Religionsunterricht: Warum die Evangelische Landeskirche das Fach heute wichtiger denn je findet

Religionsunterricht

Braucht es Religionsunterricht heute überhaupt noch? Die Evangelische Landeskirche in Württemberg sagt klar: ja. Bildungsdezernentin Carmen Rivuzumwami erklärt, warum das Fach aus ihrer Sicht gerade in Krisenzeiten wichtig ist – und warum sie trotzdem auch Ethikunterricht an Grundschulen begrüßt.

Welche Rolle spielt Religionsunterricht noch in einer Gesellschaft, in der immer mehr Menschen keiner Kirche angehören und unterschiedliche Religionen zusammenleben? Für Carmen Rivuzumwami von der Evangelischen Landeskirche in Württemberg ist die Antwort eindeutig. Sie sieht das Fach gerade in Zeiten vieler Krisen als wichtigen Ort für Orientierung und persönliche Fragen.

Religionsunterricht war noch nie so wertvoll und wichtig wie heute. Kinder und Jugendliche sind heute schon früh mit Multikrisen belastet – auch in der Grundschule, sogar schon in der Kita. Hier nach Sinn und Orientierung fragen zu können und so sein zu können, wie sie sind – ausgehend auch von unserem christlichen Menschenbild, dass erst einmal jedes Kind angenommen ist, so wie es ist, geliebt, begleitet, gefordert und gefördert – das zeigt der Religionsunterricht deutlich. Alle Fragen sind willkommen und ernst genommen.

Eigene Haltung statt fertiger Antworten

Kritik gibt es immer wieder an der Frage, ob Religionsunterricht Kinder zu stark in eine bestimmte Richtung beeinflusst. Rivuzumwami weist den Vorwurf zurück. Ihr zufolge gehe es darum, Schülern mit christlichen und biblischen Traditionen vertraut zu machen, ohne ihnen eine bestimmte Haltung vorzuschreiben. Stattdessen sollen sie lernen, eigene Positionen zu entwickeln und andere Perspektiven nachzuvollziehen.

Ethikunterricht soll keine Konkurrenz sein

Auch Ethikunterricht sieht Rivuzumwami nicht als Gegenmodell zum Religionsunterricht. Die Kirchen in Baden-Württemberg würden es begrüßen, wenn Ethik auch an Grundschulen eingeführt wird. Beide Fächer könnten sich aus ihrer Sicht ergänzen.

Wir – die vier Kirchen für das Bundesland Baden-Württemberg können für den Religionsunterricht als ordentliches Schulfach nur gemeinsam sprechen – begrüßen es, wenn endlich auch Ethik in der Grundschule eingeführt wird. Darin sehen wir eine Chance. Nicht im Entweder-Oder, sondern im Miteinander, weil viele Themen in der gemeinsamen Ethik wichtig sind, auch für das interreligiöse Begegnungslernen.

Auch konfessionslose Kinder nehmen teil

Nach Angaben der Evangelischen Landeskirche in Württemberg besuchen auch viele Kinder ohne Kirchenzugehörigkeit oder mit anderen religiösen Hintergründen den evangelischen Religionsunterricht. Rivuzumwami sieht darin eine Bereicherung. Dabei gehe es auch darum, andere Religionen kennenzulernen, zuzuhören und miteinander ins Gespräch zu kommen. Gleichzeitig soll der Religionsunterricht nach ihrer Vorstellung weiterhin konfessionell geprägt bleiben und stärker mit anderen Konfessionen, Religionen und dem Fach Ethik zusammenarbeiten.

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