Kein Material - Handwerk ausgebremst

„Wir haben Aufträge, aber kein Material dafür“ – Materialpreise explodieren angesichts international belasteter Lieferketten. Das berichtet die Ulmer Handwerkskammer.

Viele Betriebe spüren auch in der Corona-Krise eine gute Kundennachfrage nach ihren Handwerksleistungen und sind nicht von staatlichen Subventionierungen abhängig. Nunmehr werden die Materialversorgung sowie die damit verbundene Preisentwicklung für viele Betriebe zum Problem. Preissteigerungen von bis zu 200 Prozent werden der Handwerkskammer Ulm gemeldet, die darauf verweist, dass sich Handwerksleistungen dadurch massiv verzögern und im Preis erhöhen können. Dazu sagt Dr. Tobias Mehlich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ulm: „Wir laufen aktuell auf die Situation zu, dass wir genügend Aufträge unserer Kunden haben, aber kein Material, sie auszuführen.“

Das ist der Grund für die Verknappung

Hintergrund dieser Verknappung sind die internationalen Versorgungs- und Lieferketten, beispielsweise bei Holz, aber auch bei Metall. Viele Betriebe, die diese Materialien produzieren oder weiterverarbeiten, haben aufgrund der aktuellen Corona-Krise Nachfragerückgänge erwartet und in dieser Erwartung ihre Produktion gedrosselt, so dass beim Handwerksbetrieb kaum noch etwas oder eben nur verknappt und verzögert ankommt. Diese Erwartungszurückhaltung wird unterstützt durch attraktive Kurzarbeitsmodelle, die es diesen produzierenden Betrieben ermöglicht haben, „kostenoptimiert“ zu arbeiten.

„Sie schicken ihre Belegschaften oft in gut bezahlte Kurzarbeit, um Ergebnisse zu sichern, obwohl der Markt eigentlich nach Produkten fragt“, verdeutlicht Mehlich die mittlerweile an vielen Stellen auftretenden Probleme mit der hohen Subventionierung in der Corona-Krise. „Kurzarbeit darf nicht zur Produktionssteuerung führen. Kunden und Verbraucher brauchen diese Produkte, die Nachfrage ist groß“, sagt Mehlich.

Preise explodieren

Zudem werden durch die Corona-Krise bestehende Lieferstrukturen zerstört, weil Betriebe auf der Suche nach Material in neuen Regionen einkaufen. So geschieht es beispielsweise beim heimischen Holz. „Verteilungskämpfe zwischen den Ländern dieser Welt finden derzeit nicht nur beim Impfstoff statt. Unsere Betriebe müssen zusehen, wie Holz aus unserer heimischen Produktion vor ihren Augen nach Übersee exportiert wird, obwohl wir es hier unbedingt brauchen für unsere Aufträge. Dieser Weltmarkt ist rasend schnell, verzögert damit unsere Bearbeitung beim Kunden und verteuert unser Material um bis zu 200 Prozent“, so Mehlich weiter.

Weltmarktpreise verhindern auf diese Weise eine Bedienung des regionalen Marktes. Viele Projekte sind auch mit anderen Materialpreisen kalkuliert, zu denen jetzt nicht mehr produziert werden kann. Das wird zwischen Kunde und Handwerksbetrieb die Frage aufwerfen, wer letztlich den Schaden der Verzögerung und der galoppierenden Weltmarktpreise trägt.

Betriebe ausgebremst

In manchen Gewerken kann dies in wenigen Wochen bereits dazu führen, dass laufende Projekte in der Region gestoppt und nicht mehr weitergeführt werden könnten. Daraus wiederum kann sich massiver Schaden für Betriebe und Verbraucher ergeben. Projekte, mit deren Fertigstellung der Kunde gerechnet hat, bleiben unvollendet und können nur zeitverzögert umgesetzt werden; ohne Material können auch Beschäftigung und Arbeitsplätze leiden.

Das könnte Dich auch interessieren

12.05.2026 Stuttgart-Stammheim: Richterin lässt Saal räumen Nach wiederholtem Applaus und Jubelrufen aus den Zuschauerrängen ließ die Richterin kurzerhand den ganzen Saal räumen. Die Sitzung wurde erneut unterbrochen. Viele der Zuschauer sind Pro-Palästina-Aktivisten oder Freunde und Angehörige der Angeklagten. Sie skandierten die Parole «Free Palestine». Einzelne Zuschauer ließen sich von Justizbeamten aus dem Gebäude führen. Die Richterin hatte das Publikum davor vor 19.11.2025 Ulm: Große Finanzspritze für Albert Einstein Discovery Center Das Albert Einstein Discovery Center Ulm e.V. erhält 150.000 Euro von der Carl-Zeiss-Stiftung, um die Ausstellung für das geplante Erlebniszentrum weiterzuentwickeln. Die Mittel fließen in die Ausarbeitung des Ausstellungskonzepts, die Entwicklung von Storylines, das szenografische Design sowie die Planung interaktiver Exponate. Ziel ist es, Einsteins Leben, seine Theorien und deren heutige Bedeutung anschaulich zu vermitteln. 08.11.2025 Nächste Klatsche für die Spatzen – Rostock fegt Ulm mit 5:0 vom Platz Der SSV Ulm 1846 Fußball hat den nächsten bitteren Rückschlag kassiert. Gegen Hansa Rostock verloren die Spatzen klar mit 0:5 und warten damit weiter auf ein Erfolgserlebnis. 01.06.2026 Das regionale Handwerk sucht Dich! Die Handwerkskammer Ulm sucht auch dieses Jahr noch Azubis für das regionale Handwerk. Die Auswahl ist groß und vielseitig. Bei über 130 verschiedenen Ausbildungsbetrieben kann man sich entscheiden. Besonders junge und engagierte Menschen werden, wegen den vorherrschenden Fachkräftemangel benötigt. Das regionale Handwerk sucht Dich! Auch Dr. Tobias Mehlich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ulm ist besorgt und