Forscher der Universität Tübingen haben deshalb gemeinsam mit dem Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung neue Unterrichtsmaterialien entwickelt. „Dialekt und Du“ soll Schüler für Dialekte, Akzente und Mehrsprachigkeit sensibilisieren.
Nach Angaben der Universität sprechen nur noch etwa 11 bis 15 Prozent der Grundschulkinder in Baden-Württemberg Dialekt. Grundlage dafür ist eine Studie des Ludwig-Uhland-Instituts für Empirische Kulturwissenschaft.
Ein Problem seien dabei auch Vorurteile gegenüber Menschen, die Dialekt oder mit einem bestimmten Akzent sprechen. Sie würden teilweise weniger ernst genommen oder wegen ihrer Sprache abgewertet. Genau hier sollen die neuen Unterrichtsmaterialien ansetzen.
Für „Dialekt und Du“ haben die Forschenden Menschen vor allem aus Baden-Württemberg, teilweise auch aus Bayern, zu ihren Erfahrungen mit Dialekten, Akzenten und unterschiedlichen Sprachen befragt. Daraus entstanden unter anderem Hörbeispiele und Comics.
Im Unterricht sollen die Schüler dann beispielsweise darüber sprechen, welche Vorurteile es gegenüber Dialekten gibt und ob Aussagen wie „Dialekt hat keine richtigen Grammatikregeln“ überhaupt stimmen. In Rollenspielen können sie außerdem Situationen nachstellen, in denen Menschen wegen ihrer Sprache benachteiligt werden.
Die Unterrichtseinheiten wurden gemeinsam mit dem Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung so aufbereitet, dass Lehrkräfte sie mit möglichst wenig zusätzlichem Aufwand einsetzen können.
Das Webportal „Dialekt und Du – das Webportal für sprachliche Vielfalt“ wurde am vergangenen Freitag vorgestellt. Es ist Teil der Dialektstrategie des Landes Baden-Württemberg und soll zeigen: Ob Schwäbisch, Standardsprache, Akzent oder eine weitere Sprache – unterschiedliche Arten zu sprechen gehören zum Alltag.