Haben wir nicht alle diese eine Freundin, die sich immer wieder in die Falschen verliebt? Was wäre, wenn eine mathematische Formel vorhersagen könnte, wann eine Beziehung zum Scheitern verurteilt ist und wir sie so vor dem nächsten Liebesaus bewahren könnten?
Genau diese Frage hat sich auch der französische Mathematik-Professor Laurent Pujo-Menjouet gestellt. Seine ungewöhnliche Antwort: Vielleicht lässt sich Liebe zumindest ein Stück weit mathematisch beschreiben.
Aber wie soll man Gefühle überhaupt mathematisch beschreiben? Pujo-Menjouet versucht genau das: Er stellt eine mathematische Formel auf, mit der sich beschreiben lässt, wie sich das Liebesgefühl eines Menschen im Laufe einer Beziehung verändert. Auf der linken Seite der Gleichung steht P′(t). Das ist die Veränderungsrate des Liebesgefühls. Das P steht dabei für das Liebesgefühl einer Person und t für einen bestimmten Zeitpunkt. P′(t) beschreibt also, wie stark die Person ihren Partner zu diesem Zeitpunkt liebt und, ob dieses Gefühl gerade stärker oder schwächer wird.
Auf der rechten Seite der Formel stehen die verschiedenen Faktoren, die diese Veränderung beeinflussen. Einer davon ist E, die sogenannte Erosion. Damit ist der natürliche Gewöhnungseffekt gemeint: Was am Anfang einer Beziehung aufregend und neu ist, wird mit der Zeit vertrauter. Die anfängliche Intensität der Gefühle kann dadurch nachlassen. Die Erosion wirkt also vereinfacht gesagt bremsend auf das Liebesgefühl.
Dann gibt es den Term g(tk). Er steht für besondere Ereignisse, die zu einem bestimmten Zeitpunkt tk eintreten und die Gefühle plötzlich verändern können. Das können positive Ereignisse sein, zum Beispiel eine Beförderung, finanzielle Sicherheit oder die Geburt eines Kindes. Genauso können negative Ereignisse auftreten, etwa Arbeitslosigkeit, finanzielle Schwierigkeiten, der Verlust eines geliebten Menschen oder ein Seitensprung. Solche Ereignisse können das Liebesgefühl kurzfristig deutlich nach oben oder unten verändern.
Besonders wichtig ist außerdem R(t). Dieser Term beschreibt, wie der Partner auf den gegenüber reagiert.
In der Formel gibt es außerdem M, einen kritischen Schwellenwert, also eine Art rote Linie. Solange das Liebesgefühl P(t) über M liegt, kann sich die Beziehung trotz Krisen wieder erholen. Fällt es darunter, sinkt es im Modell gegen null und die Beziehung ist vorbei.
Keine Sorge: Ihr müsst jetzt nicht eure Taschenrechner-App öffnen und die Beziehung durchrechnen. Pujo-Menjouets Formel soll vielmehr zeigen, wie sich Gefühle im Laufe einer Beziehung verändern können. Man kann sie sich ein bisschen wie einen Liebes-Tacho vorstellen.
Eine sichere Vorhersage liefert die Mathematik allerdings nicht. Fachleute betonen, dass menschliche Gefühle, persönliche Erfahrungen und die Lebensumstände eines Paares viel zu komplex für eine allgemeingültige Formel sind. Das Modell ist deshalb eher als Denkanstoß zu verstehen: Eine stabile Beziehung entsteht nicht ohne Probleme, sondern vor allem dadurch, wie zwei Menschen miteinander umgehen und gemeinsam auf Probleme reagieren.
Trotzdem lohnt es sich, darauf zu achten, wie ihr miteinander umgeht. Kleine Gesten wie ein liebevoller Kuss, Nähe oder Aufmerksamkeit können viel über die Beziehung aussagen. Fehlen solche Gesten über längere Zeit, kann das ein Anlass sein, einmal genauer hinzuschauen und miteinander darüber zu sprechen.