Ulm - Bewaffneter Einbrecher von Polizei angeschossen

Schüsse in Ulm

Nach einem versuchten Einbruch mussten Polizisten auf einen Mann schießen, der anschließend schwer verletzt in ein Krankenhaus kam. Das Landeskriminalamt ermittelt nun zu den Hintergründen.

Die Polizei hält sich sehr bedeckt zu den Ereignissen, die sich am Donnerstagmittag in der Nähe des Landratsamtes in der Ulmer Innenstadt zutrugen. Bisher bestätigt die Polizei lediglich, dass es gegen 12.35 Uhr zu einem polizeilichen Schusswaffengebrauch in der Böblingerstraße direkt neben dem Landratsamt kam. Dabei soll es sich um eine „mutmaßlich psychisch auffällige Person“ gehandelt haben. Diese Person, bei der es sich wohl um einen Mann handelt, ist schwer verletzt in ein Krankenhaus gebracht worden. Weitere Angaben zum Gesundheitszustand konnte die Polizei am Donnerstag nicht machen.

Polizei sucht Zeugen

Am Nachmittag ist die Polizei vor Ort mit einem Großaufgebot vertreten. Zahlreiche Streifenbeamte haben die Wiese hinter dem Wohnblock neben dem Landratsamt weiträumig abgesperrt. Auf der Wiese sind Spurensicherer der Ulmer Kriminalpolizei an der Arbeit.
Beamte des Kriminaldauerdienstes gehen von Wohnung zu Wohnung, um Zeugen zu finden und zu befragen. Das Landeskriminalamt Baden-Württemberg aus Stuttgart ist ebenfalls mit mehreren Beamten vor Ort, sie leiten die Ermittlungen, um eine neutrale Erfassung aller Spuren zu gewährleisten. Mehrere Notfallseelsorger begleiten die Ermittler, um die psychischen Folgen für Augenzeugen und die eingesetzten Beamten zu minimieren.

Beweise werden gesichert

Die Spurensicherung hat sich trotz Regen einen Klapptisch aufgestellt, auf dem Markierungsfarbe und Tüten liegen. Jedes auf der Wiese herumliegende Teil wird fotografiert und vermessen. Darunter sind neben Kleidungsstücken und persönlichen Gegenständen des Angeschossenen auch Teile der Amok-Schutzausrüstung eines Beamten. Offenbar hat ein Beamter diese abgelegt, um die Schussverletzungen des Angreifers zu versorgen bis der Rettungsdienst eingetroffen war.

Von besonderem Interesse ist für die Spurensicherung auch der Balkon einer Hochparterre-Wohnung. Hier ist einer der Blumenkästen heruntergerissen. Beamte in weißen Einweg-Schutzanzügen kriechen unter den Balkon, um auch dort nach Spuren zu suchen. Dazu gehören beispielsweise die Projektile der von der Polizei verschossenen Patronen.

Verlauf der Ereignisse

Einige Nachbarn haben die Ereignisse mitbekommen und auch, was sich davor zugetragen haben soll. Nach diesen Informationen soll der von der Polizei angeschossene Mann zuvor versucht haben, über den Balkon in eine Hochparterre-Wohnung einzudringen. Dabei soll dieser Mann auch mit zwei Pistolen bewaffnet gewesen sein. Ob es sich dabei um scharfe Waffen, Schreckschusswaffen oder Nachbauten echter Waffen handelt, konnten die Zeugen nicht einschätzen.

Nachdem die alarmierte Polizei eingetroffen war, konnten sie den Mann wohl auf der Wiese hinter dem Mehrfamilienhaus antreffen und haben ihn aufgefordert, die Waffen abzulegen. Nachdem der Mann nicht darauf reagierte, gab es nach den Aussagen der Anwohner zunächst einen Warnschuss, dann einen gezielten Schuss.
Diesen Ablauf konnte das Landeskriminalamt am Donnerstagnachmittag noch nicht bestätigen und verweist auf eine Presseinformation, die verteilt wird, sobald es gesicherte Informationen gibt.

Vorgeschichte

Am Donnerstag ging der junge Mann zum wiederholten Mal auf Bewohner der Wohnanlage los. Nach übereinstimmenden Angaben mehrerer Nachbarn musste die Ulmer Polizei mehrfach wegen des jungen Mannes eingreifen. Die Rede ist von etwa vier Einsätzen seit Jahresbeginn, wobei die meisten auf die letzten Wochen entfallen. Bis zu fünf Streifenwagen sollen dabei jeweils im Einsatz gewesen sein. Immer wieder ist die Rede davon, dass der junge Mann psychisch auffällt ist, Nachbarn bezeichnen ihn als krank.

Meist war der jetzt Angeschossene verbal aggressiv oder auch mit mehreren Messern bewaffnet. Nachbar berichten von Kratzern und Schnitten an den Wohnungstüren, die mit Messern verursacht wurden. Auch an einer Haustüre lassen sich Spuren finden, die von einem Messer verursacht sein können. Doch offen sprechen will von den Nachbarn niemand, keiner nennt seinen Namen. Sie haben Angst. Angst, was als nächstes kommt, wenn der junge Mann aus dem Krankenhaus entlassen wird.

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