Das Bahnprojekt Stuttgart 21 wird von der Deutschen Bahn um fünf Jahre verschoben. Jetzt soll das neue Tiefbahnprojekt Ende 2031 in Betrieb genommen werden, sagten die Bahnvertreter laut Teilnehmerkreise im Verkehrsausschuss des Deutschen Bundestages.
Im November 2025 hatte die Bahn bereits die geplante Teileröffnung für Ende 2026 des neuen Tiefbahnhofs unter anderem wegen Problemen bei der Digitalisierung abgesagt. Die Bahnchefin Evelyn Palla hat danach erst mal eine umfassende Überprüfung des Projektes angekündigt. Erst jetzt ist öffentlich gemacht worden, dass ein Ergebnis dieser Prüfungen die Verschiebung auf 2031 ist.
Das Problem
Als Hauptgründe für die erneute Verschiebung nannte die Bahn laut Teilnehmern im Verkehrsausschuss unter anderem die Digitalisierung des Stuttgarter Bahnknotens. Zudem hätten Planungsprozesse nicht den nötigen Reifegrad gehabt. Kabel hätten wohl deshalb neu verlegt werden müssen. Zudem gebe es Probleme mit einem Technikgebäude, das für den aktuellen Bedarf nicht mehr passend sei. Nachbessern müssen sie zufolge auch die Steuerungstechnik und Energieversorgung. Es sei wohl ein neues Notstromkonzept nötig.
Kürzere Wege für Fahrgäste geplant
Streckensperrungen mit Ersatzverkehr, Zugausfälle sowie weite Wege zu den Fernzügen, das erwartet die Fahrgäste des Hauptbahnhofs Stuttgart weitere fünf Jahre lang. Die langen Wege zu den Fernzügen sollen zumindest ab 2027 behoben werden und die Reisenden müssten dann nicht mehr komplett über die Baustelle laufen, sondern könnten dann über das Dach des neuen Tiefbahnhofs laufen.
Inbetriebnahme mehrfach verschoben
Bereits mehrfach wurde die Inbetriebnahme des Projekts Stuttgart 21 verschoben. Noch 2009 hieß es, dass 2019 die Eröffnung sein sollte, danach wurde sie auf 2021 und 2026 verschoben. Das Projekt steht nicht nur für den Bau des neuen Hauptbahnhofs, sondern für die komplette Neuordnung des Bahnknotens Stuttgart. Gebaut werden neue Bahnhöfe, ein Fernbahnhof am Flughafen, dutzende Kilometer Schienenwege und Tunnelröhren sowie Durchlässe und Brücken.
Komplette Digitalisierung
Zum Bauprojekt gehört auch der Neubau der bereits 2022 eröffneten Schnellfahrstrecke Wendlingen-Ulm. Herzstück von Stuttgart 21 wird der neue unterirdische Hauptbahnhof sein, der im Gegensatz zum bisherigen Kopfbahnhof ein Durchgangsbahnhof sein wird. Zudem soll der Bahnknoten in Stuttgart als erster bundesweit komplett digitalisiert werden. Alle Züge und S-Bahnen sollen dann mit dem digitalen Zugsicherungssystem ETCS fahren. Klassische Lichtsignale werden zudem auch nicht mehr verbaut.
Bahn muss Mehrkosten alleine stemmen
Das Bahnprojekt wird teurer. Schon im Finanzierungsvertrag aus dem Jahr 2009 ist nur die Verteilung von Kosten bis 4,5 Milliarden Euro geregelt. Zuletzt bezifferte die Bahn die Kosten auf rund 11,3 Milliarden Euro. Doch jetzt, mit der neuen Verschiebung um fünf Jahre, hat die Deutsche Bahn wohl noch mehr Kosten zu tragen. Denn ein Gerichtsurteil hat im letzten Jahr entschieden, dass die Projektpartner zu keiner Beteiligung aufgefordert sind. Jedoch äußerten sich die Bahnvertreter des Ausschusses nicht zu den Kosten.