung sowie der Förderung von Mittelstand, Kultur und Ehrenamt beschäftigen. Auch nachhaltige Stadtentwicklung, Finanzstabilität und die verantwortungsvolle Nutzung des touristischen Potenzials gehören zu den zentralen Aufgaben.
Blaubeuren lebt von seiner Mischung aus Natur, Geschichte und Gemeinschaft. Der Blautopf zieht als weltbekanntes Wahrzeichen zahlreiche Besucher an und wird derzeit umfassend saniert, um das Gelände attraktiver, barrierefrei und langfristig sicher zu gestalten. Historische Gebäude wie das Benediktinerkloster, die evangelische Kirche St. Peter und Paul und die gut erhaltene Altstadt prägen das Stadtbild.
Archäologische Funde, darunter die „Venus vom Hohle Fels“, machen die Stadt mit ihrem Museum für Urgeschichte und Eiszeitkunst auch zu einem bedeutenden Standort der Frühgeschichte. Kulturelle Veranstaltungen, wie beispielweise die überregional bekannte Sommerbühne am Blautopf, mehrere lebendige Vereine und ein gelebter Brauchtum sowie die landschaftlich herausragende Lage auf der Schwäbischen Alb sorgen für vielfältige Freizeitmöglichkeiten und ein lebendiges Miteinander – Faktoren, die Blaubeuren seine besondere Identität verleihen.