Der Wassercent soll in Bayern künftig von allen gezahlt werden, die Grund- oder Tiefengrundwasser entnehmen. Pro Kubikmeter Wasser sind zehn Cent fällig. Haushalte, die ihr Wasser über die öffentliche Versorgung beziehen, müssen ab dem ersten Kubikmeter zahlen. Für landwirtschaftliche und gewerbliche Nutzer mit eigenen Brunnen ist eine Freigrenze von 5000 Kubikmetern geplant.
Gerhard Jauernig, Oberbürgermeister von Günzburg und Sprecher des Städtetags in Schwaben, kritisiert die geplanten Regelungen scharf. Die ungleiche Behandlung von Privatpersonen und Großverbrauchern sei weder gerecht noch solidarisch. „Die Wasserversorgungen in Bayern sind aus gutem Grund solidarisch finanziert“, so Jauernig.
Ein durchschnittlicher Vier-Personen-Haushalt in Bayern verbraucht jährlich rund 180 Kubikmeter Wasser. Mit der neuen Abgabe würden zusätzliche Kosten von etwa 18 Euro entstehen. Laut Jauernig sei jedoch unklar, wie die Einnahmen von geschätzten 60 bis 80 Millionen Euro pro Jahr verwendet werden sollen. „Es gibt die Sorge, dass nichts davon bei den örtlichen Wasserversorgern ankommt“, erklärt er.
Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die geplante Berechnung der Brunnenentnahmen auf Basis von Schätzungen. Jauernig warnt, dass dies zu Streitigkeiten und mehr Bürokratie führen könnte. Stattdessen schlägt er den Einsatz digitaler Messtechnologien vor, die bereits in der Praxis erprobt sind.
Jauernig fordert, dass der Schutz der Wasserressourcen im Mittelpunkt stehen muss. Gleichzeitig müsse die Abgabe gerecht gestaltet werden, ohne die Bürger und die Wasserversorger zusätzlich zu belasten. „Die Pläne der Landesregierung sind ein Freibrief für ein Weiter-So“, sagt er abschließend.