Keinem "Angst und Bange": Was Heidenheims Abstieg bedeutet

Abschied aus der Bundesliga

Der Etat dürfte sich halbieren. Was wird aus Spielern und Stadionplänen? Der 1. FC Heidenheim verlässt die Bundesliga erhobenen Hauptes, steht aber vor Herausforderungen.

Die Augen von Trainer Frank Schmidt waren nach dem Abstieg des 1. FC Heidenheim noch feucht, doch der 52-Jährige richtete den Blick schnell wieder nach vorn. «Angst und Bange» müsse niemandem werden, sagte er. «Wir haben gezeigt, dass wir schnell analysieren und uns neu ausrichten können. Das Verhalten unserer Fans gibt Kraft und Zuversicht.»

Von den Anhängern gab es nach der 0:2-Niederlage gegen den FSV Mainz 05 zum Saisonabschluss am Samstag viel Aufmunterung. Folgen hat der Abschied nach drei Jahren in der Fußball-Bundesliga für den FCH dennoch – für seine Planung, das Personal und die Finanzen. Ein Überblick.

Trainer und Vereinsführung

Schmidt ist der dienstälteste Trainer im deutschen Profifußball und wird am 17. September genau 19 Jahre im Amt sein. Nachdem ihm der Vorstandsvorsitzende Holger Sanwald eine Jobgarantie auch für den Fall des Abstiegs gegeben hatte, bestätigte Schmidt Mitte März, dass er bleibt. «Auf mich kann man sich verlassen», sagte der Coach. Er bleibe Trainer in Heidenheim und werde seinen bis 30. Juni 2027 laufenden Vertrag erfüllen. Auch Sanwald macht als Vereinsboss weiter und setzt mit Schmidt das langjährige Doppel auf dem Schlossberg zumindest für ein Jahr fort.

Mannschaft

Fast alle Profis außer Außenverteidiger Omar Traoré und Stürmer Stefan Schimmer sowie die Leihspieler wie Torwart Diant Ramaj haben Verträge für die 2. Bundesliga. Zum Teil haben Spieler aber Ausstiegsklauseln. Damit dürfte der FCH für die kommende Saison ein gutes Kadergerüst haben, das mit Neuzugängen gezielt verstärkt werden kann. «Es hängt davon ab, was die Spieler wollen», sagte Sanwald. «Es ist zu frisch, wir müssen schauen, wie die Situation ist, die Gespräche führen und hoffen, dass wir die Mannschaft bestmöglich zusammenhalten können.» Leistungsträger wie Kapitän Patrick Mainka erklärten, kurz nach Spielende sei nicht der richtige Zeitpunkt über einzelne Zukunftsabsichten zu sprechen.

Finanzen

Der Verein ist finanziell gesund – auch, weil er im Abstiegskampf teure und sportlich riskante Transfers vermieden hat. Der Gesamtetat von rund 80 Millionen Euro wird sich auf wohl 40 Millionen Euro halbieren. Damit dürfte sich der Verein wirtschaftlich im vorderen Mittelfeld der 2. Liga bewegen. «Es ist schon ein gewaltiger Einschnitt», sagte Sanwald und beschrieb es als «Herkulesaufgabe». Ein Abstieg gehöre aber auch zum Teil zur Entwicklung des Clubs. «Wenn wir das so begreifen, dann ist das eine Chance», meinte er.

Stadionausbau

Die Voith-Arena wird unabhängig von der Ligazugehörigkeit von derzeit 15.000 auf 25.000 Plätze ausgebaut. «Der Abstieg hat darauf keinen Einfluss», so Sanwald. «Vielleicht geht es nicht in dem Tempo, aber wir haben ja auch Auflagen. Und wenn man in die Infrastruktur entwickelt, dann geht es Schritt für Schritt voran.» Der Baubeginn ist noch nicht terminiert, aber für 2027 geplant.

Zuschauer

Wegen des verpassten Ligaverbleibs ist die Stimmung in Heidenheim getrübt, aber nicht verzweifelt oder aggressiv. Übergriffe von Fans gegenüber Spielern wie an anderen Standorten in der Vergangenheit gibt es nicht, im Gegenteil: Nach Abpfiff wurden die Heidenheimer Spieler minutenlang gefeiert und mit Standing Ovations verabschiedet. Dies sei zumindest ein kleiner Trost, meinte Mittelfeldspieler Niklas Dorsch. «Großer Respekt, großes Dankeschön – das ist absolut nicht normal», sagte er. Die meisten Anhänger des Ostalb-Clubs ordnen die drei Jahre Bundesliga-Zugehörigkeit als Abenteuer ein, das nicht selbstverständlich war – und hoffen, dass es bald wieder nach oben geht.

Sportliches Ziel

Die Bosse wollen noch keine konkrete Vorgabe wie den Wiederaufstieg ausgeben. Es gebe noch zu viele Fragezeichen. «Wenn wir einen Top-Kader haben ist es etwas anderes als wenn von der jetzigen Mannschaft nicht mehr viel übrigbleibt», sagte Sanwald. «Wir haben ein gutes Fundament und eine gute Basis geschaffen. Wir wollen angreifen – so gut es geht.»

(Matthias Jung und Maximilian Wendl, dpa)

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