Ärzte behandeln Patienten, forschen an neuen Therapien und bilden sich gleichzeitig weiter. Das alles unter einen Hut zu bekommen, ist nicht einfach. An der Universität Ulm soll das jetzt leichter werden. Im sogenannten Clinician Scientist Programm können sich Nachwuchsmediziner künftig bis zu zwölf Monate ihrer Forschungsarbeit auf die Weiterbildung zum Facharzt anrechnen lassen. Bisher waren höchstens sechs Monate möglich. Die Bezirksärztekammer Südwürttemberg hat der neuen Regelung zugestimmt. Damit sollen junge Ärzte mehr Planungssicherheit bekommen und Forschung und Klinikalltag besser miteinander verbinden können.
Das Clinician Scientist Programm gibt es an der Universität Ulm bereits seit 2018. Es richtet sich an Ärzte, die sowohl Patienten behandeln als auch wissenschaftlich arbeiten möchten. Das Programm dauert insgesamt 36 Monate. Während dieser Zeit werden die Teilnehmenden zu 50 Prozent für ihre Forschungsarbeit freigestellt. Dadurch können sie beispielsweise an wissenschaftlichen Projekten arbeiten, ohne ihre klinische Weiterbildung aufgeben zu müssen. Allerdings wird nicht jede Forschungsarbeit automatisch anerkannt. Schon bei der Bewerbung wird geprüft, ob die Voraussetzungen erfüllt sind. Außerdem müssen die Bezirksärztekammer und die Medizinische Fakultät bestätigen, dass das jeweilige Forschungsprojekt zu den Anforderungen der Facharztausbildung passt.
Mit der Vereinbarung möchte die Universität Ulm ihre medizinische Forschung stärken und für junge Mediziner attraktiver werden. Forschungsdekan Professor Markus Huber-Lang betont, dass gute Patientenversorgung und wissenschaftliche Forschung zusammengehören. Wer sich in beiden Bereichen engagiert, solle dafür klare berufliche Perspektiven bekommen. Die Vereinbarung zwischen der Universität Ulm und der Bezirksärztekammer Südwürttemberg gilt zunächst bis Ende 2029. Anschließend kann sie verlängert werden.