Der Insolvenzverwalter von R-Pharm Germany in Illertissen hat heute allen gut 300 Beschäftigten des Unternehmens gekündigt. Das teilte die Gewerkschaft IGBCE nach einer Belegschaftsversammlung mit. Grund für die Entscheidung ist nach Angaben des Insolvenzverwalters, dass bislang kein Investor gefunden werden konnte, der den Produktionsbetrieb, die Anlagen und die Belegschaft direkt übernimmt. Gleichzeitig sei der Standort derzeit nicht ausreichend ausgelastet, um die laufenden Kosten zu decken.
Nach aktuellem Stand sollen etwa 85 Beschäftigte in einem Abwicklungsteam weiterarbeiten. Alle anderen Mitarbeiter werden nach Angaben der IGBCE ab Montag unwiderruflich freigestellt. Weil dem Insolvenzverwalter laut Gewerkschaft nicht genügend finanzielle Mittel zur Verfügung stehen, sollen sich die betroffenen Beschäftigten bei der Agentur für Arbeit arbeitssuchend und arbeitslos melden. So sollen sie während der dreimonatigen Kündigungsfrist finanziell abgesichert werden. Für viele Beschäftigte ist die Situation besonders belastend. Nach Angaben der IGBCE arbeiten am Standort zahlreiche Mitarbeiter bereits seit vielen Jahren zusammen, teilweise auch mit Familienmitgliedern oder engen Freunden.
Ganz abgeschlossen ist die Suche nach einer möglichen Lösung für den Standort allerdings noch nicht. Laut IGBCE gibt es weiterhin zwei Interessenten, die derzeit versuchen, die finanziellen Voraussetzungen für eine Übernahme zu schaffen. Ob daraus tatsächlich noch ein Vertragsabschluss entsteht, ist offen. Gewerkschaft und Betriebsrat betonen, dass die Zeit drängt. Der Insolvenzverwalter habe vom Gläubigerausschuss weiterhin den Auftrag, den Übernahmeprozess fortzuführen. Sollte es doch noch zu einer Einigung mit einem Investor kommen, wollen Betriebsrat und Gewerkschaft nach eigenen Angaben dabei helfen, die Pharmaproduktion wieder hochzufahren.
Der Standort in Illertissen hat nach Angaben der IGBCE eine Pharma-Geschichte, die bis ins Jahr 1849 zurückreicht. Entsprechend groß ist die Sorge, dass diese Tradition nun enden könnte. Erst am 20. August hatten sich Vertreter aus Politik und Verwaltung im Unternehmen über die Lage informiert. Darunter waren unter anderem CSU-Fraktionschef Klaus Holetschek, Landtagsabgeordneter Thorsten Freudenberger, Bundestagsabgeordneter Alexander Engelhard, der stellvertretende Landrat Erich Winkler und Illertissens Bürgermeister Jürgen Eisen. IGBCE und Betriebsrat wollen die Beschäftigten nun auch nach den Kündigungen weiter begleiten. Geplant sind regelmäßige Treffen sowie Beratungsangebote unter anderem mit Betriebsseelsorge und Rechtsanwälten.