Irgendwie war es schon immer da. Das Schlössle im Neu-Ulmer Stadtteil Offenhausen. Das große Wirtshaus, der weite Biergarten mit den riesigen Kastanienbäumen und gegenüber die hauseigene Brauerei. Und wir müssen auch weit zurückgehen in der Geschichte, um die Herkunft zu klären. 1555 wurde das kleine Schloss gebaut, im Lauf der Jahrhunderte wurde es dann zur Gaststätte. Und befindet sich seit 1879 im Besitz der Familie Zoller. Die 150 Jahresfeier wird es aber vermutlich nicht geben.
Wirtin Christa Zoller wird das gesamte Grundstück verkaufen oder verpachten. Das hat sie jetzt bekanntgegeben. Zuerst dem Team und den langjährigen Stammgästen und dann auch der Presse. Die Entscheidung ist ihr nicht leicht gefallen. „Es fällt einem auch schwer, was man sein Leben lang gemacht hat, aufzugeben“, sagt Zoller in ihrem vertrauten Biergarten. Sie ist jetzt 65 Jahre alt, die Belastung sei spürbar und sie will auch noch andere Dinge in ihrem Leben machen als arbeiten. Aber in der Familie will das Erbe niemand fortführen. „Und das ist auch vollkommen in Ordnung“, nimmt die Wirtin ihre Kinder in Schutz. Trotzdem wird sie bei dem Gedanken emotional, keine fünfte Zoller-Generation im Schlössle erleben zu können.
Im besten Fall findet sie einen Pächter für das Wirtshaus, der den Stil erhalten möchte. Familiär, gesellig, ein Ort zum Runterkommen. Auch das Team soll übernommen werden. Absehbar ist das aber noch nicht, im Frühjahr könnten erste Ergebnisse bekanntgegeben werden. Für das Brauereigelände auf der anderen Straßenseite gibt es andere Pläne. Hier sollen Wohnungen gebaut werden, wenn alles genehmigt wird.
Bis alles unter Dach und Fach ist, geht der Betrieb aber ganz normal weiter. Die Gäste bekommen weiterhin das Schlössle-Gesamtpaket, das garantiert Christa Zoller. Ihr Traum ist, dass am Ende ein geselliger Wirt das Schlössle übernimmt und sie selbst als Gast unter den Kastanienbäumen im Biergarten sitzt.