Am Sonntag zog ab etwa 15 Uhr eine starke Schneefront aus Süden über Ulm und die Region hinweg. Die Front kam aus Österreich und hatte zuvor im Allgäu bereits für Verkehrsprobleme gesorgt. Bis Mitternacht fielen rund 20 Zentimeter Neuschnee. Die weiße Masse verwandelte Straßen und Trassen innerhalb weniger Stunden in Rutschbahnen.
Die Ulmer Verkehrsbetriebe reagierten früh. Auf steilen Linien stellten sie den Busverkehr schon am Nachmittag ein. Aus Sicherheitsgründen endete der gesamte Busbetrieb um 23:30 Uhr. Die Straßenbahnen blieben bis 0:30 Uhr im Betrieb. Mehrere Busse stellten sich auf vereister Fahrbahn quer oder kamen an Kreuzungen nicht mehr weg. Verletzte gab es nach bisherigen Meldungen nicht.
Die Straßenbahnen fuhren auf eigenen Gleisen überwiegend problemlos. Vereiste Fahrleitungen führten allerdings zu Funkenüberschlägen und kurzzeitigen Störungen. In der Innenstadt zeigte sich ein besonderes Problem: Busse und Straßenbahn teilen sich in Teilen eine Trasse. Über den Schienen fahrende Busse pressten den Schnee in die Weichen, sodass diese blockierten. Trotz elektrischer Weichenheizung mussten Mitarbeiter vor jeder Durchfahrt mehrere Weichen manuell reinigen. Diese Arbeiten verlangsamten den Verkehr stark.
Auf den Autobahnen A8 und A7 rund ums Kreuz Ulm/Elchingen kam es wiederholt zu Stillständen. Zahlreiche Fahrzeuge schafften den Elchinger Berg Richtung Stuttgart nicht mehr. Besonders anfällig waren Verbindungsrampen. Sattelzüge blieben stecken, weil ungünstige Ladungsverteilung zu einem zu geringem Anpressdruck auf den Antriebsrädern führte. Auch Pkw mit Sommerreifen blieben auf der verschneiten, vereisten Fahrbahn hängen. Das THW Neu‑Ul m rückte mit mehreren Fahrzeugen aus und zog feststeckende Wagen den Berg hinauf.
Die Autobahnmeisterei Dornstadt arbeitete die ganze Nacht mit allen verfügbaren Räumfahrzeugen. Problematisch waren Stellen mit bereits stehenden Fahrzeugen: Dort konnte nicht geräumt werden, und die Flächen vereisten rasch. Dennoch gelang es den Räumfahrern, größere Strecken so freizubekommen, dass der Asphalt wieder sichtbar wurde. Georg Gotterbarm, Leiter der Autobahnmeisterei, koordinierte persönlich die Einsätze und überprüfte neuralgische Punkte des Dienstgebiets.
Stadtverkehr: Anfahren an Ampeln wird zum Problem
Auch im Stadtgebiet Ulm kämpften Autofahrer. Nach Halt an Ampeln war das Anfahren oft nicht möglich, Räder drehten durch auf glatter Fahrbahn. Die Folge: zusätzliche Blockaden an Kreuzungen und Zubringern.
Für die nächsten Tage ist leichtes Tauwetter vorhergesagt. Das steigert die Gefahr von Schneebruch. Äste und ganze Bäume können unter dem Nassschnee brechen und auf Straßen stürzen. Die Einsatzkräfte und Straßenmeistereien bleiben in erhöhter Alarmbereitschaft.