Kein Dach über dem Kopf, keine feste Bleibe und immer mehr Menschen, die dringend Hilfe brauchen! Die Stadt Ulm will deshalb ihre Unterstützung für obdachlose und von Wohnungslosigkeit bedrohte Menschen deutlich ausbauen. Am Mittwoch (7. Oktober) hat sich der zuständige Ausschuss des Gemeinderats mit einem neuen Maßnahmenpaket beschäftigt. Unter dem Motto „Ulm – eine Stadt für Alle“ sollen in den kommenden Jahren zusätzliche Unterkünfte entstehen und Betroffene schneller Hilfe bekommen.
Der Grund dafür ist deutlich: Bei der Caritas ist die Zahl der Beratungsfälle zwischen 2021 und 2025 von 235 auf 501 gestiegen. Auch das Übernachtungsheim des Deutschen Roten Kreuzes ist das ganze Jahr über stark ausgelastet.
Gerade im Winter kann das Leben auf der Straße gefährlich werden. Deshalb soll die Paketposthalle in Ulm auch künftig als Schutz vor der Kälte dienen. Ab November 2026 sind dort in Nächten mit Minusgraden 20 bis 30 Schlafplätze vorgesehen. Zusätzlich soll die Beratung am Morgen ausgebaut werden. Dafür sind im kommenden Winter rund 10.000 Euro mehr eingeplant, unter anderem wegen gestiegener Kosten für Reinigung, sanitäre Anlagen und Betreuung.
Auch für junge Erwachsene ist eine neue Anlaufstelle geplant: Die „NoLa – Notschlafstelle in der Ladenzeile“ im Trollingerweg soll zum Winter acht Übernachtungsplätze für Menschen zwischen 18 und 26 Jahren anbieten. Dort soll es neben einem sicheren Schlafplatz auch Duschen, Waschmöglichkeiten und sozialpädagogische Unterstützung geben.
Die Stadt will aber nicht nur kurzfristige Übernachtungsmöglichkeiten schaffen, sondern Menschen auch langfristig ein Zuhause bieten.
Gemeinsam mit der ZAWO Ulm wurde bereits eine geeignete Immobilie für ein neues Wohnangebot gefunden. Dort sollen bis zu acht Menschen mit psychischen Erkrankungen einen festen Wohnplatz bekommen. Die Betreuung soll individuell angepasst werden, ohne dass die Bewohner ständig ihre Unterkunft wechseln müssen. Nach bisherigen Planungen könnten bereits 2027 die ersten Bewohner einziehen.
Außerdem prüft die Stadt ein weiteres Modell, bei dem wohnungslose Menschen zunächst eine eigene Wohnung bekommen und anschließend freiwillige Unterstützung erhalten. Ein entsprechendes Pilotprojekt könnte ab 2028 starten. Zunächst sollen aber die bisherigen Erfahrungen mit diesem sogenannten Housing-First-Ansatz ausgewertet werden.
Neben zusätzlichen Unterkünften will die Stadt auch die Hilfe auf der Straße verstärken. Dafür soll bei der Caritas Ulm-Alb-Donau eine zusätzliche Vollzeitstelle geschaffen werden. Ab 2027 ist ein Team geplant, das Menschen in der Innenstadt direkt anspricht und Unterstützung anbietet. Dabei sollen Fachkräfte aus der Wohnungslosenhilfe, Suchthilfe und dem Bereich psychischer Erkrankungen zusammenarbeiten.
Das Ziel: Menschen erreichen, die bisher kaum Kontakt zu sozialen Hilfsangeboten haben. Gleichzeitig sollen Konflikte im öffentlichen Raum reduziert werden.
Bürgermeisterin Iris Mann betont, dass die Hilfsangebote besser zusammenarbeiten und Betroffene früher erreicht werden müssten. Auch Oberbürgermeister Martin Ansbacher setzt auf Hilfe statt Verdrängung. Die neuen Maßnahmen sollen Menschen in schwierigen Lebenslagen unterstützen und gleichzeitig für mehr Sicherheit und Sauberkeit in der Stadt sorgen.