„Vielfach bestimmen klassische Geschlechterklischees die Berufswahl“, erklärt Dr. Christian Fischer, stellvertretender Leiter Berufliche Bildung bei der IHK Schwaben. Aktuell ist nur etwa jeder siebte Ausbildungsplatz im gewerblich-technischen Bereich mit einer Frau besetzt.
Insgesamt absolvieren derzeit rund 20.350 junge Menschen in Bayerisch-Schwaben eine duale Ausbildung. Davon sind etwa 13.350 männlich und knapp 7.000 weiblich. Über 9.000 Auszubildende haben sich für einen gewerblich-technischen Beruf entschieden, etwa in der Elektro- oder Metalltechnik oder in naturwissenschaftlichen Bereichen. Der Frauenanteil liegt hier jedoch bei lediglich 14 Prozent.
Dabei mangelt es laut IHK nicht am Talent: „Die Schulabschlüsse zeigen, dass deutlich mehr junge Frauen die Voraussetzungen für diese Berufe mitbringen würden“, so Fischer. Häufig scheitere es jedoch an der Wahrnehmung, es handle sich um klassische „Männerberufe“. Eine Trendwende ist bislang nicht erkennbar. Im vergangenen Jahr lag der Anteil weiblicher Azubis in diesem Bereich bei nur 13,2 Prozent.
Ein weiteres Problem: Die Berufswahl konzentriert sich stark auf wenige Ausbildungsberufe. Von rund 250 IHK-Berufen entfiel mehr als die Hälfte aller neuen Ausbildungsverträge im vergangenen Jahr auf nur zehn Berufe.
Besonders auffällig ist dies bei jungen Frauen: Zwei Drittel von ihnen entschieden sich für einen der Top-Ten-Berufe ausschließlich im kaufmännischen Bereich. Besonders beliebt sind Ausbildungen zur Kauffrau für Büromanagement, zur Verkäuferin oder zur Kauffrau im Einzelhandel.
Bei männlichen Auszubildenden dominieren hingegen technische Berufe. Zu den häufigsten zählen Industriemechaniker, Verkäufer und Fachinformatiker.
Die IHK Schwaben setzt deshalb verstärkt auf Berufsorientierung. Auch der Girls’ und Boys’ Day spielt dabei eine wichtige Rolle, um frühzeitig Einblicke in verschiedene Berufsfelder zu ermöglichen.
Für die Unternehmen in der Region hat die einseitige Berufswahl spürbare Folgen. Der Fachkräftemangel ist bereits deutlich: Laut IHK-Arbeitsmarktradar fehlen aktuell rund 1.400 Fachkräfte in den Bereichen Mechatronik, Energie und Elektronik. Auch im Verkauf sowie in der Maschinen- und Fahrzeugtechnik werden jeweils etwa 1.250 Arbeitskräfte gesucht.
„Wir müssen alle Potenziale nutzen, um den Fachkräftebedarf langfristig zu sichern“, betont Fischer. Dazu gehöre auch, junge Menschen unabhängig von Geschlechterklischees für die gesamte Bandbreite an Berufen zu begeistern.