Der „Brennpunkt Karlsplatz“ in Ulm steht weiter im Fokus. Nach mehreren schweren Gewalttaten und anhaltenden Beschwerden von Anwohnern fordert die Ulmer CDU/UfA-Fraktion im Gemeinderat jetzt drastische Maßnahmen. In einem Antrag an Oberbürgermeister Martin Ansbacher spricht die Fraktion offen von Unsicherheit, Drogenkonsum und massiver Lärmbelästigung. Ziel sei eine „Befriedung der Situation“.
Auslöser der Debatte sind vor allem zwei aktuelle Gewaltfälle: Erst im Mai wurde ein 31-Jähriger auf dem Karlsplatz von mehreren jungen Männern angegriffen. Einer der Täter soll dem Mann plötzlich eine Bierflasche ins Gesicht geschlagen haben. Das Opfer erlitt schwere Verletzungen und musste ins Krankenhaus gebracht werden. Die Polizei ermittelt gegen einen 17-Jährigen.
Bereits wenige Wochen zuvor war ein 75-Jähriger mit lebensgefährlichen Verletzungen am Karlsplatz gefunden worden. Inzwischen sitzt ein Tatverdächtiger in Untersuchungshaft. Die Polizei richtete dafür eigens die Sonderkommission „Karl“ ein.
Besonders die Sitzbänke rund um den Pavillon stehen jetzt im Mittelpunkt. Während der Ermittlungen nach der Gewalttat waren bereits einige Bänke entfernt worden. Laut CDU berichten Anwohner seitdem von einer spürbaren Verbesserung der Lage. Die Fraktion fordert deshalb, die Bänke dauerhaft abzubauen.
Noch weiter geht der nächste Vorschlag: Der Pavillon und das Toilettenhäuschen am Karlsplatz sollen komplett zurückgebaut werden. Nach Angaben der CDU würden die Anlagen häufig für Drogenkonsum genutzt und hätten für viele Anwohner „keinen Mehrwert mehr“. Stattdessen bringt die Fraktion neue Ideen ins Spiel – etwa einen sogenannten „Kultur-Kiosk“ oder eine andere alternative Nutzung des Bereichs. Die Stadt soll außerdem prüfen, wie viel Geld durch den Wegfall der öffentlichen Toilette eingespart werden könnte.
Zusätzlich fordert die Ulmer CDU/UfA härtere Kontrollen und konsequenteres Durchgreifen. Besonders das Cannabisverbot rund um Spielplätze müsse stärker überwacht werden. Nach dem Cannabisgesetz gilt rund um den Spielplatz am Karlsplatz ein Mindestabstand von 100 Metern – damit fällt praktisch der gesamte Platz in die Verbotszone.
Auch gegen Lärm soll schärfer vorgegangen werden. Die CDU fordert eine „Null-Toleranz-Strategie“. Musikanlagen könnten bei wiederholten Ruhestörungen künftig direkt beschlagnahmt werden. Sogar ein Alkoholverbot auf dem Karlsplatz steht im Raum. Noch wolle man darauf verzichten, um Anwohner nicht zusätzlich einzuschränken. Sollte sich die Situation aber weiter verschlechtern, müsse die Stadt vorbereitet sein, heißt es im Antrag.
Die CDU lobt zwar die bisherigen Maßnahmen von Polizei und Stadt, macht aber gleichzeitig deutlich: Eine nachhaltige Lösung sei bislang nicht erreicht worden. Der Karlsplatz bleibt damit neben dem Bereich Lederhof/Sedelhöfe einer der größten Brennpunkte in der Ulmer Innenstadt – und die Diskussion darüber dürfte jetzt erst richtig beginnen.