Landesbischof Gohl: Früherer Ulmer Münsterdekan will mehr Spielraum für Gemeinden

Sommertagung der württembergischen Landessynode in Stuttgart

Der frühere Ulmer Münsterdekan und jetzige württembergische Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl will der Kirche vor Ort mehr zutrauen. Bei der Landessynode ging es um Reformen, Pfarrdienst, Religionsunterricht, Geld und die Rolle der Kirche in großen gesellschaftlichen Fragen.

Der frühere Ulmer Münsterdekan und heutige württembergische Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl fordert mehr Entscheidungsspielraum für die Kirche vor Ort. Zum Auftakt der Sommertagung der württembergischen Landessynode in Stuttgart sagte Gohl, Gemeinden und Kirchenbezirke müssten innerhalb verbindlicher Regeln mehr selbst gestalten können.

Konkret geht es darum, Entscheidungen weniger zentral zu steuern. Kirchenbezirke sollen künftig stärker entscheiden, was vor Ort sinnvoll ist. Der Oberkirchenrat in Stuttgart soll sich nach Gohls Vorstellung mehr als Unterstützung für Gemeinden und Einrichtungen verstehen – also weniger als reine Verwaltungsstelle, mehr als Service.

Was das für Ulm und die Region bedeutet

Für Ulm ist das Thema besonders interessant, weil Gohl früher Münsterdekan in Ulm war. Seine Aussagen betreffen zwar die gesamte Evangelische Landeskirche in Württemberg, können aber auch für Gemeinden in der Region Ulm wichtig werden.

Hintergrund ist der Umbau der Kirche: weniger Mitglieder, weniger Geld, weniger Personal – gleichzeitig bleiben viele Aufgaben bestehen. Gohl will deshalb mehr Verantwortung dorthin geben, wo die Arbeit konkret passiert: in Gemeinden, Kirchenbezirken und Einrichtungen.

Pfarrdienst, Ehrenamt und Religionsunterricht

Bei der Sommertagung ging es auch um den Pfarrdienst. Gohl stellte sich klar hinter das öffentlich-rechtliche Dienstverhältnis für Pfarrer. Gleichzeitig machte er deutlich: Kirche funktioniert nicht nur über Hauptamtliche. Ehrenamtliche sollen stärker eingebunden werden, gerade bei Leitung, Organisation und Gemeindearbeit.

Auch der Religionsunterricht war Thema. Nach Angaben der Landeskirche übernehmen Pfarrer dort weniger Stunden als früher. Dafür werden Religionspädagogen wichtiger. Weil Stellen beim Ruhestand wegfallen können, will die Landeskirche weiter auf Einstellungen setzen. Trotz schwieriger Finanzlage soll Kirche an Schulen sichtbar bleiben.

Geld bleibt ein großes Problem

Die Finanzlage der Landeskirche ist angespannt. Die Kirchensteuer entwickelt sich schwächer als erwartet, gleichzeitig belasten Versorgungsverpflichtungen die Haushalte. Viele Kirchengemeinden geben laut Landeskirche mehr aus, als sie einnehmen. Deshalb muss entschieden werden, welche Aufgaben künftig Priorität haben – und was sich verändern muss.

Gohl verband diese Debatte mit seiner Forderung nach mehr Spielräumen: Gemeinden sollen nicht nur sparen, sondern vor Ort besser entscheiden können, was wirklich gebraucht wird.

Kirche will bei Demokratie, KI und Nahost mitreden

Gohl machte auch deutlich, dass Kirche nicht nur mit sich selbst beschäftigt sein soll. Sie soll sich stärker in gesellschaftliche Debatten einbringen – aber nicht laut um jeden Preis, sondern als Ort für Dialog und Orientierung.

Beim Thema Demokratie sieht Gohl die Kirche als Raum für respektvollen Austausch, auch wenn Themen strittig sind. Beim Thema Geflüchtete warnte er vor pauschalen Vorurteilen und betonte die Verantwortung der Kirche für Schutzsuchende.

Auch Künstliche Intelligenz sprach Gohl an. Die Kirche müsse sich mit den Chancen, aber auch mit den ethischen Risiken von KI beschäftigen. Ziel sei, in diesen Debatten kompetent mitzureden und Orientierung zu geben.

Zum Nahost-Konflikt warb Gohl für Differenzierung und Mitgefühl mit den Opfern auf allen Seiten. Gleichzeitig betonte er, dass die Kirche dem gestiegenen Antisemitismus in Deutschland klar entgegentreten müsse.

Video vom Bischofsbericht

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