Rund 40 Mal am Tag wird eine Polizistin oder ein Polizist in Baden-Württemberg Opfer von Gewalt. 14.586 Mal wurden diejenigen, die helfen und schützen sollen, im vergangenen Jahr beleidigt, geschlagen, getreten, attackiert – «ein absolut historischer Höchststand», beklagt Innenminister Thomas Strobl in Stuttgart. «Das ist inakzeptabel.» Im Stuttgarter Polizeipräsidium stellte der CDU-Politiker nun neue Uniformen vor, die die Einsatzkräfte besser vor Messerattacken schützen soll.
Die Gewalt gegen Polizistinnen und Polizisten in Baden-Württemberg verharrt auf besorgniserregendem Niveau – trotz leichter Rückgänge in einzelnen Bereichen. Im vergangenen Jahr wurden 6.299 Fälle registriert, wie das Innenministerium der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Das ist nur rund ein Prozent weniger als im Rekordjahr 2024.
Auch die Messergewalt ist ein Problem. Zwar sank die Zahl der Angriffe mit Messern gegen Polizeibeamte im Jahr 2025 um acht auf 47 Fälle. Laut Strobl seien das aber immer noch alarmierende Zahlen und «genau 47 zu viel». Neun Beamte wurden dabei leicht, zwei schwer verletzt. Getötet wurde im vergangenen Jahr kein Polizist bei einem Angriff. 2024 starb jedoch der Polizist Rouven Laur nach einem Messerangriff auf dem Mannheimer Marktplatz.
Um die Beamten vor Messerangriffen besser zu schützen, erhalten Tausende Beamte im Land nun eine neue Polizeiuniform. Die Einsatzkleidung ist mit sogenannten schnitthemmenden Elementen ausgestattet. «Wir wollen so alles dafür tun, unsere Polizistinnen und Polizisten bestmöglich auch vor brutalsten Angriffen zu schützen», so Strobl.
Er präsentierte die neuen Kleidungsstücke der Öffentlichkeit. Mit der «Blauen Uniform 2.0» sollen künftig empfindliche Körperbereiche mit schnitthemmenden Elementen geschützt werden. Wo genau an der Uniform diese Bereiche sind, behält die Polizei für sich. «Wir wollen ja keine Anleitung geben, die hemmenden Elemente zu umgehen», sagte Strobl.
Die Polizisten erhalten neue Softshell-Jacken, Langarmhemden, Cargohosen und Poloshirts. Die Kleidung kombiniere Tragekomfort mit Sicherheit, so Strobl. Der Minister machte auch deutlich: Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht. «Ich kann die Polizistinnen und Polizisten nicht in eine Ritterrüstung stecken.» Die Nachteile mangelnder Beweglichkeit seien offenkundig. Auch wenn die neuen Uniformen nicht alle Probleme lösten, seien sie ein Mosaikstein. Die neue Einsatzkleidung soll teils im März, teils im Herbst ausgeliefert werden.
Wann das Polizeipräsidium Ulm ihre neuen Uniformen bekommt, weiß Pressesprecher Joachim Schulz auf Nachfrage nicht, es sei Sache des Landes.