Özdemirs Grüne knapp vorn – so hat unsere Region abgestimmt

Landtagswahl 2026 | Baden-Württemberg

Baden-Württemberg wacht nach einer langen Wahlnacht mit einem engen Ergebnis auf. Die Grünen von Cem Özdemir liegen landesweit knapp vor der CDU von Manuel Hagel. Für unsere Region besonders wichtig: Hagel gewinnt seinen Wahlkreis Ehingen klar, auch in Ulm, Biberach, Geislingen und Heidenheim sind die Direktmandate vergeben.

Was vor wenigen Wochen noch nach einem klaren CDU-Abend aussah, ist in der Nacht zu Montag zu einem echten Wahlkrimi geworden. Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis haben die Grünen mit 30,2 Prozent die Landtagswahl knapp gewonnen. Die CDU kommt auf 29,7 Prozent. Dahinter folgen AfD 18,8 Prozent und SPD 5,5 Prozent. FDP und Linke verpassen mit jeweils 4,4 Prozent den Einzug in den Landtag. Damit werden im neuen Parlament nur noch vier Parteien vertreten sein.

Besonders eng: Bei den Mandaten liegen Grüne und CDU sogar gleichauf bei jeweils 56 Sitzen. Politisch ist das trotzdem ein Sieg für Cem Özdemir, der sich in der Nacht bereits zum Wahlsieger erklärt hat. Noch ist damit aber nicht entschieden, wie die nächste Landesregierung am Ende exakt aussieht. Fest steht nur: Rechnerisch spricht weiter viel für eine neue Auflage von Grün-Schwarz. Schon am heutigen Montag beraten die Spitzengremien beider Parteien über das Ergebnis und das weitere Vorgehen.

Auffällig ist auch die höhere Beteiligung. Nach Angaben der Landeswahlleiterin lag sie bei 69,6 Prozent und damit spürbar über dem Wert von 2021 mit 63,8 Prozent. Erstmals durften in Baden-Württemberg bei einer Landtagswahl außerdem auch 16- und 17-Jährige abstimmen.

Das bedeutet das Ergebnis für unsere Region

Für die DONAU 3 FM-Region ist der Blick in die Wahlkreise besonders spannend. Im Wahlkreis Ehingen hat CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel sein Direktmandat klar verteidigt. Er holte 47,1 Prozent der Erststimmen. Auch bei den Zweitstimmen lag die CDU dort mit 40,6 Prozent deutlich vorn. Landesweit hat es für Hagel und die Union trotzdem knapp nicht gereicht.

Im Wahlkreis Ulm gewann Mario Schneider (CDU) das Direktmandat mit 33,3 Prozent der Erststimmen. Bei den Zweitstimmen lagen hier allerdings die Grünen mit 36,7 Prozent vor der CDU mit 28,5 Prozent. Das zeigt ziemlich gut, wie gemischt die Stimmung in der Region am Ende war.

Im Wahlkreis Biberach setzte sich Thomas Dörflinger (CDU) klar durch. Er kam auf 46,4 Prozent der Erststimmen, bei den Zweitstimmen lag die CDU dort bei 39,1 Prozent. Die AfD erreichte in Biberach 21,5 Prozent der Zweitstimmen, die Grünen 23,0 Prozent.

Auch im Wahlkreis Geislingen holte die CDU das Direktmandat. Nicole Razavi gewann dort mit 40,9 Prozent der Erststimmen. Bei den Zweitstimmen erreichte die CDU 34,7 Prozent, die Grünen kamen auf 25,0 Prozent, die AfD auf 21,7 Prozent.

Im Wahlkreis Heidenheim lag die CDU ebenfalls vorn. Michael Kolb gewann das Direktmandat mit 29,0 Prozent der Erststimmen. Die Grünen kamen auf 20,1 Prozent, die AfD auf 24,9 Prozent. Für SPD-Spitzenkandidat Andreas Stoch, der in Heidenheim antrat, war der Abend besonders bitter: Er landete bei 15,9 Prozent der Erststimmen und deutlich hinter CDU, AfD und Grünen.

Die Spitzenkandidaten und die große politische Botschaft

Vor der Wahl war die Ausgangslage klar: Es ging um die Nachfolge von Winfried Kretschmann, der nach drei Amtszeiten nicht mehr angetreten ist. Für die Grünen zog Cem Özdemir in den Wahlkampf, für die CDU Manuel Hagel. In den Umfragen hatte sich zuletzt ein Kopf-an-Kopf-Rennen abgezeichnet – genau so kam es dann auch.

Politisch ist dieses Ergebnis mehr als nur ein Landesresultat. Die Grünen schaffen es in Baden-Württemberg erneut, stärkste Kraft zu werden. Die CDU legt zwar zu, verpasst aber das erklärte Ziel, wieder die Führung im Land zu übernehmen. Für die SPD ist der Abend historisch schwach, für die FDP besonders bitter: Ausgerechnet im eigenen Stammland ist sie künftig nicht mehr im Landtag vertreten.

Stand Montag, 9. März, 05:30 Uhr gilt deshalb: Baden-Württemberg hat gewählt, die Grünen liegen knapp vorn, und in unserer Region bleiben viele Wahlkreise fest in CDU-Hand. Die eigentliche Machtfrage wird jetzt in den Gesprächen der kommenden Tage entschieden.

Die Spitzenkandidaten:

Cem Özdemir:

Cem Özdemir ist ein grünes Urgestein. Seit über 40 Jahren ist er bei den Grünen aktiv. Bei seiner Nominierung als Kandidat der Partei für das Amt des Ministerpräsidenten in Heidenheim am 24. Mai 2025 setzte Özdemir stark auf wirtschaftliche Themen und erhielt 97 Prozent der Stimmen auf der Landesdelegiertenkonferenz. 

Mit seinem Wechsel in die Landespolitik setzt der prominente Vertreter des Realoflügels vorerst einen Schlusspunkt unter seine jahrzehntelange bundespolitische Karriere. Zuletzt war er von Dezember 2021 bis Mai 2025 Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft, als erster Bundesminister mit türkischen Eltern.

Manuel Hagel:

Manuel Hagel ist seit 2023 Landesvorsitzender der CDU Baden-Württemberg und zum ersten Mal Spitzenkandidat seiner Partei. Am 17. Mai 2025 wurde er in Stuttgart mit knapp 94 Prozent der Stimmen gewählt.

Hagel soll nach 15 Jahren die CDU in ihrem einstigen „Stammland“ wieder in die Regierungszentrale führen. In seiner Rede kündigte Hagel eine Agenda 2036 für Baden-Württemberg an. Schwerpunkte seien die Bekämpfung der Wirtschaftskrise, Bürokratieabbau, mehr Forschung und das „Familienland Baden-Württemberg“.

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