Der Hebammenkreißsaal des Universitätsklinikums Ulm (UKU) erhielt diese Woche das HKS+-Zertifikat. Vertreterinnen des Deutschen Hebammenverbandes übergaben die Auszeichnung am Montag. Damit ist das UKU die dritte zertifizierte Geburtsklinik dieser Art in Baden-Württemberg. Das Zertifikat bestätigt hohe Qualitäts- und Sicherheitsstandards. Es basiert auf dem Konzept des hebammengeleiteten Kreißsaals. Dieses Angebot richtet sich an gesunde Schwangere.
Das Konzept existiert am UKU seit November 2023. Es ergänzt das bisherige geburtshilfliche Angebot der Klinik. Ziel ist eine möglichst interventionsarme und selbstbestimmte Geburt. Frauen mit einer unkompliziert verlaufenden Schwangerschaft werden angesprochen. Eine durchgängige Eins-zu-eins-Betreuung durch eine Hebamme ist zentral. Die natürliche Geburt steht im Mittelpunkt des Geschehens. Das Angebot erweitert die freie Wahl des Geburtsorts.
Gleichzeitig bleibt die maximale Sicherheit einer Klinik erhalten. Das Konzept ist eng mit der interdisziplinären Geburtshilfe verzahnt. Bei medizinischer Notwendigkeit steht jederzeit ärztliche Versorgung bereit. Auch die neonatologische Versorgung des Perinatalzentrums ist verfügbar. Prof. Dr. Frank Reister, Leiter der Sektion Geburtshilfe, betont diesen Aspekt. Er sagt: „Schwangerschaft und Geburt sind natürliche Vorgänge, keine krankhaften.“ Die Hebamme sei die primäre Ansprechpartnerin.
Doch wie entscheiden sich Frauen für diesen Weg? „Viele werden von ihren betreuenden Hebammen oder Gynäkologen informiert“, erklärt Susanne Lehr. Sie ist Bereichsleitung der Geburtshilfe am UKU. Die Klinik bietet zudem umfassende Informationen und zwei Vorgespräche an. In diesen Gesprächen werden alle Risiken sorgfältig abgeklärt. Das Konzept wird den werdenden Eltern genau erläutert. So können sie gut informiert in die Geburt gehen.
Die Motivation der Frauen ist dabei entscheidend. „Die Frauen sollten die Motivation mitbringen für eine interventionsarme, selbstbestimmte, schmerzmittelarme Geburt aus eigener Kraft“, so Lehr. Es sei die physiologische Art zu gebären. Dies sei aber kein Gegenentwurf zum Kaiserschnitt. Vielmehr stelle es eine wichtige Alternative für gesunde Schwangerschaften dar. Die Klinik wolle für alle Familien den bestmöglichen Weg gestalten.
Die Hebamme trägt während der Geburt die alleinige Verantwortung. Das Team im Hintergrund bietet jedoch große Unterstützung. „Wir haben jederzeit die Möglichkeit, uns sowohl im Hebammenteam zu besprechen, als auch im ärztlichen Team“, sagt Hebamme Regina Braunmiller. Die Anwesenheit eines Arztes werde oft nicht bewusst vermisst. Auch bei Schmerzen gebe es viele Möglichkeiten der Unterstützung. Regina Braunmiller erklärt: „Da haben wir tatsächlich ganz, ganz viele Möglichkeiten.“ Dazu gehören Wasseranwendungen, Massagen oder Homöopathie. Das Team arbeitet im Schichtdienst. So ist eine konstante Betreuung jederzeit sichergestellt. Vierzehn Frauen pro Monat können das Angebot aktuell nutzen. Das gesamte Hebammenteam der Klinik ist für diese Geburten qualifiziert.