Die Grünen haben die Wahl knapp gewonnen. Spitzenkandidat Cem Özdemir erreichte 30,2 Prozent, die CDU mit Manuel Hagel kam auf 29,7 Prozent. Beide Parteien haben je 56 Mandate im Landtag – eine seltene Pattsituation. Özdemir bot der CDU eine Partnerschaft auf Augenhöhe an, während Hagel betonte, dass der Auftrag zur Regierungsbildung nun bei den Grünen liege und sprach von einem guten Wahlergebnis seiner Partei. Die CDU bringt aber auch eine Teilung der Amtszeit ins Spiel. Wahlsieger Cem Özdemir lehnt das ab, die Lage sei zu ernst für solche Spielchen.
Trotz der knappen Niederlage bot Hagel seinen Rücktritt an, der Landesvorstand lehnte dies jedoch einstimmig ab. Hagel wird die CDU weiterhin in allen Gesprächen führen. Er kritisierte den Wahlkampf als unter der Gürtellinie, der ihn und seine Familie belastet habe.
Die SPD erlitt mit 5,5 Prozent ein historisches Tief. Parteichef Andreas Stoch kündigte seinen Rückzug an, die Partei will ihre Führung bis Juni neu aufstellen. Die FDP verpasste mit 4,4 Prozent den Einzug in den Landtag, Landeschef Hans-Ulrich Rülke macht das Scheitern unter anderem am Vertrauensverlust der Ampel-Koalition im Bund und der Polarisierung zwischen CDU und Grünen im Landtagswahlkampf fest. Auch die Linke scheiterte an der Fünf-Prozent-Hürde.
Die AfD erreichte 18,8 Prozent und erzielte ihr bestes West-Ergebnis bei einer Landtagswahl. Spitzenkandidat Markus Frohnmaier bezeichnet die Partei als Volkspartei, sie bleibt aber voraussichtlich in der Opposition, da die CDU eine Zusammenarbeit ausschließt. Analysen zeigen, dass viele Wähler die AfD als Denkzettel wählten, während nur ein Drittel sie aus Überzeugung unterstützte. Besonders stark schnitt die Partei in ländlichen Regionen sowie in Pforzheim und Mannheim ab, wo sie teilweise Direktmandate gewann. Themen wie traditionelle Familienbilder, Patriotismus und Ablehnung des Verbrenner-Aus spielten im Wahlkampf eine Rolle.
Die Grüne Jugend verlangt von Özdemir klare Bekenntnisse zu sozialer und ökologischer Politik. Dazu zählen eine stärkere Mietpreisbremse, Klimaneutralität bis 2040, Initiativen im Bundesrat für gerechte Steuerpolitik und die Prüfung eines AfD-Verbotsverfahrens. Zudem soll der frühere Grünen-Politiker Boris Palmer weder Minister noch Berater werden.
Nach der Wahl endet die Amtszeit von Ministerpräsident Winfried Kretschmann nicht sofort. Nach der Landesverfassung bleibt er bis zum Zusammentritt des neuen Landtags am 12. Mai regulär im Amt. Danach führt Kretschmann die Regierung geschäftsführend weiter, bis ein neuer Ministerpräsident gewählt und vereidigt ist. Erst dann endet seine Zeit an der Spitze des Landes nach 15 Jahren.
Das bisher veröffentlichte Ergebnis ist vorläufig. Der Landeswahlausschuss prüft noch alle Stimmen und Einsprüche, das offizielle Endergebnis wird für den 27. März 2026 erwartet. Bei sehr knappen Wahlergebnissen kann sich die Sitzverteilung noch leicht verändern, auch wenn große Sprünge unwahrscheinlich sind. Für das Patt zwischen Grünen und CDU könnte eine kleine Verschiebung theoretisch entscheidend werden.
Mit 157 Abgeordneten ist der Landtag so groß wie noch nie. Erstmals durften auch 16- und 17-Jährige abstimmen. CDU und Grüne müssen trotz Patt zusammenfinden, SPD und FDP stehen vor Umbrüchen, und die AfD tritt als stärkste Oppositionskraft auf.
Die kommenden Wochen werden entscheidend für die Regierungsbildung in Baden-Württemberg sein.