Vollgelaufene Keller, zerstörtes Eigentum und im schlimmsten Fall Menschenleben in Gefahr: Hochdorfs Bürgermeister Stefan Jäckle warnt eindringlich vor den Folgen eines weiteren schweren Starkregens. Seit 2015 arbeitet die Gemeinde im Kreis Biberach an Schutzmaßnahmen. Der entscheidende Durchbruch ist bis heute ausgeblieben.
Jäckle will das nicht länger hinnehmen. Am 18. Juli schickte er einen offenen Brief an Baden-Württembergs Innenminister Manuel Hagel. Ein Schreiben mit gleichem Inhalt ging am 23. Juli an Umweltministerin Thekla Walker und Staatssekretär Andre Baumann. Eine Antwort liegt bislang nicht vor.
Hochdorf liegt im Rißtal. Bei Starkregen strömt das Wasser von den umliegenden Hängen in Richtung der Ortsteile. Bereits 2015 brachte die Gemeinde deshalb ein Starkregenrisikomanagement auf den Weg.
Noch während der Planungen traf am 29. Mai 2016 ein schweres Unwetter Hochdorf und Schweinhausen. Im Sommer 2021 folgte das nächste größere Starkregenereignis. Seitdem arbeitet die Gemeinde mit Planungsbüros und Behörden an einer Lösung – ohne entscheidend voranzukommen.
Neue Vorgaben, zusätzliche Gutachten und komplizierte Prüfungen hätten die Planungen immer weiter erschwert, schreibt Jäckle. Der Aufwand wurde so groß, dass das ursprünglich beauftragte Planungsbüro die Arbeit nicht mehr fortsetzen konnte. Erst 2024 fand die Gemeinde ein neues Büro mit freien Kapazitäten.
Auslöser für den offenen Brief war eine Rede von Bundeskanzler Friedrich Merz zum fünften Jahrestag der Ahrtalflut. Merz hatte betont, dass kein Mensch, keine Stadt und keine Region mit der Angst vor Naturkatastrophen alleingelassen werden dürfe.
Jäckle hält dem Kanzler die Lage in Hochdorf entgegen. Als Bürgermeister einer kleinen Gemeinde fühle er sich von solchen Aussagen nicht ernst genommen. Trotz jahrelanger Planung seien die Hürden höher geworden und wichtige Schutzmaßnahmen noch immer nicht umgesetzt. Das politische Versprechen passe nicht zur Realität vor Ort.
In seinem Brief macht Jäckle deutlich: Hochdorf beschäftigt sich seit mehr als zehn Jahren mit dem Starkregenschutz, während Verfahren verzögert werden und das Geld fehlt. Ursprünglich waren Zuschüsse von bis zu 70 Prozent in Aussicht gestellt worden. Inzwischen seien die Fördertöpfe ausgeschöpft, außerdem werde Starkregenschutz gegenüber klassischem Hochwasserschutz nachrangig behandelt.
Trotz seiner Enttäuschung will Jäckle weiter Druck machen. Die Gemeinde möchte noch in diesem Jahr einen Förderantrag beim Regierungspräsidium Tübingen einreichen. Gleichzeitig fordert der Bürgermeister vom Land verlässliche Förderzusagen, einfachere Verfahren und schnellere Entscheidungen.
Denn beim nächsten Starkregen geht es nicht um Leitfäden, Anträge oder Haushaltsjahre. Es geht um Häuser, Existenzen und die Sicherheit der Menschen. Jede weitere Verzögerung erhöhe das Risiko – im schlimmsten Fall auch für Menschenleben, warnt Jäckle.
Unterstützung bekommt er von den Landtagsabgeordneten Thomas Dörflinger und Berat Gürbüz. Beide wollen dem Thema nachgehen. Von Innenminister Manuel Hagel kam bislang jedoch keine Antwort.