Kriegs-Ländle? Unternehmen entdecken neue Chancen in der Rüstungsindustrie

Ziel: weniger Abhängigkeit von der schwächelnden Autoindustrie

Immer mehr Unternehmen in Baden-Württemberg steigen ins Rüstungsgeschäft ein. Wirtschaftsministerin Hoffmeister-Kraut sieht darin neue Chancen.

Über drei Jahre nach Beginn des Ukraine-Kriegs zeigt sich ein wohl auch streitbarer Wandel: Die Bundeswehr rüstet auf, und Unternehmen in Baden-Württemberg suchen neue Geschäftsfelder – auch in der Rüstungsindustrie. Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) betont, dass sich für die Unternehmen Chancen ergeben, Produktionsvolumina zu sichern und Lieferketten resilienter zu gestalten.

Rund 14.500 Menschen arbeiten im Südwesten laut Wirtschaftsministerium in der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie. Zum Vergleich: Die Autoindustrie beschäftigt 230.000 Menschen. Dennoch sehen zahlreiche Firmen Potenzial und steigen ein – sowohl große Namen als auch Mittelständler, die bisher kaum bekannt sind.

Zahlreiche Firmen steigen in Rüstungsgeschäft ein

Heidelberger Druckmaschinen hat eine Partnerschaft mit Vincorion Advanced Systems geschlossen. Der Maschinenbauer aus Heidelberg soll für Vincorion Regelungstechnik und Energieverteilungssysteme liefern. In den kommenden drei Jahren erwartet das Unternehmen mindestens 100 Millionen Euro Umsatz aus diesem Segment.

Ferreira Logistik aus Stuttgart mit 100 Mitarbeitenden plant, künftig Logistikdienstleistungen für die Verteidigungsindustrie anzubieten – vom Transport einzelner Teile bis zur Auslieferung fertiger Produkte. Geschäftsführer Amadeu da Silva Ferreira will so Rückgänge im Geschäft mit der Autoindustrie ausgleichen.

Der Maschinenbauer Trumpf aus Ditzingen (Kreis Ludwigsburg) stellt seine Lasertechnologie künftig für defensive Verteidigungslösungen bereit. Das Unternehmen betont, dass ausschließlich Defensivwaffen unterstützt werden.

Die VW-Dachholding Porsche SE prüft Beteiligungen an Technologieunternehmen im Verteidigungssektor. Im Fokus stehen Anwendungsfelder wie Satellitenüberwachung, Aufklärung, Cybersecurity sowie Logistik- und Nachschubsysteme.

Auch Mittelständler wie Hodapp GmbH & Co. KG aus Oberkirch (Ortenaukreis) sehen Chancen. Das Metallbauunternehmen produziert gesicherte Türen und Tore für Bundeswehrkasernen und Rüstungsunternehmen. Geschäftsführer Peter Hodapp erklärt, dass der Rüstungsbereich in fünf Jahren ein Fünftel des Gesamtumsatzes ausmachen könnte.

Die Auftragsvergabe an neue Rüstungsunternehmen ist streng kontrolliert. Dennoch sehen Experten in Baden-Württemberg weiteres Potenzial: Angesichts maroder Kasernen und steigender Nachfrage nach Sicherheits- und Verteidigungsprodukten könnten weitere Unternehmen profitieren.

(Quelle: Oliver Schmale und Robin Wille, dpa)

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