Klimakiller Käse? Was wirklich hinter der Milch-Debatte steckt

Milchviehhaltung und Klimawandel

Wenn Kühe rülpsen und pupsen, werden klimaschädliche Gase frei. Doch was steht tatsächlich hinter der Milch-Debatte? Wir haben uns mit einem regionalen Milchbauern unterhalten und die Wissenschaft befragt.

Biogener vs. fossiler Kreislauf

Zunächst einmal, ist es bei der Debatte um Treibhausgase und Klimawandel wichtig, zwischen dem biogenen und dem fossilen Kohlenstoffkreislauf zu differenzieren. Hinter dem Begriff "fossiler Kohlenstoffkreislauf" verbirgt sich der Abbau nicht-erneuerbarer Ressourcen, wie Öl, Kohle und Gas. Diese Rohstoffe fungierten über Jahrmillionen als Kohlenstoffspeicher. Bei der Verbrennung wird der gebundene Kohlenstoff in Form von Kohlenstoffdioxid jedoch wieder frei. Dies führt langfristig zu einer Erhöhung der CO₂-Konzentration in der Atmosphäre. Im Gegensatz dazu ist der biogene Kohlenstoffkreislauf in sich geschlossen. Pflanzen nehmen im Rahmen der Photosynthese Kohlenstoffdioxid aus der Luft auf. Wenn Kühe dieses Gras fressen, entsteht bei der Verdauung Methan. Dieses hält sich etwa zehn bis zwölf Jahre in der Atmosphäre, bevor es wieder zu Kohlenstoffdioxid zerfällt und erneut von Pflanzen aufgenommen werden kann. Sofern die Tierbestände konstant bleiben, wird kein zusätzliches Kohlenstoff in die Atmosphäre eingebracht. Wichtig zu wissen ist allerdings, dass auch das biogene Methan das Klima stark erwärmt, solange es in der Atmosphäre zirkuliert. Beide Kreisläufe tragen also zur Erwärmung bei, unterscheiden sich jedoch deutlich in Ursache, Dauer und Wirkung.

 

Sonderfall Käse

Wenn man der Frage nach der Klimawirksamkeit von tierischen Milchprodukten nachgeht, lohnt sich ein Blick auf die Klimabilanz von Käse. Dieser zeichnet sich - verglichen mit anderen Milchprodukten - aufgrund der ressourcenaufwändigen Herstellung durch höhere Treibhausgasemissionen pro Kilogramm aus. Im Schnitt werden für ein Kilogramm Käse etwa zehn Liter Milch benötigt. Das bedeutet, dass die Treibhausgase, die bei der Milchviehhaltung entstehen, konzentriert werden. Zudem werden weitere Emissionen durch die Verarbeitung und Reifung erzeugt.

 

Weideflächen als Kohlenstoffsenken

Es liegt also die einfache Bilanz nahe, dass die Herstellung und der Konsum von Milchprodukten sich negativ auf das Klima auswirken. Aber wird das der Debatte gerecht? So pauschal lässt sich diese Thematik nicht abhandeln. Denn das Zusammenspiel von Landwirtschaft und Klima ist vielschichtig. Etwa 70 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Flächen weltweit sind Gras- und Weideland. Diese können als natürliche Kohlenstoffspeicher dienen. Gleichzeitig sind diese Flächen aufgrund klimatischer Bedingungen nicht für den Anbau pflanzlicher Lebensmittel geeignet. Milchviehhaltung macht diese Flächen also wirtschaftlich nutzbar. Nichtsdestotrotz können naturnahe Ökosysteme teilweise mehr Kohlenstoff speichern als intensiv genutztes Grünland. Wie groß dieser Unterschied ist, hängt jedoch stark von Nutzung, Boden und Region ab.

 

Die Alternativen

Grundsätzlich ist es sicherlich angebracht, sich mit dem persönlichen Konsum tierischer Produkte zu befassen. Ob und in welchem Umfang tierische Lebensmittel künftig notwendig sind, ist wissenschaftlich und gesellschaftlich umstritten. Das wird auch am Klima nicht spurlos vorbeigehen. Also was tun? Seitens der Landwirtschaft spielt die Effizienz der Milchviehhaltung eine zentrale Rolle, um den ökologischen Fußabdruck möglichst gering zu halten. Umso mehr Milch eine Kuh unter den gleichen Bedingungen produziert, desto geringer ist der CO₂-Ausstoß pro Liter. Um die Prozesse bei der Milchgewinnung zu optimieren, bedarf es deshalb weiterer wissenschaftlicher Erkenntnisse. Und was können die Konsumenten tun? Kurz gesagt, die Regionalität der Lebensmittel im Einkaufskorb ist das A und O. Denn kürzere Transportwege bedeuten eine geringere CO2-Bilanz. Wie so oft, lässt sich die Debatte um die Klimawirksamkeit der Milchviehhaltung also nicht so schnell abhandeln.

ZUM PODCAST

Die Kühe auf dem Talhof von Alexander Keller:

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