Geplant ist ein flächendeckendes Pegelnetz, das Wasserstände in Echtzeit liefert. Außerdem sollen neue KI-Anwendungen Einsatzkräfte und Kommunen im Ernstfall unterstützen. Die digitalen Lösungen wurden im Rahmen des Förderprogramms BIPA, dem Bavarian-Israel Partnership Accelerator, entwickelt. Rund 30 Studierende und Wissenschaftler arbeiteten dafür mehrere Monate an Anwendungen, die speziell auf den Katastrophenschutz im Landkreis Günzburg zugeschnitten sind.
„Die Hochwasserereignisse der vergangenen Jahre haben uns sehr deutlich gezeigt, dass wir beim Katastrophenschutz neue Wege gehen müssen. Wir brauchen Systeme, die schneller reagieren, bessere Daten liefern und Einsatzkräfte konkret unterstützen“, sagt die Günzburger Landtagsabgeordnete Jenny Schack.
Eine zentrale Grundlage soll der Aufbau eines flächendeckenden Pegelnetzes entlang der Gewässer Mindel, Kammel, Günz und Zusam sowie deren Zu- und Nebenflüssen sein. Dabei sollen auch kleinere Gewässer berücksichtigt werden, die sich bei Starkregen besonders schnell entwickeln und innerhalb kurzer Zeit kritisch werden können.
Die Kommunen im Landkreis Günzburg werden in die Planung eingebunden und können ihren Bedarf an zusätzlichen Pegeln melden. Der Landkreis übernimmt die zentrale Beschaffung der Pegel sowie einen Großteil der Kosten.
Ein weiteres digitales Werkzeug ist ein neuer Sandsackrechner. Damit soll sich berechnen lassen, wie viele Sandsäcke, Einsatzkräfte und Transportkapazitäten im Ernstfall gebraucht werden. Das System arbeitet mit digitalen Geländemodellen.
Die Stadt Krumbach hat bereits zehn Pegel und drei Bodenfeuchtesensoren beschafft. Diese Standorte in Krumbach und den Stadtteilen sollen durch das Pegelnetz des Landkreises ergänzt werden. „Beim Hochwasserschutz müssen alle Ebenen eng zusammenarbeiten“, sagt Bürgermeister Florian Kaida. „Umso wichtiger ist es, dass der Landkreis die Initiative ergreift und ein flächendeckendes Pegelnetz aufbaut. Nur wenn wir den Blick weiten, können wir Risiken frühzeitig erkennen und die Bevölkerung besser schützen.“
Zum Projekt gehört auch ein KI-gestützter Retentionsflächenscanner. Er analysiert hochauflösende Geländedaten und soll mögliche Rückhalteflächen erkennen. Dabei geht es zum Beispiel um Senken, Mulden und natürliche Abflusswege. Kommunen sollen dadurch besser planen können, wo Schutzmaßnahmen besonders sinnvoll sind. Außerdem soll simuliert werden können, welche Auswirkungen Veränderungen im Gelände, etwa an Feldwegen oder Böschungen, auf den Wasserabfluss haben.
Parallel wird ein digitales Evakuierungs- und Lagebildtool entwickelt. Auf einer interaktiven Karte soll modelliert werden, wie sich Hochwasser voraussichtlich ausbreitet. Das System erkennt automatisch betroffene Gebäude, die anonymisierte Zahl der dort lebenden Menschen sowie gefährdete kritische Infrastruktur wie Pflegeheime, Schulen oder Krankenhäuser. Bisher wurden die Daten unter großem Zeitdruck während Notsituationen manuell zusammengetragen. Durch das neue System sollen Evakuierungen schneller organisiert und Entscheidungen im Katastrophenfall genauer getroffen werden können.