Das deutsche Filmerbe befindet sich in einer kritischen Lage. Unzählige historisch bedeutsame Filme existieren nur noch auf analogem Material – auf Filmrollen, die nicht für die Ewigkeit gemacht sind. Mit jedem Jahr werden sie brüchiger: Farben verblassen, das Material zerfällt, Tonspuren werden unlesbar. Fachleute sprechen von einem Wettlauf gegen die Zeit und fordern deutlich mehr politisches Engagement für die Digitalisierung – den Weg vom „Filmkorn zum Pixel“.
Obwohl seit einigen Jahren Digitalisierungsprogramme laufen, ist bislang nur ein sehr kleiner Teil des Bestands gesichert. Gleichzeitig stehen Fördermittel unter Druck oder sollen weiter gekürzt werden, wie der Bundesverband kommunale Filmarbeit und der Verband der Filmfestivals in Deutschland gemeinsam mit dem Deutschen Kinematheksverbund warnen.
Die Kritik ist deutlich: Ohne eine verlässliche und langfristige Finanzierung droht der Verlust großer Teile der deutschen Filmgeschichte – und damit eines zentralen kulturellen und politischen Gedächtnisses.
Während bundesweit über die Zukunft diskutiert wird, zeigt Ulm, wie konkrete Rettung funktioniert. Hier wurden in den vergangenen Jahren historische Ulm-Filme systematisch gesichert, restauriert und digital zugänglich gemacht.
Das Stadtarchiv Ulm hat gemeinsam mit der Filmfirma protel Film und Medien seit 2006 zahlreiche historische Aufnahmen bearbeitet und digitalisiert. Dazu gehören frühe Stadtfilme wie die „Straßenbahnfahrt durch Ulm“ (1922), Dokumente aus der Nachkriegszeit sowie Filme aus den 1950er bis in die 1990er Jahre. Viele dieser Werke sind heute online abrufbar oder in Editionen veröffentlicht.
Ein wichtiger Motor dieser Entwicklung ist der Ulmer Filmenthusiast und Kulturvermittler Günter Merkle, der sich seit vielen Jahren für die Bewahrung und Präsentation regionaler Filmgeschichte engagiert. Auch das Umfeld des Instituts für Filmgestaltung der HfG Ulm steht für die lange filmkulturelle Tradition der Stadt und ihre besondere Rolle in der deutschen Filmgeschichte. Besonders lebendig wird das Ergebnis bei den „ulmfilmtagen“: Dort kehren die digitalisierten Filme zurück auf die Kinoleinwand – technisch modern aufbereitet und vor Publikum. Aus Archivmaterial wird so wieder erlebbare Stadtgeschichte in Form eines echt „ulmischen“ Filmfestivals.
Der Blick nach Ulm zeigt deutlich, was auf dem Spiel steht: Ohne konsequente Digitalisierung droht der stille Verlust ganzer Filmepochen. Gleichzeitig wird sichtbar, dass Rettung möglich ist – wenn technisches Know-how, kulturelles Engagement und politische Arbeit zusammenkommen.