„Krieg geht alle an“ – Ulmer Friedensbewegung widerspricht Bundeswehr-Kommandeur

Kontroverse um „Kriegstüchtigkeit“ der Gesellschaft: Bundeswehr fordert mentale Vorbereitung, Friedensgruppen setzen auf Diplomatie

Der Chef des Landeskommandos Baden-Württemberg fordert mehr mentale Bereitschaft für den Kriegsfall. Die Ulmer Friedensbewegung hält dagegen: Sicherheit entsteht nicht durch Waffen, sondern durch Diplomatie und Verständigung.

Der neue Chef des Landeskommandos Baden-Württemberg, Michael Giss, fordert eine grundlegende Neubewertung der sicherheitspolitischen Lage in Deutschland. Die Bevölkerung müsse sich mental auf mögliche militärische Konflikte einstellen, so der Bundeswehr-Kommandeur. Die Ulmer Friedensbewegung widerspricht entschieden – und warnt vor einer gefährlichen Verschiebung des gesellschaftlichen Diskurses.

Giss: „Friedensdividende vorbei – wir müssen bereit sein“

Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur kritisiert Giss eine verbreitete „Vollkasko-Mentalität“ in Deutschland. Viele Menschen hätten sich seit Jahrzehnten an ein Leben ohne unmittelbare Bedrohung gewöhnt – das sei heute nicht mehr zeitgemäß. „Die Welt um uns herum ist, wie sie ist, und man hat die Pflicht, sich damit zu beschäftigen“, so Giss.

Er plädiert dafür, Fragen der Verteidigungsbereitschaft stärker in Schulen zu thematisieren und spricht sich für die Wiedereinführung der Wehrpflicht aus. Nur durch Abschreckung und ausreichende personelle Ausstattung könne der Rechtsstaat im Ernstfall geschützt werden.

Es gibt gute Gründe, ein Gewehr in die Hand zu nehmen – wenn es sein muss. (Kapitän zur See Michael Giss)

Friedensbewegung: „Friedensbildung statt Kriegsertüchtigung“

Für die Ulmer Friedensbewegung sind solche Aussagen ein Alarmsignal. In einer gemeinsamen Stellungnahme mehrerer Gruppen heißt es: „Gerade wenn uns vorgemacht wird, dass Aufrüstung die einzige Antwort auf weltpolitische Krisen sei, müssen wir umso entschlossener für friedliche Lösungen eintreten.“

Die Friedensaktivisten warnen davor, die Gesellschaft in den Köpfen und auf den Straßen „kriegstüchtig“ machen zu wollen. Sicherheit könne nicht durch Waffen, sondern nur durch Verständigung, Abrüstung und Diplomatie entstehen. Es brauche eine neue Entspannungspolitik statt weiterer Eskalation.

Wenn wir anfangen, Krieg als Normalzustand zu akzeptieren, verlieren wir das, was wir eigentlich verteidigen wollen. (Ulmer Friedensbewegung)

Die Forderungen der Ulmer Gruppen: Investitionen in Bildung, Sozialstaat und Friedensforschung statt in Rüstung und Militär, Respekt für das Völkerrecht und konsequente Ablehnung von Bundeswehr-Werbung in Bildungseinrichtungen.

Das könnte Dich auch interessieren

28.01.2026 NATO-Kommando Ulm im Fokus: Wie sicher ist Europa? Europa steht vor wachsenden sicherheitspolitischen Herausforderungen. Eine zentrale Rolle spielen dabei das in Ulm stationierte NATO-Kommando Allied Joint Support and Enabling Command (JSEC) sowie das Multinationale Kommando Operative Führung. Welche Aufgaben diese Einrichtungen übernehmen und welchen Beitrag sie zur Verteidigung Europas leisten, steht im Mittelpunkt eines öffentlichen Vortrags Ende Februar. Ulm und die Bündnisverteidigung von 02.04.2025 Heute: Gedenkmarsch in Ulm erinnert an Karfreitagsgefecht Am heutigen Mittwoch, den 2. April 2025 werden über 200 Soldaten und Reservisten in Ulm an das Karfreitagsgefecht von 2010 erinnern. Der Gedenkmarsch führt über 15 Kilometer entlang der Donau – in Gedenken an drei im Gefecht gefallene Soldaten und viele Verwundete von damals. Gedenkmarsch in Ulm erinnert an Karfreitagsgefecht Der Start ist für 9 02.03.2026 Medienbericht: Urlauber aus Ulm in Dubai gestrandet – Schutz vor Raketen im Hotel Nach den jüngsten iranischen Gegenangriffen auf die Golfregion sind auch Urlauber aus Schwaben in Dubai gestrandet. Wie die Südwest Presse berichtet, mussten drei Ulmer in ihrem Hotel Schutz suchen, sich von Fenstern und Türen fernhalten und mehrere Stunden im Flur ausharren. Ulmer Urlauber in Dubai gestrandet Der internationale Flughafen von Dubai ist aktuell geschlossen, tausende 26.01.2026 Widerstandsfähigkeit: Wie sicher ist die Innovationsregion Ulm/Neu-Ulm im Ernstfall? Wie belastbar ist die Innovationsregion Ulm, wenn kritische Infrastrukturen ausfallen? Vertreter von Politik, Energieversorgung, Gesundheitswesen und Militär diskutierten bei einer Podiumsrunde der Innovationsregion Ulm e.V. über den Stand der Krisenvorsorge, bestehende Stärken und Handlungsbedarf. Gut vorbereiten – aber keine Panik Teilnehmende waren Klaus Eder (SWU Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm), Prof. Dr. Udo X. Kaisers (Universitätsklinikum Ulm), Generalleutnant