Ein 75-jähriger Mann schwebt nach einer Gewalttat in Lebensgefahr. Er wurde am frühen Samstagmorgen auf dem Ulmer Karlsplatz gefunden. Die Polizei geht von massiver Gewalteinwirkung auf das Opfer aus. Die Hintergründe der Tat sind noch völlig unklar. Eine großangelegte Spurensuche wurde umgehend eingeleitet. Die Kriminalpolizei bittet die Bevölkerung dringend um Hinweise.
Der Karlsplatz in Ulm ist eine bekannte und beliebte Grünanlage. Tagsüber bietet er vielen Bürgern einen Ort der Erholung. Familien besuchen den Spielplatz und Senioren spielen Schach. Der Park ist auch ein Treffpunkt für Alkoholkonsum. Immer wieder halten sich dort auch drogenabhängige Menschen auf. Die Stadt und die Polizei hat diese von anderen Plätzen verdrängt. Dazu gehören der Bahnhofvorplatz, der Lederhof und die Sedelhöfe. In der Nacht zum Samstag wurde diese Oase zum Tatort. Um kurz nach zwei Uhr ging der Notruf ein.
Ein Polizeisprecher bestätigte die Ereignisse noch am Samstagvormittag. „Am Samstag nach, kurz nach 02:00 Uhr, wurde mitgeteilt, dass sich hier eine verletzte Person befinden würde.“ Bei dem Opfer handelt es sich um einen Mann im Seniorenalter. „Es handelt sich hierbei um einen 75 Jahre alten Mann aus dem Raum Ulm.“ sagte uns Sven Vrancken, Pressesprecher des Polizeipräsidium Ulm. Dieser Mann wies massive Verletzungen durch Gewalteinwirkung auf. „Die Person wurde anschließend im Krankenhaus verbracht und wurde lebensgefährlich verletzt“, so Vrancken weiter.
Sofort nach dem Notruf begann die akribische Arbeit der Ermittler. Spezialisten der polizeilichen Spurensicherung waren stundenlang im Einsatz. Sie sperrten den gesamten Innenstadt-Park mit Flatterband ab. Die gesamte Fläche wurde systematisch nach Spuren abgesucht. Jeder Zentimeter wurde dabei genauestens fotografiert. Die Suche nach verwertbaren Beweismitteln war jedoch äußerst mühsam. Denn der Park ist stark verschmutzt und unübersichtlich. Überall auf der Wiese lagen Zigarettenkippen und Kronkorken. Leere Alkoholflaschen zeugten von den nächtlichen Treffen. Am Nachmittag wurde die Suche nochmals deutlich intensiviert. Zusätzliche Kräfte der Bereitschaftspolizei aus Göppingen rückten an. Sie durchkämmten den gesamten Karlsplatz noch einmal gründlich. Auch die angrenzenden Straßen wurden genauestens untersucht. Die Beamten leuchteten in jedes Gebüsch und unter jedes Auto. Sie kontrollierten Mülleimer und tiefe Kellerlichtschächte.
Ein besonderes Augenmerk legten die Ermittler auf einen Pavillon neben den öffentlichen Toiletten, das „Stammlokal“ der örtlichen Trinker. Die dortige hölzerne Sitzgruppe geriet in den Fokus. Sie wurde von den Beamten komplett abtransportiert. Ein zusätzlicher VW-Bus mit Anhänger kam dafür zum Tatort. Die gesamte Sitzgarnitur wurde sorgfältig in den Anhänger verladen. Sie ist ein mutmaßlicher Spurenträger für die Kriminalpolizei. Die Ermittler erhoffen sich davon entscheidende Hinweise. Man will herausfinden, wer sich dort aufgehalten hat. Wer war in der Nacht zum Samstag vor Ort? Wer könnte an der Tat beteiligt gewesen sein? Oder wer hat etwas gesehen und kann Angaben machen? Jede Faser und jeder Fingerabdruck könnten relevant sein.
Zu den genauen Hintergründen der Tat schweigt die Polizei bisher. „Aktuell laufen die Ermittlungen zu den Hintergründen der Tat auf Hochtouren“, erklärte der Polizeisprecher. Er bat um Verständnis für die Zurückhaltung der Behörden. „Aus ermittlungstaktischen Gründen kann ich leider keine weiteren Auskünfte geben.“ Umso wichtiger ist nun die Mithilfe aus der Bevölkerung. Die Polizei bittet dringend um sachdienliche Hinweise zu der Tat. Besonders wichtig sind Beobachtungen vom späten Freitagabend. Der relevante Zeitraum erstreckt sich bis kurz nach 2:00 Uhr morgens. „Ja, wir suchen Zeugen, die heute Nacht am Karlsplatz verdächtige Wahrnehmungen gemacht haben“, lautet der dringende Appell von Sven Vrancken im Namen der Ulmer Polizei. Zeugen sollen sich unter der Telefonnummer 0731/188-0 melden.
Gegen 15 Uhr am Samstagnachmittag war der Polizeieinsatz vor Ort beendet. Die Absperrbänder wurden von den Beamten wieder entfernt. Kaum etwas deutete noch auf die Gewalttat hin. Nur die fehlende Sitzgruppe im Pavillon war ein stummer Zeuge. Bei strahlendem Sonnenschein und 22 Grad kehrte Leben zurück. Der Spielplatz war schnell wieder voller Familien mit Kindern. Auch am beliebten Schachfeld herrschte wieder reger Betrieb. Lediglich die üblichen Besucher des Pavillons waren nicht dort. Sie saßen auf der gegenüberliegenden Straßenseite im Schatten.