Kreuz aus Gundelfingen auf der Sagrada Familia vollendet

Stich ins Ulmer Herz

Die Sagrada Familia hat ihre endgültige Höhe erreicht und überragt die langjährige höchste Kirche der Welt, das Ulmer Münster, um rund elf Meter. Gebaut wurde die Turmspitze in der Nähe von Ulm.

Das im bayerischen Gundelfingen hergestellte riesige Kreuz für den Hauptturm der weltberühmten Basilika Sagrada Familia in Barcelona ist mit der Installation des obersten Segments vollendet worden. Das teilte die Stiftung Sagrada Familia auf X mit. Damit hat die Kirche ihre endgültige Höhe von 172,5 Metern erreicht.

Das Ulmer Münster, das 135 Jahre den Titel höchster Kirchturm der Welt trug, wird damit nun von der Basilika in Katalonien um rund elf Meter überragt. Schon im vergangenen Oktober wuchs der Jesus-Turm der Sagrada Familia mit dem Aufsetzen des ersten Elements des begehbaren Kreuzes auf eine Höhe von 162,91 Meter an – damals nur knapp 1,41 Meter mehr als das Münster in Ulm.

Die 17 Meter hohe Stahl-Glaskonstruktion hat eine Spannweite von 13,5 Metern. Die nun installierte Turmspitze ist ein fünf Meter hoher und 3,2 Meter breiter oberer Kreuzarm, der unten achteckig und oben viereckig ist. Diese 12,5 Tonnen schwere Stahl-Glaskonstruktion wurde auf einer Arbeitsplattform in 54 Meter Höhe vormontiert, mit einem Hochkran auf das zentrale Bauteil des Glaskreuzes gehievt und dann mit der Basis verschraubt, wie der Hersteller, die Gartner GmbH, mitteilte. Er hatte die Konstruktion in Einzelteilen nach Spanien geschafft.

Alles passgenau

«Heute war es endlich relativ windstill. So konnten wir den oberen Kreuzarm mit einem Hochkran sicher hochziehen und passgenau befestigen», schrieb das Unternehmen. Dabei hätten Toleranzen von wenigen Millimetern eingehalten werden müssen. Aber schon im ersten Versuch hätten alle Verschraubungen gepasst. «Als schwäbische Ingenieure und Techniker wollen wir uns ja nichts nachsagen lassen», betonte Montageleiter Rainer Deininger.

Die offizielle Einweihung des Kreuzes ist für den 10. Juni geplant, dem 100. Todestag des Architekten Antoni Gaudí. Für die Öffentlichkeit wird das fast 100 Tonnen schwere Kreuz aus Stahl und Glas voraussichtlich ab 2027 zugänglich sein und dann einen atemberaubenden Rundblick über die Mittelmeermetropole erlauben.

Kurios: Das Kreuz stammt ausgerechnet aus der Nähe von Ulm 

Die Firma, die die Glaskonstruktion baute, ist nicht weit vom baden-württembergischen Ulm entfernt und sitzt im bayerischen Gundelfingen an der Donau – die Orte trennen nur 36 Kilometer Luftlinie. «Wir nehmen das mit einem gewissen Augenzwinkern und Humor», sagte der Chef der Gartner GmbH, Jürgen Wax, im Oktober. Aus Ulm habe sich noch niemand beschwert.

Der Fassaden-Spezialist in der 8.000-Einwohner-Gemeinde war für außergewöhnliche Bauten wie die Elbphilharmonie in Hamburg und das ufoartige Apple-Headquarter in San Francisco mitverantwortlich. Weltweit beschäftigt das Unternehmen rund 850 Mitarbeiter. Seit 2001 gehört das 1868 gegründete Familienunternehmen zur italienischen Permasteelisa Gruppe.

Bau wurde nur durch Spenden und Eintrittsgelder finanziert

Mit der Vollendung des Kreuzes ist die Basilika dem Ende ihrer langen Baugeschichte einen großen Schritt nähergekommen. Fertig ist sie aber dann immer noch nicht. «In etwa zehn Jahren könnte es so weit sein. Wenn alles gutgeht», sagt Xavier Martínez, der Leiter der Bauabteilung.

Dann spätestens soll auch die sogenannte Glorienfassade an der Südseite mit dem künftigen Haupteingang fertig sein. Das wären dann mehr als 150 Jahre Bauzeit. Sehr lange, aber im Vergleich zu berühmten anderen Großkirchen wie dem Ulmer Münster immer noch recht schnell. Dort war die Grundsteinlegung für die gotische Kirche 1377. Vollendet wurde der eindrucksvolle Bau 1890 – nach 513 Jahren.

Finanziert wurde der Bau der Sagrada Família nur durch Spenden und vor allem durch Eintrittsgelder. 2024 gab es 4,9 Millionen Besucher, die Einnahmen lagen bei insgesamt fast 134 Millionen Euro.

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