Mehr als 250 ehrenamtliche Helfer des Technischen Hilfswerks (THW) probten am Wochenende den Ernstfall. Die Großübung von Freitag bis Sonntag rund um Mietingen, Maselheim und Äpfingen statt. Fachgruppen aus ganz Baden-Württemberg trainierten mit über 160 Fahrzeugen. Sie übten in einer Kiesgrube komplexe Rettungsszenarien. Ziel war die bessere Zusammenarbeit bei Katastrophen. Auch die technische Einsatzeinheit der Polizei nahm an der Übung teil. Der Hauptteil fand in der Kiesgrube in Maselheim-Äpfingen statt. Hier wurde der Umgang mit Baumaschinen und schwerem Gerät geübt.
Die Übung war eine Reaktion auf die wachsenden Herausforderungen der letzten Jahre. Großeinsätze wie die Hochwasser im Ahrtal zeigten die Notwendigkeit. Tobias Zährl war Abschnittsleiter bei der Übung in der Kiesgrube. Er sagte: „Allein bin ich nichts und erst zusammen bin ich groß.“ Die Zusammenarbeit der verschiedenen Gruppen war entscheidend für den Erfolg. „Wenn ich vor Ort die Leute kenne, dann kann ich viel leichter zusammenarbeiten“, so Zährl. Die Helfer kamen aus verschiedenen Orten in Baden-Württemberg. Sie lernten sich und ihre unterschiedliche Ausrüstung besser kennen. Dies stärkte den Zusammenhalt und die Effizienz im Team.
Die Ehrenamtlichen brachten vielfältige berufliche Hintergründe mit. Das war eine besondere Stärke des THW. „Wir haben oft Leute, die normalerweise im Büro sitzen“, erklärte Zährl. Diese freuten sich über die praktische und sinnvolle Arbeit. „Sie freuen sich, wenn sie dann einfach praktisch was tun dürfen“, sagte der Gruppenführer. So saß auch mal ein Bürokaufmann am Steuer eines schweren Radladers. Das THW bildet seine Helfer umfassend aus. Jeder absolvierte zunächst eine einheitliche Grundausbildung. Danach folgte die Spezialisierung in einer Fachgruppe, etwa zum Baggerfahrer. So wurde jeder Helfer optimal auf seine speziellen Aufgaben vorbereitet. Jeder konnte einen wertvollen Beitrag im Katastrophenschutz leisten.
Zehn verschiedene Stationen waren in der Kiesgrube aufgebaut. Das Spektrum der gestellten Aufgaben war sehr breit. Ein Auto musste mit Hilfe von Teleskoplader und Taucher aus dem Baggersee geborgen werden. An anderer Stelle wurden massive Trümmer aus Beton durchtrennt. Eine mit Felsbrocken und Erdreich verschüttete Straße wurde befreit. Hier arbeiteten THW und Polizei Hand in Hand. Das Polizeipräsidium Einsatz aus Göppingen war mit eigenen Unimogs vor Ort. Diese Zusammenarbeit sei eine „ganz wertvolle Ergänzung“, betonte Tobias Zährl. Man lernte die spezifischen Stärken der jeweiligen Geräte und Fahrzeuge genau kennen. Der fachliche Austausch war für beide Seiten sehr wertvoll.
Eine Übung dieser enormen Größe erforderte eine perfekte Organisation im Hintergrund. Die Turnhalle in Baltringen diente, neben anderen Gebäuden, als riesiger Schlafsaal für die Teilnehmer. Mit Bauzäunen abgetrennte Boxen boten Platz für zahlreiche Feldbetten. Eine mobile Führungsstelle koordinierte den gesamten Einsatzablauf. Sie war komplett in einem LKW untergebracht und verfügte über einen Besprechungsraum. Vom Lastwagen daneben wurden alle Funk- und sogar Satellitenverbindungen gehalten. Eine eigene Logistikgruppe kümmerte sich um die Materialerhaltung. Sie organisierte auch die Verpflegung für alle Einsatzkräfte. Für alle Helfer wurde an allen Tagen frisch vor Ort gekocht. So wurde die gesamte Infrastruktur eines echten, mehrtägigen Einsatzes realitätsnah simuliert.
Die Realität holte die Übungsteilnehmer sehr schnell ein. Am Freitagabend gab es einen Großbrand in der Nähe von Blaubeuren. Zwei THW-Einheiten wurden direkt von ihrer Anreise mitsamt Radlader und Kettenbagger zur Übung alarmiert. Sie fuhren sofort zum Einsatzort. Für das THW war das gelebte Normalität. Die Helfer aus Pforzheim und Ofterdingen südlich von Tübingen waren wohl noch nie vorher in Blaubeuren. „Wir leben einfach in der Lage“, sagte Tobias Zährl dazu. „Wir entscheiden kurzfristig und können uns anpassen.“ Die Übungspläne wurden daraufhin in der Nacht schnell überarbeitet. Die fehlenden Maschinen und Helfer wurden neu disponiert. Am Samstagmorgen konnte die Übung trotzdem pünktlich und wie geplant starten. Dies zeigte die hohe Flexibilität der ehrenamtlichen Kräfte in jeder Situation.