Alfred und Stefan starten mittags den Hitzebus in Ulm. Sie versorgen obdachlose Menschen mit dem Nötigsten. Die Tour beginnt pünktlich um 12 Uhr am DRK-Kreisverband. In der ganzen Innenstadt suchen sie nach Hilfsbedürftigen. Das Projekt will Leid durch extreme Sommertemperaturen lindern. Möglich wird dies durch ehrenamtliche Helfer und großzügige Spenden.
Der weiße Transporter des Deutschen Roten Kreuzes wird beladen. Kisten mit Wasser und Apfelsaftschorle stehen griffbereit. Daneben liegen Sonnencreme, Müsliriegel und frische Orangen. Alfred Kaltenmeier packt auch Papiertaschentücher ein. Er weiß aus seiner Erfahrung als ehrenamtlicher Fahrer genau, was gebraucht wird. Taschentücher sind für Menschen ohne festes Einkommen oft ein Luxusgut. Pünktlich zur Mittagszeit beginnt die wichtige Tour durch die erhitzte Stadt. Die erste Station ist ein Supermarkt am Rand der Innenstadt. Dort sitzt ein bekannter Obdachloser im sehr spärlichen Schatten. Er freut sich sichtlich über das kühle Getränk. Seine Augen leuchten kurz auf, als er die Flasche entgegennimmt. Ein Lächeln huscht über sein sonnengegerbtes Gesicht. Solche kleinen Momente sind der schönste Lohn für die Helfer.
Die Fahrt geht weiter in Richtung Zentrum. Am Willy-Brandt-Platz brennt die Sonne gnadenlos auf das Pflaster. Die wenigen Pflanzen spenden kaum Scchutz vor der drückenden Hitze. Während Gäste der Gastronomie im Freien zu Mittag essen, sitzt wenige Meter weiter eine ältere Frau. Das Team des Hitzebusses hält sofort an. Sie erhält ebenfalls ein kühles Getränk und bedankt sich dafür herzlich. Jede Geste der Dankbarkeit bestätigt den tiefen Sinn der Mission.
Die Helfer dokumentieren genau, was sie an wen verteilen. So behalten sie den Überblick über den tatsächlichen Bedarf. Sie stellen sicher, dass immer genug Vorräte an Bord sind. Diese sorgfältige Buchführung ist wichtig für die Planung zukünftiger Fahrten.
Nächster Halt ist der Alte Friedhof. Hier spenden alte, hohe Bäume einen angenehmen Schatten. Die stillen Wege sind jedoch zunächst leer. Kein Hilfsbedürftiger ist auf den ersten Blick zu entdecken. Alfred Kaltenmeier gibt aber nicht so schnell auf. Er steigt aus dem klimatisierten Fahrzeug aus. Abseits der Hauptwege sucht er im hinteren, ruhigeren Bereich weiter. Plötzlich hört er einen Mann, der zur Gitarre singt. „Er singt gar nicht schlecht“, stellt Alfred anerkennend fest. Doch seine Aufgabe ist heute eine andere. Er ist ehrenamtlich im Einsatz, um gezielt zu helfen. An diesem Tag ist auch Stefan neu im Team. Alfred hat ihn bei der Vesperkirche kennengelernt. Er konnte ihn überzeugen, auch im Sommer aktiv zu werden und Gutes zu tun.
Als der Kleintransporter am Karlsplatz vorfährt, ändert sich das Bild schlagartig. Der Platz ist von Bäumen bestanden und ein bekannter Treffpunkt. Noch bevor die Helfer aussteigen können, läuft eine Gruppe auf das Fahrzeug zu. Man kennt sich hier bereits seit langer Zeit. „Das sind unsere Stammkunden“, sagt Alfred Kaltenmeier lächelnd. Die Begrüßung erfolgt herzlich mit einem festen Handschlag. Eine Frau bittet gezielt um eine Flasche Sonnencreme für ihre empfindliche Haut. Ein anderer Mann zeigt eine kleine Wunde an seinem Bein. Sie sollte desinfiziert und mit einem Pflaster versorgt werden. Die Freude über ein gekühltes, alkoholfreies Getränk ist allen anzusehen. Auch das angebotene Obst findet dankbare Abnehmer. Es sind diese direkten Begegnungen, die die Arbeit so wertvoll und sinnvoll machen.
Die Tour führt weiter durch die belebten Straßen der Ulmer Innenstadt. Das Team fährt auch das nahe Donauufer ab. Oft kommen sie an einem Nachmittag mit zwei Dutzend Menschen in Kontakt. Ihnen begegnet dabei fast ausnahmslos Freundlichkeit und große Dankbarkeit. Alfred Kaltenmeier, der seit drei Wintern den Kältebus fährt und im Sommer mit dem Hitzebus unterwegs ist, ist davon immer wieder tief beeindruckt. „Was mich beeindruckt hat ist die Dankbarkeit“, erzählt der engagierte Rentner. „Die schätzen unsere Arbeit“, fügt er hinzu. Diese ehrliche Wertschätzung ist ein starker Motor für die Freiwilligen. Sie opfern ihre Freizeit, um für andere da zu sein. Die meisten Fahrer sind Rentner oder Berufstätige im Homeoffice. Sie nutzen ihre Mittagspause sinnvoll für den guten Zweck.
Der Hitzebus fährt bereits im vierten Sommer durch Ulm. Er ist aus der Idee des Kältebusses entstanden, erklärt Stefan Brandt. Er leitet die Abteilung für Soziale Dienste beim DRK Kreisverband Ulm. Die Zielgruppe ist im Grunde dieselbe. Man sucht Menschen auf, die kein schützendes Obdach haben. Im Sommer achtet man zusätzlich auf ältere oder geschwächte Passanten. Die Reaktionen sind überwiegend sehr positiv. „Wenn sie merken, dass wir ihnen nichts Böses wollen, dass wir ihnen was Gutes tun wollen, ist die Reaktion sehr positiv“, sagt Brandt. Das gesamte Projekt steht und fällt mit der Unterstützung aus der Bevölkerung. Es finanziert sich ausschließlich durch Spenden. „Der Hitzebus finanziert sich rein aus Spenden“, bestätigt Stefan Brandt. Ob Firmenspenden oder spontane Geldscheine von Passanten direkt an die Besatzung des Hitzebusses. Jede Hilfe zählt.