Wer regelmäßig mit dem Bus durch Ulm und Neu-Ulm fährt, muss sich ab dem kommenden Jahr auf einige Änderungen einstellen. Am 1. Januar 2027 startet das neue gemeinsame Stadtliniennetz. Statt zweier weitgehend getrennter Netze sollen künftig mehr durchgehende Verbindungen beide Städte miteinander verknüpfen. Dazu kommen neue Elektrobusse, dichtere Takte auf wichtigen Strecken und zahlreiche umgebaute Haltestellen.
Bisher war eine Busfahrt von einem Ende Neu-Ulms bis auf die andere Seite von Ulm häufig mit Umsteigen verbunden. Besonders der Neu-Ulmer Busbahnhof war dabei ein wichtiger Umsteigepunkt. Mit dem neuen Liniennetz soll das einfacher werden. Die Buslinien werden künftig stärker miteinander verbunden. Neu-Ulms Oberbürgermeisterin Katrin Albsteiger erklärt:
Bisher war es so, dass wir praktisch zwei unterschiedliche Netze hatten. Ein Netz, das Ulm bedient hat, und ein Netz, das von Neu-Ulm aus auch in den Landkreis Neu-Ulm ausgestrahlt hat. Und deswegen musste relativ häufig umgestiegen werden, zum Beispiel an unserem Neu-Ulmer Busbahnhof. Und das versuchen wir jetzt mit der neuen Linienstruktur eben zu vermeiden, sodass man ganz schön von der einen Seite Neu-Ulms bis zur anderen Seite Ulm durchfahren kann.
Auch Ulms Oberbürgermeister Martin Ansbacher setzt auf die engere Verbindung der beiden Städte. Das gemeinsame Netz soll nach seinen Vorstellungen mehr Menschen dazu bewegen, den öffentlichen Nahverkehr zu nutzen.
Ein guter ÖPNV hilft Menschen preisgünstig von A nach B zu kommen, sehr attraktiv, eng getaktet. Und für uns ist wichtig, dass wir durch dieses neue Nahverkehrsnetz die beiden Städte Ulm und Neu-Ulm noch enger miteinander verbinden. Wir sind ja ein Wirtschafts-, Lebens- Arbeits- und Wohnraum, und durch diesen neuen Nahverkehrsplan wachsen wir noch enger zusammen.
Besonders viel verändert sich im Osten Neu-Ulms. Wer in Offenhausen, Pfuhl, Burlafingen oder Steinheim wohnt, bekommt mit der neuen Linie 3 eine einheitliche Verbindung. Bis Burlafingen soll der Bus künftig alle zehn Minuten fahren, zwischen Burlafingen und Steinheim alle 20 Minuten. Jasmin Eble aus der Verkehrsplanung der Stadt Neu-Ulm erklärt die Änderungen.
Sehr augenscheinlich ist die Neuordnung entlang unserer Ostachse, das heißt im Bereich Offenhausen, Pfuhl, Burlafingen und Steinheim. Da hatten wir bisher sehr, sehr viele unterschiedliche Linien mit unterschiedlichen Linienführungen. Und in Zukunft haben wir eine gebündelte Linie 3, die im 10-Minuten-Takt bis Burlafingen und zwischen Burlafingen und Steinheim dann im 20-Minuten-Takt quasi die Ostachse erschließt und somit dann den ÖPNV auf ein gleichwertiges Niveau wie auf der Südachse bringt.
Auch im Süden Neu-Ulms wird umgestellt. Die Linie 5 bekommt eine einheitliche Streckenführung und soll ebenfalls alle zehn Minuten fahren. Ergänzend kommt die Linie 26 hinzu, die im 20-Minuten-Takt unterwegs sein soll. Damit das neue Netz funktioniert, wird auch an den Haltestellen gearbeitet. Laut Eble sind in Neu-Ulm rund 20 Haltestellen komplett neu gebaut und barrierefrei ausgebaut worden. Zum Vergleich, bisher waren es normalerweise gerade einmal zwei bis drei Haltestellen pro Jahr.
Ganz ohne Einschränkungen wird der Start allerdings nicht funktionieren. Obwohl die Haltestellenarbeiten laut Oberbürgermeisterin Katrin Albsteiger im Zeitplan liegen, werden einige innerstädtische Baustellen auch Anfang 2027 noch bestehen. Deshalb müssen Fahrgäste weiterhin mit Umleitungen rechnen. Über die konkreten Änderungen wollen die Verantwortlichen aber noch rechtzeitig informieren.
Das neue Busnetz kostet ordentlich Geld. Ein großer Teil der Investitionen wird durch Fördermittel von Bund und Land unterstützt. Allein das Land Baden-Württemberg hat bereits 24,6 Millionen Euro für den Ausbau der Ladeinfrastruktur und weitere 7,5 Millionen Euro für neue Elektrobusse bewilligt. Es sind aber laut Ulms Oberbürgermeister Martin Ansbacher noch deutlich höheren Gesamtsummen.
Nicht nur das Streckennetz verändert sich, auch auf den Straßen wird es künftig anders aussehen. Die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm bauen ihre Elektrobusflotte deutlich aus. Allein 37 neue Elektrobusse sollen 2026 hinzukommen. Ralf Gummersbach, Geschäftsführer der SWU Verkehr, erklärt, wie weit die Umstellung bereits fortgeschritten ist.
Also wir hatten schon 14 Elektrobusse aus der Bundesförderung gehabt. Die setzen wir jetzt schon seit über zwei Jahren ein. Und dieses Jahr bekommen wir insgesamt 37. 30 davon sind schon da, die letzten sieben kommen im Oktober. Und unsere Subunternehmer beschaffen insgesamt auch nochmal 26 Elektrobusse.
Damit sollen 2027 insgesamt 77 Elektrobusse im städtischen Netz unterwegs sein, rund 70 Prozent der gesamten städtischen Busflotte, so Gummersbach.
Komplett verschwinden werden die Dieselbusse aber noch nicht. Einige Diesel-Hybridbusse sind erst drei bis fünf Jahre alt und sollen deshalb weiter genutzt werden. Gummersbach rechnet damit, dass die letzten dieser Fahrzeuge Anfang bis Mitte der 2030er-Jahre ausgetauscht werden. Für die zusätzlichen Elektrobusse braucht es außerdem neue Lademöglichkeiten. Deshalb investieren die Stadtwerke auch in die Ladeinfrastruktur. Die Umstellung wird unter anderem durch Fördermittel des Landes und des Bundes unterstützt. Ulms Oberbürgermeister Martin Ansbacher sieht in der Elektrifizierung auch Vorteile für Fahrgäste und Anwohner.
Also erstmal freuen wir uns sehr darüber, dass wir einen hohen Anteil an E-Bussen haben. Das ist bundesweit ein starker Anteil, den wir haben. Und ich glaube, die Bürgerinnen und Bürger sehen das da draußen auch, dass attraktive Busse fahren, dass es leise ist, dass es klimafreundlicher, schadstoffärmer ist, wenn diese Busse fahren.
Wer wissen möchte, ob sich die eigene Busverbindung ab Januar verändert, findet die neuen Linienführungen und Fahrpläne bereits hier.