Blinde und sehbehinderte Menschen sollen sich an Ulmer Kreuzungen künftig leichter orientieren können. Die Stadt stattet deshalb mehrere Ampelanlagen mit der sogenannten LOC.id-Technik aus. Die erste Anlage wurde an der Theaterkreuzung in der Olgastraße offiziell in Betrieb genommen. Bis Ende 2026 sollen bis zu 15 Ulmer Ampeln über die neue Technik verfügen.
Beim offiziellen Start testeten rund 20 sehbehinderte Menschen die Anlage auf dem Theatervorplatz. Mit dabei waren außerdem Ulms Erster Bürgermeister Martin Bendel, Projektleiter Uwe Brennenstuhl und Gertrud Vaas vom Blinden- und Sehbehindertenverband Württemberg.
LOC.id funktioniert über Bluetooth und eine App auf dem Smartphone. Nähert sich ein Nutzer einer entsprechend ausgestatteten Kreuzung, erkennt die Ampel das Smartphone und schaltet automatisch ein deutlich hörbares Klacken ein.
Dieses sogenannte Pilotsignal hilft dabei, die Ampel und den Taster leichter zu finden. Über den Taster kann anschließend ein weiteres akustisches Signal für die Grünphase aktiviert werden. Sobald die Straße sicher überquert werden kann, ertönt ein entsprechender Ton. Wird das Signal nicht mehr benötigt, hört auch das Klacken wieder auf.
Nach Angaben von Gertrud Vaas lässt sich das System einfach über die App bedienen. Die Technik könne den Stress beim Überqueren einer Straße deutlich reduzieren.
In Ulm gibt es rund 200 Ampelanlagen. Für 2026 ist die LOC.id-Technik zunächst vor allem an stark genutzten Kreuzungen in der Innenstadt und in Wiblingen vorgesehen.
Dazu gehören unter anderem mehrere Ampeln entlang der Neuen Straße und der Olgastraße. Ausgestattet werden sollen beispielsweise die Kreuzungen am Xinedome, an der Theaterkreuzung, an der Herdbrücke und an der Heidenheimer Straße. In Wiblingen ist die Anlage an der Donautalstraße auf Höhe des Fischerhauser Wegs vorgesehen.
Ein Teil der genannten Ampeln ist bereits umgerüstet, bei den übrigen Anlagen ist der Einbau im Laufe des Jahres 2026 geplant.
Entwickelt wurde das Projekt im Rahmen der Digitalen Agenda der Stadt Ulm. Beteiligt waren unter anderem die Mission Smart City, das städtische Team für Chancengerechtigkeit und Vielfalt sowie die Bereiche Verkehrsplanung und Straßenbau.
Finanziert wird die Technik mit Fördermitteln aus dem Smart-City-Projekt des Bundes. Die Stadt prüft nach eigenen Angaben bereits, ob LOC.id künftig auch in weiteren Bereichen eingesetzt werden kann. Langfristig sollen auch die übrigen Ulmer Ampelanlagen schrittweise barrierefreier werden.