Nicht nur in Künstliche Intelligenz investieren, sondern vor allem in menschliche Intelligenz: Diese Forderung kommt jetzt von der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Gemeinsam mit vier renommierten Film- und Medienhochschulen aus Frankreich und den USA hat sie einen internationalen Appell zur Zukunft der Filmbranche veröffentlicht.
Die zentrale Botschaft: Neue KI-Werkzeuge können immer mehr Aufgaben übernehmen und werden leichter zugänglich. Ob daraus aber gute Filme, Serien oder Dokumentationen entstehen, hängt weiterhin von den Menschen ab, die entscheiden, welche Geschichten erzählt werden und wie.
Prof. Dr. Andreas Bareiß, Direktor und Geschäftsführer der Filmakademie Baden-Württemberg, bringt die Forderung so auf den Punkt: „Deshalb müssen wir nicht nur in künstliche Intelligenz investieren, sondern vor allem in menschliche Intelligenz.“ Für Bareiß geht es dabei um mehr als die Bedienung neuer Programme. Filmschaffende müssten lernen, Inhalte kritisch einzuordnen, Geschichten zu entwickeln und bewusst zu entscheiden, was überhaupt erzählt werden sollte.
Er warnt zugleich davor, diese Entscheidungen allein der Technologie und ihren Anbietern zu überlassen: „Anderenfalls bestimmen am Ende Maschinen und diejenigen, die sie kontrollieren, wie wir die Welt, unsere Gesellschaft und uns selbst begreifen.“
Der gemeinsame Appell trägt den Titel „The Future of Creation Depends on the Future of Education“ – übersetzt: Die Zukunft der Kreativität hängt von der Zukunft der Bildung ab.
Darin fordern die Hochschulen unter anderem einen verantwortungsvollen Umgang mit KI. Technologieunternehmen sollen offenlegen, woher ihre Trainingsdaten stammen. Zustimmung, Vergütung und die Nennung von Urhebern sollen berücksichtigt werden. Politik und öffentliche Einrichtungen sollen gleichzeitig dafür sorgen, dass KI transparent eingesetzt wird und die Rechte von Kreativen geschützt bleiben.
Außerdem sollen Filmschulen stärker als Forschungs- und Entwicklungspartner behandelt werden. Studierende und Künstler sollen frühzeitig an der Entwicklung neuer Technologien beteiligt werden.
Neben der Filmakademie Baden-Württemberg haben La Fémis und GOBELINS aus Paris sowie die UCLA School of Theater, Film and Television und die USC School of Cinematic Arts aus Los Angeles die Erklärung unterzeichnet.
Entstanden ist sie beim Lumière Summit am 6. und 7. September 2026 im französischen Saint-Paul-de-Vence. Die beteiligten Hochschulen wollen Film- und Medienausbildung künftig als wichtige kulturelle Infrastruktur verstanden wissen und fordern langfristige Investitionen in die nächste Generation von Filmschaffenden.
Die Haltung der Hochschulen ist dabei nicht grundsätzlich gegen Künstliche Intelligenz gerichtet. Sie wollen die neuen Möglichkeiten nutzen – gleichzeitig aber sicherstellen, dass am Ende weiterhin Menschen darüber entscheiden, welche Geschichten erzählt werden und warum.