Shamonda-Virus breitet sich aus - wie gefährlich es ist

Kühe geben weniger Milch

Das sogenannte Shamonda-Virus breitet sich in den baden-württembergischen Rinderställen aus. Wie das Landwirtschaftsministerium die Gefahr für Mensch und Tier einschätzt.

Wenn Rinder im Stall Fieber oder Durchfall bekommen oder deutlich weniger Milch geben, kann das am sogenannten Shamonda-Virus liegen. In Baden-Württemberg breiten sich Erkrankungen durch eine neu eingeschleppte europäische Variante des Virus weiter aus. Bis zum 28. August wurden Rinder in 244 Betrieben positiv getestet. Das geht aus einer Übersicht des Staatlichen Tierärztlichen Untersuchungsamtes (STUA) Aulendorf hervor.

Schwerpunkt im Kreis Ravensburg

Besonders viele Fälle gibt es demnach im Landkreis Ravensburg. Dort sind mehr als 80 Betriebe betroffen. Auch in den Kreisen Biberach, Sigmaringen, Konstanz und im Bodenseekreis wurden positive Tiere festgestellt. Landesweit gibt es in fast allen Landkreisen mindestens einen Fall. Im Südwesten werden Rinder nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums in rund 16.000 registrierten Betrieben gehalten.

Für Menschen ist das Virus nach bisherigem Kenntnisstand nicht gefährlich. Viren aus der betreffenden Gruppe gelten in der Regel nicht als Erreger, die von Tieren auf Menschen übergehen. Es gebe bisher keine Hinweise auf Infektionen oder Erkrankungen beim Menschen, teilte auch das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) mit. Übertragen wird das Virus durch Stechmücken (Gnitzen).

Keine Meldepflicht

Trotz der wachsenden Zahl betroffener Betriebe zeigt sich das baden-württembergische Landwirtschaftsministerium nicht besonders besorgt. Eine genaue Einschätzung der Ausbreitung sei allerdings schwierig. «Für das Shamonda-Virus gibt es keine Meldepflicht, daher lässt sich hierzu keine verlässliche Aussage treffen», sagte ein Sprecher des Ministeriums.

Nach Einschätzung des Ministeriums dürfte die Zahl der Neuinfektionen in den kommenden Wochen zurückgehen. Zum einen nimmt die Aktivität der Gnitzen im weiteren Jahresverlauf ab. Zum anderen dürfte die Immunität in der Rinderpopulation zunehmen. Je nach Wetter können die Mücken bis in den Herbst hinein aktiv bleiben. Mit zunehmend kalten und kürzeren Tagen geht ihre Zahl ab November deutlich zurück.

Meist milder Verlauf

Viele infizierte Rinder zeigen nach Angaben des Ministeriums keine Krankheitszeichen. Bei akuten Infektionen können Fieber, Durchfall und ein Rückgang der Milchleistung auftreten. Wie stark die Milchleistung sinkt, hängt demnach vor allem von der Höhe des Fiebers ab. «Betroffene Tiere erholen sich innerhalb weniger Tage wieder. Todesfälle sind bislang nicht bekannt», sagte der Ministeriumssprecher.

Infektionen mit der in Süddeutschland, Frankreich und der Schweiz festgestellten Variante wurden nach Angaben des FLI bislang bei Rindern, Pferden, Schafen und Ziegen nachgewiesen.

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